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14:00–15:30 Uhr

Diskussion zu „Alles nur gekauft?

Lesesalon|Lesesalon

  • Goethe-Institut China, Peking

  • Sprache Chinesisch

"Alles nur gekauft?" Peking University Press

"Alles nur gekauft?" Peking University Press

Partner: Peking University Press
Zeit: 20.04.2024, 14:00- 15:30
Gäste: Lu Dapeng, Qin Wen
Sprache: Chinesisch
Ort: Arcade Project-Culture Club Nanjing
Adresse: 16 Hongwu Road, Xuanwu District, Nanjing
Eintritt frei.


Wie korrupt ist Deutschland? Im Jahr 2024 wurde die chinesische Übersetzung des Buches „Alles nur gekauft? Korruption in der Bundesrepublik seit 1949“ von Jens-Ivo Engels mit Hilfe der Übersetzungsförderung des Goethe-Instituts vom Peking Universität Verlag herausgegeben. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Lesesalon“ laden wir Lu Dapeng und Qin Wen zu einem Dialog über das Thema „Korruption in der Bundesrepublik seit 1949“ ein. Die Veranstaltung in Nanjing wird zusätzlich live auf dem WeChat-Kanal des Goethe-Instituts China (ID: Goethe_Institut) gestreamt.

Geldwäsche, Bestechung, Hinterzimmergespräche - Korruption verbinden wir hauptsächlich mit den ärmsten Ländern der Welt, deren Demokratie und Rechtssystem weit hinter unseren Standards zurückliegen. Aber auch Deutschland landet nur auf Platz 11 im Ranking des Korruptionsindex 2018 von Transparency International. Ist unsere eigene Weste gar nicht so weiß, wie wir meinen?

Jens Ivo Engels hat die wichtigsten Korruptionsfälle der Bundesrepublik seit 1949 analysiert. Ohne populistische Vereinfachung und Polemik ordnet er Skandale, Affären und Debatten in ihr gesellschaftliches Umfeld ein und beleuchtet ihren Zusammenhang mit der internationalen Diskussion um Transparenz und gute Regierungsführung.

Diese Historische Analyse und fundierte Darstellung der Korruptionsthematik in der BRD benennt Korruptionsfälle in Deutschland seit 1949: von der gekauften Hauptstadt Bonn bis zur Korruptionsdebatte um Ex-Bundespräsident Christian Wulff und beschäftigt sich mit Aufarbeitung, Konsequenzen, Korruptionsprävention: Warum Deutschland keine Bananenrepublik ist. Wie entwickelt sich der globale Kampf gegen die Korruption: mit Transparenz und Korruptionsgesetzen gegen Wirtschaftskriminalität und korrupte Politiker?

Die Flick-Affäre oder Kohls CDU-Spendenskandal zeigen: Korruption in der Politik existiert auch in Deutschland. Was in der Bonner Republik noch eher verhalten diskutiert wurde, wird heute offen in den Medien thematisiert und lautstark angeprangert. Doch wie wirkt sich diese Kritik auf die politische Kultur unseres Landes aus - besteht gar ein Zusammenhang zur heutigen Politikverdrossenheit?

Jens Ivo Engels, einer der ersten deutschen Historiker, die sich wissenschaftlich mit Korruption auseinandersetzten, leitete mehrere Forschungsprojekte zum Thema. Er zeigt, warum die öffentliche Diskussion über Korruption ein wichtiger Indikator für die politische Verfasstheit eines Staates ist - und weshalb wir sie kritischer und mit mehr Sensibilität führen sollten!

„Neben der Nacherzählung der großen Korruptionsaffären - von den Dienstwagen-Affären der Ära Adenauer über Fibag, Starfighter und das
gescheiterte Misstrauensvotum gegen Kanzler Willy Brandt - geht es um die Debatten und Bewertungen, die diese zur Folge haben. […] Der abwägende Blick des Autors macht den fast 400 Seiten starken Band besonders lesenswert. Engels entlastet die Politik keineswegs, ihm geht es vielmehr um die Gefahren obsessiver Korruptionsbekämpfung.“ (FAZ, Timo Steppat)



Autor

Jens-Ivo Engels, geb. 1971, ist Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der TU Darmstadt. Er gehörte zu den ersten deutschen Historikern, die sich mit Korruption beschäftigen, und hat unter anderem drei DFG-Forschungsprojekte zu diesem Thema geleitet.


Die Gäste

Lu Dapeng ist Historiker mit Schwerpunkt Weltgeschichte und Übersetzer für Englisch und Deutsch. Er ist der Autor von u.a. „Der deutsche Adel: Eine Geschichte“ und der Übersetzer von „Parvenus und Profiteure: Korruption in der NS-Zeit“ von Frank Bajohr, „The Moor's Last Sigh“ von Salman Rushdie, „Mediterranean Epic Trilogy“ von Roger Crowley, „Lawrence in Arabia“ von Scott Anderson, „The Plantagenets“ von Dan Jones. Er wurde 2015 von „Beijing Youth Daily“ und „Economic Observer Book Review“ mit dem Preis für den Übersetzer des Jahres ausgezeichnet; Im Jahr 2016 wurde er mit dem One Way Street Buchladen-Literaturpreis für die literarische Übersetzung des Jahres ausgezeichnet. Er wurde auf der „Emerging List“ von New Weekly zum Intellektuellen des Jahres 2018 ernannt.

Qin Wen ist begeisterter Leser, Übersetzer und Professor für Germanistik am Fremdspracheninstitut der Nanjing Universität. Seine Interessen und Forschungsschwerpunkte sind: Neuere deutsche Literatur, sinologische Imagologie, Buchverlagskultur und Kulturgeschichte.


Das Übersetzungsförderungsprogramm China

Um nicht-deutschsprachigen Lesern den Zugang zur deutschen Literatur der Gegenwart zu ermöglichen, unterstützt das Goethe-Institut mit dem Förderprogramm „Übersetzung deutscher Bücher in eine Fremdsprache“ ausländische Verlage bei der Veröffentlichung der entsprechenden Werke. Das Goethe-Institut China hat diese zentrale Förderung im Jahr 2009 um ein eigenständiges Programm erweitert. Im Rahmen dieses Programmes wurde bereits die Übersetzung von mehr als 120 deutschsprachigen Werke ins Chinesische gefördert.In der Veranstaltungsreihe „Lesesalon“ werden ausgewählte Titel des deutsch-chinesischen Übersetzungsförderungsprogramms vorgestellt.