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19:00 Uhr

Dienstage des deutschen Films: „Blickpunkt Deutschland“

Filmreihe |

  • Corporación cultural de Puerto Montt , Casa del Arte Diego de Rivera, sala Mafalda Mora

  • Sprache Deutsch, mit spanischen Untertiteln
  • Preis Gratis

Szene aus dem Film „Zwei zu eins“. Eine Gruppe von Menschen sitzt vor einem Tisch, auf dem Stapel von Bargeld liegen. © X Verleih AG, Peter Hartwig

Szene aus dem Film „Zwei zu eins“. Eine Gruppe von Menschen sitzt vor einem Tisch, auf dem Stapel von Bargeld liegen. © X Verleih AG, Peter Hartwig

Im Monat der Deutschen Einheit präsentiert dieser Filmzyklus preisgekrönte Werke junger deutscher Regisseurinnen und Regisseure, die aus den Perspektiven von Drama, Thriller und Komödie unterschiedliche Facetten der jüngeren Geschichte und Erinnerungskultur beleuchten. Der Schwerpunkt des Programms liegt auf einer Auseinandersetzung mit dem Leben in der Zeit, als Deutschland noch geteilt war, den Spuren und Folgen der unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Systeme sowie den Herausforderungen des Wiederaufbaus des zivilen Zusammenlebens nach dem Fall der Berliner Mauer.

Termin/e: dienstags um 19Uhr

  • 6.10. Berlin is in Germany (2001), Hannes Stöhr
  • 13.10. Zwei zu eins (2023-2024) Natja Brunckhorst
  • 20.10. Nahschuss (2021) Franziska Stünkel
  • 27.10. Wir sind jung. Wir sind stark. (2013/2014) Burhan Qurbani

Die Inhaltsangaben der Filme

BERLIN IS IN GERMANY
Farbe, 90 min
2001 Hannes Stöhr

Martin wird nach langer Haft, die noch zu DDR-Zeiten begonnen hatte, jetzt in das neue vereinte Berlin entlassen. Er trifft alte Kumpel und seine Frau wieder, die jetzt mit seinem Sohn, den er noch nie gesehen hatte, und ihrem neuen Freund zusammenlebt. Zu Unrecht gerät er in Konflikt mit der Polizei, aber durch die Hilfe seiner Frau kommt er wieder frei. Er hat eine neue Chance.

Ausgangspunkt der Geschichte war die Wirklichkeit. Stöhr hatte von einem Gefangenen gehört, der vor dem Fall der Mauer verurteilt und dann nach einigen Jahren in das wiedervereinte neue Berlin entlassen wurde. Das war der Anlass für das Drehbuch Stöhrs. Er meinte dazu: Die Gratwanderung des Films besteht darin, die komische Seite, die der Situation der Figur anhaftet, zu erzählen, ohne die Tragik unter den Tisch fallen zu lassen. Die Geschichte hat einen realistischen Ausgangspunkt und entwickelt sich dann zu einem Märchen. Was den Film, trotz dieser Einwände, trägt, ist die schauspielerische Leistung von Jörg Schüttauf. Er ist, genau wie die vorzügliche Julia Jäger und der ebenfalls ausgezeichnete Tom Jahn als Kumpel Peter ein Produkt der Hans Otto Schauspielschule in Leipzig noch zu DDR-Zeiten. Hier sehen wir geradezu ein Musterstück dieser präzisen Ausbildung. Schüttauf ist ein armes Schwein, aber mit Seele - und das Ganze ohne Kitsch. Eine Idealbesetzung. Er ist zu Recht für diese Leistung vielfach ausgezeichnet worden.

ZWEI ZU EINS
Farbe, 116 min
2023-2024 Natja Brunckhorst

Deutschland, Sommer 1990. Maren, Robert und Volker sind im sachsen-anhaltischen Halberstadt aufgewachsen und seit ihrer Kindheit eng befreundet. Eines Tages machen sie eine brisante Entdeckung: In einem alten Schacht unweit ihres Heimatortes sind Millionen Ostmark der ehemaligen DDR eingelagert. Das Geld ist zwar nicht mehr viel Wert, trotzdem beschließt das Trio, die Millionen zu stehlen, um sie schrittweise in Westmark umzutauschen. Natürlich verläuft die Aktion nicht so reibungslos wie geplant.

NAHSCHUSS
Farbe, 116 min
2021 Franziska Stünkel

Anfang der 1970er Jahre in der DDR: Der karriereorientierte Wissenschaftler Dr. Franz Walter erhält von der Hauptverwaltung Aufklärung, dem Auslandsnachrichtendienst der DDR, ein verlockendes Angebot. Als Gegenleistung für eine Professur wird der fähige Analytiker und Fußballfan im Vorfeld der Weltmeisterschaft von 1974 auf einen in die BRD geflohenen Fußballstar angesetzt. Doch so sehr die gemeinsamen Dienstreisen mit Kollege Dirk Hartmann in den Westen und die schicke neue Wohnung zunächst für Euphorie sorgen mögen – auch bei Corina, seiner Frau –, so fragwürdig erscheinen bald die ausufernden Spionagetätigkeiten, und unmoralisch die erpresserischen Methoden des Arbeitgebers. Franz Walter versucht sich zurückzuziehen, doch für einen Ausstieg ist es längst zu spät; und der Titel des Films offenbart bereits das Ende: Per „Nahschuss“, einem unerwarteten Pistolenschuss ins Genick, wurden in der DDR bis 1981 Todesurteile vollstreckt. Der klaustrophobisch inszenierte und packend gespielte Film beruht lose auf der Geschichte von Dr. Werner Teske, dem letzten Menschen, der in der DDR hingerichtet wurde.

WIR SIND JUNG. WIR SIND STARK.
Farbe und s/w, 128 min.
2013/2014 Burhan Qurbani

WIR SIND JUNG. WIR SIND STARK betreibt keine politische oder ideologische Analyse, sondern leistet Erinnerungsarbeit, um ein unter dem Deckmantel des Patriotismus geschehene nationale Katastrophe ins Gedächtnis zurückzurufen und auch davon zu erzählen, wie Zeiten der Krise dem dumpfen Rechtsradikalismus als Nährboden dienen, damals im gerade wieder vereinten Deutschland – oder auch heute in vielen Staaten Europas.

Rostock-Lichtenhagen, im August 1992: In einer Plattenbausiedlung kämpfen arbeitslose Jugendliche gegen ihre Langeweile und ihre Frustrationen. Nachts randalieren sie gegen Polizei und Ausländer. Die Auseinandersetzungen werden so bedrohlich, dass sich die Behörden entschließen, die in einem Asylbewerberheim untergebrachten Roma aus Rumänien zu evakuieren. Als potentielle Opfer bleiben die Vietnamesen im sognannten Sonnenblumenhaus zurück. Die Krawalle eskalieren, doch die Polizei zieht sich zurück, es kommt zu einer Nacht der Gewalt – vor den Augen einer gaffenden und applaudierenden Menge. Mit WIR SIND JUNG. WIR SIND STARK rekonstruiert der junge Filmemacher Burhan Qurbani die berüchtigte Nacht einer nationalen Schande.