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19:00 Uhr

„Theater des Lebens“

Filmreihe|Dienstage des deutschen Films in Puerto Montt

  • Casa del Arte Diego Rivera, Puerto Montt

  • Sprache Deutsch mit spanischen Untertiteln
  • Preis freier Eintritt

Knochen und Namen © Salzgeber

Knochen und Namen © Salzgeber

Leben und Theater haben mehr gemeinsam, als es scheint – oder zumindest bringen uns diese Filme des Goethe-Instituts diese Idee näher, sei es im Dokumentarfilm wie in „Die Spielwütigen“ (Publikumspreis der Berlinale) oder in Spielfilmen wie „Stilles Land“, dem ersten Film des gefeierten Andreas Dresen, und seinem sehr persönlichen Kommentar zum Fall der Berliner Mauer.
Ob im Ton des Dramas, der Komödie oder in absurden Situationen: Das Leben ist ein Theater, und im Laufe des Junis laden wir Sie ein, diese preisgekrönten Filme zu entdecken, die uns von der Bühne zu den großen Wahrheiten des menschlichen Seins führen.

Programm

02.06. Die Spielwütigen (2003), Andres Veiel

09.06. The Ordinaries (2022), Sophie Linnenbaum

16.06. Stilles Land (1992), Andreas Dresen

23.06. Orphea in Love (2022), Axel Ranisch

30.06. Knochen und Namen (2023), Fabian Stumm

Inhaltsangaben der Filme

DIE SPIELWÜTIGEN
Farbe,108 Min.
2003, Andres Veiel
Mit: Prodromos Antoniadis, Constanze Becker, Karina Plachetka, Stephanie Stremler

Der Film beobachtet vier Schauspielschüler während ihrer Ausbildung an der renommierten Schauspielschule Ernst Busch in Berlin. Sie sind sehr unterschiedlich in ihrer Vita, ihrer Mentalität, ihrem Sozialverhalten, aber gleich in ihrer Theaterbegeisterung. Sie schließen erfolgreich das Studium ab und wir begleiten sie noch bei ihren ersten Berufserfahrungen. Diese Langzeitbeobachtung vier sehr unterschiedlicher Charaktere hat sich gelohnt. Das ist keine feinsinnige Seelenzerfaserung geworden, auch keine langweilige Sozialstudie der Erwartungen und Enttäuschungen des Schauspielberufes. Veiel hat viel Zeit und Mühe darauf verwendet, die richtigen, teilweise auch komplizierten Studenten herauszufiltern, sie teilweise gegen den Widerstand der Umgebung durchzusetzen und zu begleiten. Natürlich hat sich auch die Einstellung der vier Studenten gegenüber Veiel während des Drehs geändert. Aber der Regisseur (und seine Studenten) haben durchgehalten. Man hat nicht den Eindruck, dass der Regisseur die Wirklichkeit geschönt oder künstlich dramatisiert hat. Die jungen Leute sind ihren Widersprüchen glaubhaft. So ist dieser Film so lebendig wie ein Spielfilm und hat verdientermaßen den Publikumspreis der Berlinale 2004 erhalten.
THE ORDINARIES
THE ORDINARIES - DIE GEWÖHNLICHEN

Farbe, 124 Min.
2022, Sophie Linnenbaum

Sophie Linnenbaum zeigt in diesem Science-Fiction-Film eine hierarchisch gegliederte Drei-Klassen-Gesellschaft, die sich langsam auf eine Revolte hinbewegt. Erzählt wird das über eine 16-jährige Schülerin, die aus ihrem privilegierten Milieu in die Slums gerät und dort überraschend Freunde findet. Eigentlich eine einfache Geschichte – aber sie ist stilistisch höchst extravagant aufgelöst. Unterhaltungskino und Konzeptkunst werden zusammengespannt, da die Story in einer surrealen Welt spielt, in der alle Figuren einen Job beim Film haben, hatten oder wollen. Andererseits ist auch die Realität nicht fern, denn der Plot verweist durchaus auf Fremdenfeindlichkeit, Ausgrenzung, Kapitalismus. 

Preise:
2022 Goethe Institut, Kinder- und Jugend Filmpreis für Sophie Linnenbaum
2022 Exground Filmfest, Publikumspreis „Bester Film“
2022 Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern, Förderpreis der DEFA-Stiftung
2022 New Faces Award Deutschland, Preis „Regie“ für SophieLinnenbaum
2022 Filmfest München, New Talent Awards „Regie“ und „Produktion“
 

STILLES LAND
Farbe, 98 Min.
1992, Andreas Dresen

DDR im Herbst 1989: Zu Beginn der neuen Spielzeit stellt der Intendant eines ziemlich heruntergekommenen Provinztheaters seinem Ensemble einen neuen Kollegen vor: Der junge Regisseur Kai Finke will Samuel Becketts "Warten auf Godot" inszenieren. Mit einiger Begeisterung macht sich Kai an die Arbeit und lässt sich nicht von der Tristesse der Verhältnisse abschrecken. Schwieriger ist für ihn der fehlende Enthusiasmus seiner Mitarbeiter, die Proben verlaufen zäh und unentschlossen. Für den Regisseur indes sind die Parallelen zwischen der politischen Situation und dem Stück eindeutig; er möchte vor allem die ausweglose Situation des Wartens aktualisieren. Als ihn sein Hauptdarsteller Horst fragt, wo die Ausweglosigkeit stattfindet, in den Köpfen oder in den Umständen, weiß Kai keine Antwort. Noch spielen die Medien der DDR die Situation herunter und greifen den Westen an. Die letzten Wochen und Monate der DDR, das ist kein Thema für einen Film, sondern für viele, und das deutsche Kino wird die Geschichte in diesem Jahrhundert wohl schwerlich aufarbeiten können. Die realen Ereignisse rund um den 9. November lassen sich ohnehin kaum nachinszenieren; zumindest zu diesem Zeitpunkt erschien vielen Bürgern in Ost und West die Realität ungleich fantastischer als jedwede Fiktion. Vor diesem Hintergrund ist die Entscheidung von Andreas Dresen und seiner Co-Autorin Laila Stieler zu sehen, vom 9. November aus dem Blickwinkel der Provinz zu erzählen, durchaus sinnvoll auf den Film übertragen und nicht von den Ereignissen, sondern von ihrem Echo erzählt.
 

ORPHEA IN LOVE
Farbe, 107 Min.
2022, Axel Ranisch

Kino und Oper sind Orte der magischen Überwindung der Realität – und plötzlich beginnt der Kollege im Callcenter eine Arie zu trällern und alle stimmen mit ein. Denn für Nele ist die Oper nicht nur Fluchtort vor dem tristen Arbeitsalltag zwischen Akkord-Telefonieren und abendlichem Dienst an der Garderobe des Opernhauses, sondern Teil ihres Lebens und damit dieses visuell und akustisch überbordenden Films. Für die hustende Diva auf der Bühne kann Nele kurzerhand einspringen und die Aufstiegsgeschichte à la Star is born kann beginnen. Doch zuvor war sie bereits dem Kleinkriminellen Kolya auf der Straße begegnet, und ihrer beiden Leben waren sofort verschmolzen in einer gemeinsamen Tanzchoreographie als Ausdruck ihrer Seelenverwandtschaft. Aber der Orpheus-Stoff aus der griechischen Mythologie, an den Regisseur Axel Ranisch seinen Opernfilm mit umgekehrter Hauptfigurenkonstellation – Nele ist Orpheus bzw. hier Orphea, Kolya Eurydike – anlehnt, stellt Nele nach Kolyas Unfalltod auf die Probe.
 

KNOCHEN UND NAMEN
Farbe, 109 Min.
2023, Fabian Stumm

Die sich ankündigende Eskalation ihres Beziehungskonfliktes ist bereits deutlich spürbar, auch wenn einer dem anderen Gefühlskälte vorwirft. Doch bei dem anfänglichen Streit zwischen Boris und Jonathan handelt es sich erstmal nur um eine Drehbuchprobe zu jenem Beziehungsfilm, an dem der Schauspieler Boris gerade mitwirkt; und doch ist es eine Vorahnung für das, was kommen wird. Seit langem sind Boris und der Schriftsteller Jonathan ein Paar, man hat sich eingerichtet, aber auch zunehmend auseinandergelebt; zumeist arbeiten die beiden einfach nebeneinander her. Jonathan recherchiert für seinen neuen Roman, der von Verfall und Tod handeln soll. Er interviewt dafür Menschen, die sich damit auskennen, die schwere Verluste erlitten haben oder als Bestatter beruflich damit zu tun haben. Boris hingegen gefällt sich immer mehr in der Film-Rolle eines Mannes, der einer verheirateten Frau den Ehemann ausspannt – eine autobiografisch gefärbte Erzählung der Regisseurin Jeanne. Spiel und Leben drohen zu verschmelzen. Es sind keine dramatischen Szenen, die sich zwischen den beiden Männern abspielen. Gerade daraus entspinnt sich eine so kluge wie unterhaltsame Reflexion über Beziehungen, alltäglich und überhöht zugleich.