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Social Sculptures

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Von April bis Oktober 2021 feierte das Goethe-Institut Zypern Beuys´ 100. Geburtstag mit einer von Marina Christodoulidou kuratierten Veranstaltungsreihe, bestehend aus einem Künstlerworkshop, einer Ausstellung, Filmvorführungen und einem Gespräch mit Rhea Thönges-Stringaris, Kunsthistorikerin und Freundin von Beuys.

Joseph Beuys (12. Mai 1921 – 23. Januar 1986) gilt als einer der bedeutendsten und einflussreichsten Künstler der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Bekannt als ein deutscher Fluxus-, Happening- und Performance-Künstler sowie Maler, Bildhauer, Installationskünstler, Grafiker, Kunsttheoretiker und Pädagoge. Seine umfangreiche Arbeit basiert auf Konzepten des Humanismus, der Sozialphilosophie und der Anthroposophie. Ihren Höhepunkt findet diese in der „erweiterten Definition von Kunst“ und der Idee, der sozialen Skulptur als Gesamtkunstwerk, für die er eine kreative und partizipative Rolle bei der Gestaltung von Gesellschaft und Politik beanspruchte.

Veranstaltungen

Die Eventserie Social Sculptures, startete im April mit einem Workshop mit lokalen Künstlern, der im September 2021 fortgesetzt wurde. Der einflussreiche und von Beuys in den 1970ern geprägte Begriff der sozialen Skulptur, beruht auf der Überzeugung, dass Kunst den gesamten Lebensprozess – Gedanken, Verhalten, Unterhaltungen und Objekte – umfasst und kollektiv von einer Vielzahl von Menschen und nicht nur von Künstlern entstehen kann.

Die Ausstellung zeigte die Arbeiten folgender Künstler: Spyros Anastasiou, Mehveş Beyidoğlu, Stella N. Christou, Eirene Constantinou, Rafaella Constantinou, Marietta Mavrokordatou, Andreas Papamichael, Simone Philippou, Zoe Polycarpou, Korallia Stergides und Nicolina Stylianou. Ihre künstlerischen Ansätze bedienen sich unterschiedlicher Medien, darunter Ton, Skulptur, Gravur, Fotografie, Installation, Performance und mehr. Manche dieser gewählten Ansätze sind partizipatorisch. Gemeinsam ist ihnen jedoch, dass sie sich vom Konzept des „Kunstwerks“ entfernen und sich in hybriden Formen und Prozessen des Kunstschaffens entfalten und treiben lassen.

Die für die Ausstellung geschaffenen Werke und Aktionen zeigten die soziale Skulptur in ihrer Vielfalt und Pluralität, wie sie durch die Begegnung und den Austausch der Teilnehmer entwickelt wurde. Die Skulptur wird als Metapher der Bewegung erforscht, eine Metapher, mit der wir als Gesellschaft leben. Die Metapher in ihrer etymologischen Bedeutung von „übertragen“ oder „herübertragen“ scheint die Beziehung zwischen Pluralität und diskursiven Praktiken, durch die die Idee der Bewegung entsteht, neu zu artikulieren.  Die Bewegung von Social Sculptures überträgt Kompositionen der Realität, nicht weil sie das Ziel oder den Willen eines Individuums und eines singulären künstlerischen Akts widerspiegelt, sondern weil sie aus einer kollaborativen Praxis stammt, die inszeniert und neu inszeniert wird. Indem sie Wege aufzeigen, wie wir uns den sozialen Kompositionen, deren Teil wir sind, annähern können, begriffen die beteiligten Künstler die Begriffe „sozial“ und „Skulptur“ in ihrer Plastizität und Widerstandsfähigkeit.

 

Das Publikum hat die Möglichkeit, Beuys und sein Werk anhand einer Auswahl von Filmen kennenzulernen.

Ein schwarz-weißes Foto. Von links nach rechts Rudolf Bahro, Joseph Beuys und Rhea Thönges-Stringaris sitzen auf einer Bühne. Im Hintergrund erkennt man den hinteren Teil eines Flügels. © Archiv Rhea Thönges-Stringaris

Social Sculpture ist die Grundlage einer kontinuierlichen Forschung, die sich an die politische, soziale und ökologische Situation einer bestimmten Zeit und eines bestimmten Ortes anpasst. Zwischen Chaos und Struktur gibt es Bewegung; diese Bewegung wurde von Beuys als Theorie der Skulptur vermittelt, erwähnt Rhea Thönges-Stringaris in einem kürzlich geführten Gespräch mit der Kuratorin Marina Christodoulidou.

Die Bewegung war geprägt von sozialen Kompositionen und seiner Überzeugung, dass jeder Mensch ein Künstler ist und kreativ reagieren und sich bewegen kann. Mit Blick auf den Begriff der sozialen Skulptur meint Thönges-Stringaris: „Künstler und Kreative verfügen über die Mittel, Situationen zu beobachten und darauf zu reagieren, und können dies auch gut praktizieren, aber das Bewusstsein für das, was uns umgibt, ist notwendig, um in uns selbst und außerhalb unseres Körpers präsent zu sein.“

Podcast „Die Erde spricht“

Eines der zentralen Kooperationsprojekte zwischen dem Team von beuys2021 und dem Goethe-Institut ist der Podcast „Die Erde spricht“. Unterschiedliche Perspektiven aus Deutschland und dem Ausland beleuchten in einer kritischen Analyse die heutige Relevanz von Beuys, seinem Schaffen und den Auswirkungen auf Kulturschaffende weltweit.

Beuys2021 © Beuys2021

Internationale Künstler*innen beschäftigen sich mit dem Erbe von Joseph Beuys.

#aboutbeuys
Armin Mühsam

„Das Schweigen von Marcel Duchamps wird überbewertet“. Diesen Satz schrieb Beuys auf einem Papierbogen während einer Live-Sendung im Fernsehen 1964. Die Aktion war ein Teil einer Fluxus - Vorführung und bezog sich auf die Auseinandersetzung der Fluxus-Künstler*innen mit Duchamps Kunstbegriff. In seinem Video stellt Armin Mühsam das Vermächtnis der beiden Künstler gegenüber.
 
 

Screenshot  © Armin Mühsam

Mehr über Joseph Beuys

Joseph Beuys
„Beuys wollte, dass Demokratie wirksam wird“

Joseph Beuys’ Kunst war oft politisch, und er selbst war es auch. Doch welche Haltung vertrat er? Beuys gründete die Partei Die Grünen mit, zeigte sich aber zugleich mit alten Nazi-Kämpfern. Vor allem war er Pragmatiker, sagt Bettina Paust, die das Kulturbüro der Stadt Wuppertal leitet und gerade ein Handbuch zu Beuys’ Wirken herausgegeben hat.

Joseph Beuys (links mit Filzhut) beim Parteitag der Grünen 1980 in Dortmund. Foto (Detail): © picture-alliance / Sven Simon

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