VOGELPERSPEKTIVE
DESINFORMATION UND BIOSPHÄREN

Aus der Flughöhe der Vögel offenbart sich der Wald in Schichten: Baumkronen und Flüsse, indigene Kosmologien und die menschlichen Eingriffe in das Biom. Satellitendaten und neue Technologien der Luftbildgebung machen zugleich den aktuellen Zustand des Waldes sichtbar. Vogelperspektive nimmt diese Überschneidungen zum Ausgangspunkt und bringt indigene Künstlerinnen und Künstler, Forschende und Institutionen aus Brasilien, Deutschland, Frankreich und Französisch-Guayana rund um eine Frage zusammen: Wie lassen sich diese Perspektiven stärken, und wie können wir voneinander lernen, Desinformation zu bekämpfen?

Stilisierte gelbe Pflanze mit traditionellen Symbolen auf schwarzem ©Larissa Ye'pa Tukano

Über das Projekt

Desinformation ist zu einer ernsten Bedrohung für unsere Demokratien geworden. In Südamerika sind ihre Folgen besonders deutlich: Sie gefährden Territorien und Kulturen in den biodiversesten Regionen der Erde (dem Guayana-Schild und dem Biosphärenreservat der Mata Atlântica) und verschärfen die globale Klimakrise. Neue audiovisuelle Technologien erzeugen irreführende Inhalte und verstärken das Misstrauen gegenüber Fakten. Zugleich ringen jahrtausendealtes Wissen und überlieferte Methoden weiterhin um wissenschaftliche Anerkennung und werden bei Entscheidungen, die ihre Territorien betreffen, nicht berücksichtigt.

Vogelperspektive begegnet der Desinformation in drei aufeinanderfolgenden Etappen im Laufe des Jahres 2026. Das Projekt beginnt in São Paulo mit einem internationalen, öffentlichen Seminar, das indigene Künstlerinnen, Künstler und Fachleute sowie Forschende und Pädagoginnen und Pädagogen aus Deutschland, Frankreich, Brasilien und Französisch-Guayana zusammenbringt. Im hybriden Format stellt das Treffen im Goethe-Institut São Paulo und im Museu das Culturas Indígenas Forschungsarbeiten, Kartierungen und Methoden zur Bekämpfung der Desinformationsfolgen vor und schafft Raum für den Austausch über soziale Technologien, Handlungsstrategien und pädagogische Vermittlungsformate für ein breites Publikum.

Die zweite Etappe findet in Manaus statt, in einem Labor im Museu da Amazônia (MUSA), in Zusammenarbeit mit dem Instituto Juruá, dem Bahserikowi – Zentrum für indigene Medizin und dem Forest History Lab / Max-Planck-Institut für Geoanthropologie. Forschende und Kunstschaffende arbeiten an der Produktion eines Animationsfilms, der von den ersten Luftaufnahmen des Amazonasgebiets aus den 1920er-Jahren inspiriert ist. Durch die Verbindung von historischen Archiven, Satellitendaten und neuen Technologien der Luftbildgebung wie LiDAR (Projekt Amazônia Revelada) stellt sich der Film einen Vogel vor, der die Wälder im Flug durch die Zeit durchquert.

Aus dem Zusammenspiel dieser Arbeitsstränge entsteht ein pädagogisches Kit, dessen Herzstück der Animationsfilm ist. Es wird umfassend in den Bibliotheken der Partner, in Schulen, in Filmarchiven und in indigenen Gemeindeversammlungen verbreitet, stärkt den Zugang zu verlässlichen Informationen, fördert kritisches Denken und Medienkompetenz und unterstützt den Schutz jener Territorien, die die Vielfalt des Lebens auf der Erde tragen.

Der Vogel ist zugleich ein Faden institutioneller Erinnerung. Im Flug über die Zeit verbindet er diese Initiative mit weiteren Vorhaben des Goethe-Instituts, die zu unterschiedlichen Zeiten und in unterschiedlichen Territorien den Beziehungen zwischen Kultur, Umwelt und den Rechten der indigenen Völker gewidmet waren.

ZIEL

Desinformation über die tropischen Wälder Südamerikas bekämpfen und dabei kulturelle, wissenschaftliche und pädagogische Ansätze miteinander verbinden. Das Projekt stärkt die Medienkompetenz gegenüber Fake News zu Klima und Biodiversität, erweitert den Zugang zu fundierten Informationen und würdigt die zentrale Bedeutung der Kosmopolitik und der Kosmovisionen indigener und traditioneller Völker bei der Bewältigung der Klimakrise.

ZIELGRUPPE

Pädagoginnen und Pädagogen, Studierende, Fachkräfte aus Bibliotheken und den Bildungsabteilungen von Museen, Forschende, umwelt- und sozialpolitische Aktivistinnen und Aktivisten, Meinungsbildnerinnen und Meinungsbildner sowie ein breites Publikum mit Interesse an Klimagerechtigkeit, Medienkompetenz und den Rechten traditioneller Territorien, indigener Völker und marginalisierter Gruppen. Das pädagogische Kit wird landesweit verteilt und erreicht alle Regionen Brasiliens. Eine digitale Fassung auf Französisch, Deutsch und Englisch erweitert die internationale Verbreitung.

ZEITRAUM

August bis Dezember 2026.

Internationales Seminar: 3. und 4. August in São Paulo (Goethe-Institut São Paulo und Museu das Culturas Indígenas).

Labor und Künstlerresidenz: 10. bis 16. August im Museu da Amazônia (MUSA) in Manaus.

Animationslabor: 6. bis 28. August im Instituto Juruá und im Bahserikowi – Zentrum für indigene Medizin.

Veröffentlichung des pädagogischen Kits: voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2026.

REALISIERUNG

  • Goethe-Institut Rio de Janeiro
  • Goethe-Institut São Paulo
  • Französisches Generalkonsulat in Rio de Janeiro
  • Französisches Generalkonsulat in São Paulo

FINANZIELLE FÖRDERUNG

Deutsch-Französischer Kulturfonds 2026

KO-REALISIERUNG

Forest History Lab / Max-Planck-Institut für Geoanthropologie

Heinrich-Böll-Stiftung Brasilien

KOOPERATION

  • Intervozes
  • Escolas Vivas
  • MUSA – Museu da Amazônia
  • Instituto Juruá
  • Bahserikowi – Zentrum für indigene Medizin
  • Museu das Culturas Indígenas
  • Cinemateca Brasileira

INSTITUTIONELLE PARTNERSCHAFTEN

  • Instituto Italiano di Cultura (São Paulo)
  • Amazônia Revelada
  • Amazônia de Pé

DAS PROJEKT VERFOLGEN

Folgen Sie dem Flug der Vögel. Bald erwarten Sie Veranstaltungen und Bilder, die diesen Weg nachzeichnen.

PROJEKTE IM DIALOG

Cosmopercepções da floresta

Ein Exzellenzprojekt, das Künstlerinnen und Künstler, Forschende und indigene sowie traditionelle Gemeinschaften aus Südamerika und Europa in Residenzen, Performances und internationalen Begegnungen zusammenbringt. Ausgehend vom Begriff der cosmopercepções (Kosmowahrnehmungen), den die Philosophin Oyèrónkẹ́ Oyěwùmí geprägt hat, untersucht die Initiative den Wald als Territorium der Erinnerung, des Wissens und der Imagination, im Dialog mit Klimagerechtigkeit und der Selbstbestimmung der indigenen Völker.

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Dossier: „Fiktion und Wahrheit – Fake News erkennen"

Wie verteidigt sich eine Demokratie gegen Lügen, die sich schneller verbreiten als die Fakten? Das Projekt Perspectives² des Goethe-Instituts, gefördert von der Europäischen Union, nimmt diese Frage zum Ausgangspunkt und bringt Journalistinnen, Journalisten und Bildungsfachleute rund um Desinformation und Künstliche Intelligenz zusammen. Das Ergebnis ist ein Dossier mit Artikeln, einem Video und einem Podcast, die helfen, die Gegenwart kritischer zu lesen und Leserinnen und Leser heranzubilden, die im richtigen Moment zu zweifeln wissen.

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Data Detox AI

Künstliche Intelligenz hilft bereits dabei, Texte zu schreiben und zu bestimmen, was auf Ihrem Bildschirm erscheint. Doch wer kontrolliert den Einfluss, den sie ausübt? Data Detox AI, entwickelt von Tactical Tech in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut, nimmt diese Frage zum Ausgangspunkt und erklärt in einfacher Sprache, wie KI funktioniert und wo sie täuschen kann. Das kostenlose Kit versammelt Leitfäden mit realen Beispielen zu Betrug, Verzerrung (Bias), Belästigung und Wahlmanipulation sowie Poster und Aktivitäten für alle, die das Thema weitertragen möchten.

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