Fortbildungsprojekt für junge Regisseur*innen

Fortbildungsprojekt für junge TheaterregisseurInnen Goethe-Institut

3. Generation 2019: Chile - Peru – Uruguay

Das Festival Internacional Santiago a Mil gibt den Startschuss für die Neuauflage des PDE, welches zwischen Januar 2019 und Januar 2020 in die dritte Runde gehen wird. Im Rahmen einer Residenz nehmen in diesem Zusammenhang sechs Theaterregisseur*innen an Workshops teil, die von Vertretern der aktuellen deutschen Szene, wie dem Kollektiv She She Pop (Schubladen und Oratorium) und der Theaterregisseurin Verena Regensburger (Luegen) betreut werden. Zeitglich haben sie die Möglichkeit an verschiedenen Aktivitäten teilzunehmen, die von Lab Escénico und Platea 19 organisiert werden. Um in den vollen Genuss der Qualität der Arbeit mit den Künstler*innen und des international ausgerichteten Residenzprogramms zu kommen, bietet das Goethe-Institut parallel dazu Deutschkurse für Anfänger an.

Innerhalb von Chile, Uruguay und Peru ist PDE ein einzigartiges Projekt, das seit seiner Premiere die Ausbildung von Künstler*innen begleitet, deren kreative Prozesse unterstützt und sie auf internationaler Ebene vernetzt.
 

Lerne hier die Gruppe der neuen „PDEler“ kennen!

Die 2019 ausgewählte Generation von Schaffenden, welche nun ihre Projekte durch das PDE entwickeln darf, besteht aus Florencia Caballero und Federico Puig aus Uruguay; Mirella Quispe und Claudia Tangoa aus Peru; sowie Nicolás Lange und Carlos Soto Molina aus Chile.

Lerne die Teilnehmenden kennen:

FLORENCIA CABALLERO

Florencia Caballero © Florencia Caballero ist Regisseurin, Dramaturgin und Schauspielerin aus Uruguay.

Was für ein Projekt möchtest du durch das PDE realisieren?
 
Ich möchte an einem Projekt arbeiten, welches sich „Verano“ („Sommer“) nennt. Das Stück behandelt die Art und Weise, wie wir uns innerhalb von Peergroups, zwischen Freunden und Paaren verknüpfen und wie diese Verbindungen sich in die sozialen Netze unseres Lebens einflechten. Diese sind eigentlich immer dem System untergeordnet. Wir denken zwar, unsere Verbindungen seien autonom, aber das sind sie nicht. Sie agieren immer, um diese zutiefst ungerechten und ungleichen sozialen Strukturen, in denen wir leben, zu stärken, und treten dabei als vollkommen naturalisierte Mechanismen auf.
 
Was sind deine Erwartungen als Teilnehmerin am PDE?

Mir ist es sehr wichtig, Rahmen zu schaffen, welche auch mit der Ausbildung im Zusammenhang von Projekten zu tun haben. In Uruguay gibt es keine auf die Regie spezialisierten Kurse. Im kommenden Jahr wird endlich ein Kurs auf Universitätsniveau eröffnet, sodass jede Möglichkeit, die es in der Art gibt, einen Beitrag leistet. Das ist mir schon mal mit einem anderen Projekt passiert, welches auch durch eine Fortbildung entstand und sich schließlich in ein professionelles Stück gewandelt hat. Was ich mir vom PDE erhoffe, ist, einen Raum zu haben, um Ideen auszutauschen.

FEDERICO PUIG

Federico Puig © Federico Puig ist ein uruguayischer Schauspieler, der kurz nachdem er in das Schauspiel einstieg, merkte, dass sein Interesse mehr bei der Regie liegt, sodass er eine Ausbildung in der Regie und in der Dramaturgie begann. Zudem ist er Kognitionspsychologe und arbeitet in einem Forschungslabor.

Was für ein Projekt möchtest du durch das PDE realisieren?
 
Mein Projekt trägt bisher noch einen vorläufigen Titel. Ich weiß noch nicht, ob es „Nosotros los buenos“ („Wir, die Guten“) oder „Nosotros lo bueno“ („Wir, das Gute“) heißen wird. Im Wesentlichen möchte ich mit mikropolitischen Diskursen arbeiten, um zu analysieren, oder von ihnen ausgehend zu verstehen, warum die Gesellschaft zweigeteilt ist: da sind wir, die wir uns als die Guten, die Gebildeten, die mit Zugang zu guten Dienstleistungen betrachten, und die Anderen, welche wir eigentlich gar nicht kennen, denen wir aber einen Großteil der gesellschaftlichen Probleme zuschreiben.    

Was sind deine Erwartungen als Teilnehmer am PDE?

Ich denke, vor allem der Austausch mit Kolleg*innen ist etwas sehr positives am PDE; das Denken aus anderen Perspektiven, also von Menschen, die ihren Beruf in anderen Städten und in anderen Realitäten ausüben. Dieser Austausch von Erfahrungen kommt der Entwicklung meiner Ideen zugute. Außerdem denke ich, dass dieses Projekt einen schönen Rahmen schafft, um mich mehr zu vertiefen und weiterzuarbeiten.

NICOLÁS LANGE

Nicolás Lange © Nicolás Lange studierte Theaterwissenschaften an de Universidad de Chile, begann danach aber, sich mehr der Forschung, der Performanz und der Poesie zu widmen. Eines seiner letzten Projekte, „Yo salvo la muerte“ („Ich rette den Tod“), gewann 2018 den Gabriela Mistral-Preis.

Was für ein Projekt möchtest du durch das PDE realisieren?
 
Das Projekt handelt von den Frauen mit AIDS in den wichtigen Städten Chiles, so wie Antofagasta, Puerto Montt, Santiago und Valparaíso. Das sind Städte, die als „Anker“ für dieses Projekt fungieren. Das Projekt arbeitet mit dem Text „Yo salvo la muerte“ („Ich rette den Tod“), welchen ich 2017 geschrieben habe. Er wird ans Theater angepasst werden und vereint Theater, Poesie und Performance dieser Frauen.
 
Ich hoffe, dass das Projekt wie eine Bombe funktioniert. Es muss eine Bombe in der Stadt sein. Ich habe davon gesprochen: dass es dieses Jahr kein Theaterstück gibt wie jener Projektor mit dem Satz von Raúl Zurita und dem Gesicht von Catrillanca. Das ist eine Bombe. Das Projekt appelliert also an diese Art von Praktiken, welche etwas innerhalb der Stadt mobilisieren können und ich möchte nicht, dass es wie ein Theaterstück wird, dass eingesperrt und nur für ein bestimmtes Publikum spezialisiert ist. Es soll durch dieses feminine Zeugnis eine Auswirkung auf die Bevölkerung oder die Straße haben.
 
Was sind deine Erwartungen als Teilnehmer am PDE?
 
Diese Möglichkeit Ist super, weil sie mir den besten Impuls bietet, dieses poetische Stück in ein Theaterstück zu übersetzen. Ich weiß, dass mir das viel bringen wird und das ist, was ich anstrebe. Außerdem ist es immer gut, eine Einrichtung zu haben, die dir den Eintritt zu einem Medium verschafft, mit dem du sowohl die Möglichkeit zum Reisen sowie lateinamerikanische Kolleg*innen bekommst, weil ich denke, dass das Projekt schon viel über Lateinamerika spricht und über die lateinamerikanische Feminisierung, welche mich interessiert.

CLAUDIA TANGOA

Claudia Tangoa © Claudia Tangoa ist eine peruanische Regisseurin und Dramaturgin, die sich in letzter Zeit dazu entschied, die Grenzen von Realität und Fiktion zu erforschen.

Was für ein Projekt möchtest du durch das PDE realisieren?
 
Ich werde jetzt an einem Thema arbeiten, welches mit der Repression von nicht heteronormativen sexuellen Räumen zu tun hat. Der Prozess wird eine komplette Inszenierung umfassen, sowohl den Text als auch das, was auf der Bühne passiert.
 
Was sind deine Erwartungen als Teilnehmerin am PDE?
 
Ich schätze mich sehr glücklich, hier zu sein; es interessiert mich, Menschen aus meiner Generation kennenzulernen, die auf anderen Sprachen arbeiten. Ich hoffe, einen gemeinsamen Prozess zu erleben, bei dem wir uns gegenseitig Feedback geben können.
 
Die Möglichkeit, neue Lehrende sowie neue Erlebnisse zu haben und diese Art von internationalen Festivals kennenzulernen, die Firmen aus der ganzen Welt beherbergen, das wird mir sehr viel bringen. Das ist super, weil es sehr schwierig ist, auf dem neusten Stand zu bleiben, in dem Sinne, das Neueste, an dem gearbeitet wird, konsumieren zu können, weil man zum Ort des Geschehens müsste, von hier kann man im Internet schauen, aber das ist nicht das gleiche. Also die Möglichkeit zu haben, hier zu sein, der Aufenthalt in Deutschland, das wird meinen mentalen Horizont aus den darstellenden Künsten erweitern.

MIRELLA QUISPE

Mirella Quispe © Mirella Quispe ist eine peruanische Künstlerin, ausgebildet in Literatur und Schauspiel. Produktion, Dramaturgie und Regie als etwas Vereintes hat sie vor allem in der Arbeit an unabhängigen Theaterprojekten kennengelernt.

Was für ein Projekt möchtest du durch das PDE realisieren?

Ich nehme am PDE mit einem Projekt teil, welches ich vor 1 ½ oder 2 Jahren geschrieben habe und jetzt fertigstellte. Es heißt “Paraíso” (“Paradies”) und befasst sich mit der Geschlechtergewalt aufgrund des physischen Auftretens von Personen. Dabei wird auch das Thema psychologische Gewalt mit eingeschlossen. Ich versuche, mich dieser Phase zu nähern, bevor ich mich dem Thema Gewalt zuwende, das eher physisch und stark ist. Heutzutage gibt es in Peru eine Art nationale Aktivität, weil wir 10 Tage im Jahr nahmen und 5 Frauen bereits ermordet wurden, sodass diese Arbeit aus meiner Sicht ein wenig ein „Notfalltheater“ ist.      

Was sind deine Erwartungen als Teilnehmerin am PDE?
 
Ganz viele Erwartungen, weil in Peru gibt es keine “Schule” für Regie, wir lernen durchs Machen, aber wir haben kein Modell. Viel kommt an, aber nur bei Festivals und davon gibt es nicht viele. Das Festival hier öffnete mir die Türen zu neuen Angeboten, neuen Darstellungen und Inszenierungen mit mehr Risiko als ich in meinem Land sehen kann. Es ist ein ganz neuer Blick und es ist das erste Mal, dass ich zu einem Festival außerhalb fahre, was auch ein Mehrwert ist, denn außerhalb der Inszenierung oder der Dinge, die ich auf der Bühne sehe, ist es die Kultur, die mich auf andere Weise lesen lässt, was die Künstler*innen mir auf der Bühne zeigen.            
 
Und natürlich von Menschen mit viel mehr Erfahrung zu lernen, aus Ländern, wo das Theater einen ganz anderen Entwicklungsstand hat, so wie in Santiago. Ich versuche, so viel wie möglich durch diese Erfahrung zu lernen. Ich kam her mit der Einstellung eines Schwammes. Das PDE wird meine Schule sein.

CARLOS SOTO MOLINA

Carlos Soto Molina © Carlos Soto Molina ist in Schauspiel ausgebildet und studierte einige Jahre lang Philosophie. Er ist in der Regie, Dramaturgie und am Lehrkörper in der Region Biobío tätig.

Was für ein Projekt möchtest du durch das PDE realisieren?
 
Um mein Projekt zu entwickeln, möchte ich zunächst viel forschen und Zweifel ausräumen, die nicht nur dieses Projekt umkreisten, sondern auch eine Forschung, an der ich mit meiner Theatergruppe „La Facha Pobre“ arbeite, über die Identität in Aussagen. Es ist ein auf Aussagen basierendes Projekt, welches politische Ziele hat, die sind aber sehr stark mit den Menschen verbunden. Es geht darum, Aussagen von Menschen aus den Regionen zu bekommen, um zu zeigen, wie das Patriarchat in den Körpern verankert ist. Gerade in diesem historischen Moment, den wir in unserem Land erleben, wo die Frauen im Feminismus jenen Diskurs erkennen, der dem Patriarchat und dem Kapitalismus komplett entgegensteht.
Aber es soll auch angegangen werden, wie ein das Überdenken dessen erreicht werden kann, welchen Raum das Theater hat, um eine Stimme Lateinamerikas zu schaffen. Dabei muss bedacht werden, dass ein großer Teil der Theatergeschichte seinen Ursprung im Patriarchat, im westlichen Denken und in der Kolonisierung hat.

Was sind deine Erwartungen als Teilnehmer am PDE?
 
Ich bin sehr glücklich, ausgewählt worden zu sein. Ich glaube, dass diese Art von Ausbildung super ist; sie erlaubt uns, durch das Beobachten zu verstehen, was die westliche Kultur uns gegeben und genommen hat. Die sprachliche Ausbildung ist auch bereichernd, weil es eben super wichtig ist, die Sprache zu lernen, aber genauso wichtig ist auch die Arbeit mit den Künstler*innen, sie zu beobachten, ihre Körper zu sehen, zu sehen, wie sie leben. Durch den Prozess wird ein Verständnis von Disziplin, unseren Identitäten, und Menschen, die von anderen Orten und Realitäten ausgehend den gleichen Beruf ausüben, erlangt.