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19:00 Uhr
Ist das dasselbe?
Ausstellung
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CZKD - Zentrum für kulturelle Dekontamination, Belgrad
Ausstellungseröffnung: 23.02.2023 um 19:00 Uhr
Ausstellungsführung: 25.02.2023 um 12:00 Uhr
Ausstellungsführung: 25.02.2023 um 12:00 Uhr
Die Ausstellung Ist das dasselbe? ist das Resultat der Zusammenarbeit zwischen dem Zentrum für kulturelle Dekontamination (CzKD) und der ukrainischen Kultur- und Kunstszene in Zeiten des Krieges. Eine unserer Gästinnen im Jahr 2022 war gleichzeitig Mitarbeiterin am internationalen Projekt Sekundärarchiv – die Kuratorin Asia Tsisar hat auf unsere Initiative hin den Auftritt der jüngeren Künstlergeneration gestaltet, die in Zeiten des Kriegs in der Ukraine lebt und arbeitet.
Ist das dasselbe?
Künstler*innen: Larion Lozovyi, Daniil Revkovsky & Andriy Rachinsky
Kuratorin: Asia Tsisar
Kuratorin: Asia Tsisar
Es gibt keine kleinen Kriege. – Es gibt keine fremden Kriege. – Alle Menschen sind Brüder und Schwestern. – Wir verstehen einander. – Wir sind Slawen. – Wir sind gleich. – Ihr seid schuld. – Das geschieht euch recht. – Das ist alles eure Schuld. – Ihr habt das verdient. – Das ist eure Schuld. – Wir hatten das auch einmal. – Wir haben das auch durchgemacht. – Wir haben den Krieg überlebt. – Putin macht alles richtig. – Ukraine ist Serbien. – Ukraine ist Kosovo. – Kosovo ist Serbien. – Serbien ist Russland. – Russland ist Aggressor. – Russland weist die NATO in die Schranken. Russland ist unser Bruder. – Brudernationen. – Wir wurden betrogen. – Man hat uns belogen. – Man hat uns ausgenutzt. – Wir sind die Erklärungen leid. – Ihr hört uns nicht zu. – Wir sind nicht gegen die Ukraine, wir wissen einfach, was los ist. – Der Westen belügt euch. – Seid nicht Marionetten des Westens. – Erzähl uns nicht vom Krieg, wir verstehen das sehr wohl auch ohne dich.
Dies sind Teile meiner Gespräche in Serbien, die live oder virtuell geführt wurden und in meinem Kopf widerhallen. Im Jahr 2022 bin ich zwischen den Balkanstaaten, der Ukraine und Osteuropa zur Genüge hin- und hergereist, um feststellen zu können, in welchem Maße die allgemeinen politischen Überzeugungen zur Verständnisgrundlage geworden sind, während zur gleichen Zeit die menschliche Einfühlvermögen die Grundlage für Solidarität werden sollte. Der Krieg, den Russland gegen die Ukraine führt, hat neues Leben in alte Wunden eingehaucht, Schuld und Schmerz in einen Raum, den der Westen als Osten bezeichnet. Wir hatten nicht die Möglichkeit, den Kontext und die Fallen der eigenen Erinnerungen voneinander zu trennen. Bei all diesen Gesprächen konnte ich mich nicht des Gefühls erwehren, dass der Empfänger unserer Worte räumlich und zeitlich von uns getrennt ist. Als wären die Kneipe/die Küche/das Taxi/die Galerie/die Terrasse/Facebook Zeugen der Geister unserer kollektiven Vergangenheit, vor deren prüfendem Blick wir uns selbst rechtfertigen. Bei jeder Rückkehr in die Ukraine wurde mir bewusst, dass jedes Gespräch über den Krieg im Ausland nichts gemeinsam hat mit dem Kriegsgefühl am Ort des Geschehens, wie in Magrittes Bild, wo das Abbild der Pfeife nicht mit der realen Pfeife gleichzusetzen ist.
Die Künstler*innen, die an dieser Ausstellung teilnehmen, waren nicht Teil dieser Gespräche. Jede*r von ihnen hat den Morgen des 24. Februar 2022 in der Ukraine erlebt. Sie alle leben auch weiterhin in der Ukraine und sie alle waren gezwungen, ihr Leben an die Realitäten des Kriegs anzupassen – umzuziehen, auf sich aufzupassen und zulassen, dass andere dies für sie tun, den Realitätssinn zu verlieren, bei sich selbst die Schuld zu suchen, weil sie hilflos sind, irgendetwas zu ändern und Wege und Kraft zu finden, ihre Arbeit fortzusetzen, Angst zu haben, zu hassen, eine Balance zu finden, sich zurückzuziehen, die aus Büchern gelernte Ethik in der Praxis auszutesten und sie zu verwandeln, ihr Leben einzuhauchen, immer wieder an ihrer eigenen Güte zu zweifeln sowie daran, ob sie genug getan haben, sie führen sich schuldig, weil es andere Menschen gibt, denen es schlechter geht als ihnen selbst, sie wollen nicht ihr Gesicht verlieren, sie wollen ihre Gefühle unterdrücken, ehrlich zu sich selbst sein, Ressourcen schützen. Diese Arbeiten sind keine Illustration der Gespräche, die ich in Serbien geführt habe, sondern eher ein Versuch, die Gefühle und Gedanken der Menschen in der Ukraine darzustellen, sie unversehrt zwischen den weißen Wänden der Galerie zu bewahren, die Pfeife mit dem Abbild der Pfeife zu vergleichen, mit der Frage, ob das dasselbe sei?
Die Ausstellung wurde im Rahmen des Projektes MDEIK initiiert, das vom Stabilisierungsfonds für Kultur und Bildung 2022 des Auswärtigen Amtes und Goethe-Instituts gefördert wurde.
Links zum Thema
Ort
CZKD - Zentrum für kulturelle Dekontamination
Birčaninova 21
11000 Belgrad
Serbien
Birčaninova 21
11000 Belgrad
Serbien