Sprachen und damit auch das Sprachenlernen sind eng mit Identität verbunden. Schon im Anfängerunterricht sprechen Lernende über sich selbst, ihre Erfahrungen und ihre Beziehungen zu anderen Menschen. Wie können Sie Ihren Lernenden helfen, Genderidentitäten außerhalb der maskulin-feminin Zweiteilung auszudrücken?
Warum brauchen wir genderinklusive Sprache im DaF-Unterricht?
Nicht alle Lernenden in Sprachkursen identifizieren sich mit den binären Kategorien „männlich“ oder „weiblich.“ Vielmehr ist Gender, das soziale Geschlecht von Menschen, als breites Spektrum zu verstehen. Aber wie lässt sich dieses Spektrum im Deutschen abbilden? Außerhalb der offiziellen Normen der deutschen Sprache gibt es viele Möglichkeiten für einen genderinklusiveren Sprachgebrauch. Lehrkräfte können im Unterricht einen Beitrag zur Sensibilisierung für genderinklusive Sprache leisten, indem sie ihre Lernenden darauf aufmerksam machen.
Das Gendersternchen und der Gender-Gap machen es einfach, genderinklusive Varianten von Nomen zu schaffen, zum Beispiel wird aus „Freund“ und „Freundin“ dann „Freund*in“. Für Lernende (und auch Lehrende) ergeben sich dadurch aber auch gewisse sprachliche Herausforderungen, da manchmal grammatikalische Informationen verloren gehen. Schreibt man zum Beispiel „Ich sehe eine*n Köch*in“, dann ist den Lernenden nicht ersichtlich, dass die maskuline Singular-Form „Koch“ und nicht „Köch“ ist. Das Problem lässt sich umgehen, indem Sie Ihren Lernenden genderneutrale Formen beibringen, wie zum Beispiel „Studierende“ oder „Lernende“. Es gibt im gängigen Sprachgebrauch keine genderneutrale Alternative für ein Nomen? Dann zeigen Sie Ihren Lernenden, wie sie durch kreativen Sprachgebrauch binäre Konstruktionen vermeiden können: So wird „der*die Teilnehmer*in“ einfach zu „die teilnehmende Person“ oder „der*die Chefin“ zu „die Führungskraft“.
Ein genderinklusiver Unterricht hört natürlich nicht mit den Nomen auf. Häufig verwendet wird auch das Personalpronomen xier, das in der deutschen Transcommunity entstanden ist. Auf Illi Anna Hegers Webseite findet man ausführliche Erklärungen zur Benutzung dieser Pronomen. Wie bei den genderneutralen Nomen ist es am wichtigsten, bei den Lernenden ein Bewusstsein für diese Pronomen zu schaffen. Das bedeutet nicht, dass diese im Detail eingeführt und diskutiert werden müssen. So lässt sich das Thema Pronomenwahl zum Beispiel ansprechen, indem bei einer Vorstellungsrunde einfach die Frage „Was ist dein Pronomen?“ gestellt wird. Genderinklusivität wird somit zum Teil des aktiven Sprachgebrauchs. Wenn Lernende sowohl genderneutralen Nomen als auch Pronomen regelmäßig im Rahmen authentischer Sprechanlässe begegnen, wird deren Gebrauch normalisiert, was sehr zur Inklusion von nicht-binären Personen beiträgt.
Ein genderinklusiver Sprachgebrauch ist eng mit breiteren Diskussionen zum Thema Gender- und Geschlechtsidentität verbunden. Deutschlehrkräfte, die in unterschiedlichen kulturellen Kontexten unterrichten, müssen die lokalen Bedingungen und kulturellen Diskurse zum Thema Gender mit der Vermittlung eines modernen, inklusiven Deutschlandbilds in Einklang bringen. Viele dieser sprachlichen Strukturen sind zwar noch nicht offiziell im Duden festgehalten. Eine unserer wichtigsten Aufgabe als Lehrende ist jedoch, eine Lernatmosphäre zu schaffen, in der sich alle Lernenden repräsentiert fühlen. Und die Vermittlung sprachlicher Mittel zum Ausdruck vielfältiger Genderidentitäten ist ein wichtiger Teil dieser Inklusion.
Literaturhinweise
Herrmann, Steffen (2003): Performing the Gap – Queere Gestalten und geschlechtliche Aneignung. Arranca! Ausgabe 28, November, S. 22 - 26.
Djavadghazaryans, Angineh. ’Please Don’t Gender Me!’ Strategies for Inclusive Language Instruction in a Gender-Diverse Campus Community.” Diversity and Decolonization in German Studies. Hrsg. Regine Criser and Ervin Malakaj. New York: Palgrave, 2020. 269–287.