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19:30 Uhr

Ivana Ivković: In Whom We Trust?

Ausstellung|Galerie Wechselstube

  • Goethe-Institut Belgrad, Bibliothek, Beograd

Ivana Ivković: Monument - No One Is Lost 2300x1000 © Ivana Ivković

Ausstellungseröffnung: 14.09.2023 um 19:30 Uhr

Kunstcafé: 26.10.2023 um 20:00 Uhr
Mit: Ivana Ivković, Miroslav Karić und Sanja Kojić-Mladenov
Als Präsenzveranstaltung und online über Facebook und YouTube

In der Ausstellung IN WHOM WE TRUST wird die neue Produktion jener Videoarbeiten und Performanceaufzeichnungen zu sehen sein, die im letzten Jahr in Zusammenarbeit mit mehreren Institutionen aus Deutschland entstanden sind: ifa (Institut für Auslandsbeziehungen) aus Stuttgart, Humboldt Forum Berlin, Goethe-Institut Athen und Galerie Hošek Contemporary aus Berlin.

Die Serie der delegierten Performances unter dem Sammelnamen MONUMENT: NO ONE IS LOST von Ivana Ivković ist die Fortsetzung der vor mehreren Jahren begonnenen multimedialen Erkundungen der Künstlerin, in denen sie performative Tableau vivant-Situationen schafft, wobei sie sich mit der Beziehung zwischen dem menschlichen (männlichen) Körper, der Identität und dem spezifischen Raum-Kontext auseinandersetzt. Die Serie der delegierten Performances MONUMENT: NO ONE IS LOST problematisiert den Prozess der Dekonstruktion und der Rekonstruktion von Gender-Rollen im politischen, ethischen und symbolischen Spiegel der Biopolitik der weiblichen Wahrnehmung.  In den Arbeiten von Ivana Ivković spielen Fragen der Identität und der Gender-Stereotypen eine wichtige Rolle. Darin benutzt sie den nackten und/oder halbnackten männlichen Körper als performatives Instrument oder Medium, das sich durch besondere Empfindlichkeit oder Sensualität auszeichnet. Ihre Performances sind stets auch nach dem Erlebnis des Beobachters und des Publikums orientiert bzw. nach ihrer emotionalen und psychologischen Wahrnehmung des Ambientes und des Ereignisses.
 
  • Ivana Ivković: The School of Athens © Ivana Ivković

  • Ivana Ivković: In Him We Trust © Ivana Ivković

  • Ivana Ivković: Monument - No One Is Lost © Ivana Ivković

Im Rahmen dieses Ausstellungskonzepts wird die Videoaufzeichnung einer neuen site-specific-Performance unter dem Titel The School of Athens (Die Schule von Athen) gezeigt, die den jetzigen Moment, seine (post-)apokalyptische Natur sowie das uns bis jetzt geläufige Weltendgefühl durchdenkt, wobei wir die Frage stellen, ob bestimmte neue Optionen und Entscheidungen, die vom Einzelnen abhängen, ihren Platz finden werden. Die Umkehrung der Blicke zwischen den ausgestellten männlichen Körpern in einer Formation auf der einen und dem Publikum auf der anderen Seite führt dazu, dass die Performance wie ein Spiegel funktioniert, der verschiedene Fragen, Geschichtsschichten, Vorurteile und Tabus reflektiert, die in verschiedenen Gesellschaften präsent sind. Die Anfangsmetapher, der visuelle und ideologische Referenzpunkt für die Performance in Athen, ist das gleichnamige Meisterwerk Raffaels „Die Schule von Athen“, das sich im Apostolischen Palast im Vatikan befindet. Raffaels Allegorie des säkularen Wissens und der Philosophie wird durch eine Szene dargestellt, in der einige der wichtigsten antiken und klassischen Philosophen, Wissenschaftler und Künstler abgebildet sind, die in einem eindrucksvollen vom antiken Griechenland inspirierten architektonischen Ambiente ihren Gedanken nachhängen und diskutieren. Die Performance The School of Athens geht von der Doppeldeutigkeit des Freskos selbst aus, wobei Werte der westlichen Zivilisation dargestellt werden, die im Gedankengut des antiken Griechenlands verwurzelt sind und durch die Renaissance und den Humanismus erneuert wurden. Dabei wird auf den Zusammenhang mit der heutigen Zeit aufgezeigt, in der sich die Welt in einem Zustand äußerster Erschöpfung befindet und in zahlreichen ökologischen, ethischen und politischen Krisen steckt. Diese Performance ist auch von der humanistischen Vision des Bildes inspiriert, sie ist eine Aufforderung zur Kommunikation über diese Themen sowie zum Austausch und Dialog zu Fragen und Dilemmas, mit denen wir, als Menschheit, heute konfrontiert sind. Diese Arbeit geht auch Fragen der griechischen Identität und des Bildes/Erlebnisses des klassischen Griechenlands nach, wobei auf das Spannungsverhältnis zwischen verschiedenen Narrativen hingewiesen wird - dem von außen kommenden, das vom Westen geschaffen und gepflegt wurde, und eines anderen, das in der griechischen Gesellschaft existiert, und zwar sowohl historisch als auch in der Gegenwart.
 
Ivana Ivković
© Ivana Ivković
Ivana Ivković
(1979, Belgrad) hat sich durch ihren ehrlichen und autoreflexiven künstlerischen Ansatz profiliert. Ihre nomadische Lebensweise – Reisen, häufige geographische Ortswechsel und Ausgesetztheit verschiedenen kulturellen Umfeldern haben ihre Arbeit maßgeblich beeinflusst. Identität und Gender-Erfahrung sind die Hauptelemente in ihren Arbeiten, insbesondere in den Performances. Ivana Ivković vollbringt auf unerwartete Weise eine klassische Umkehr der Rollenverteilung zwischen Mann und Frau, wobei sie den nackten männlichen Körper als performatives Instrument in den orchestrierten Szenen einsetzt und somit Vorurteile und Überzeugungen eines bestimmten Umfelds sowie die vielschichtige Beziehung zwischen dem Einzelnen und dem System widerspiegelt. Seit 2006 stellt sie im Ausland aus. Sie hat mehrere renommierte Stipendien und Auszeichnungen erhalten, und ihre Arbeiten sind in zahlreichen Kunstsammlungen vertreten: Museum für zeitgenössische Kunst in Belgrad, ifa-Sammlung in Stuttgart, Oktober-Salon in Belgrad, Sammlung zeitgenössischer Kunst Wiener Städtische Art in Wien, Sammlung zeitgenössischer serbischer Kunst in Belgrad, Museum der Stadt Belgrad, Moderne Galerie in Subotica. Ihre Performances sowie andere Arbeiten hat sie in Zusammenarbeit mit dem ifa – Institut für Auslandsbeziehungen aus Deutschland, dem Humboldt Forum in Berlin, dem Museum zeitgenössischer Kunst in Belgrad, Novi Sad und Athen, der Galerie Hošek Contemporary aus Berlin, dem Goethe-Institut Athen, der Galerie Eugster II Belgrade u.v.a. ausgestellt und aufgeführt.