Mara Kirchberg: „My Weight Hangs in Your Arms“

Ausstellung|Installationen und Performances

  • Draakon Galerie , Tallinn

Mara Kirchberg, Service Hours, 2024, Performance Documentation, © Philippe Gerlach Mara Kirchberg, Service Hours, 2024, © Philippe Gerlach

Mara Kirchberg, Service Hours, 2024, Performance Documentation, © Philippe Gerlach Mara Kirchberg, Service Hours, 2024, © Philippe Gerlach

Mara Kirchbergs Einzelausstellung untersucht die Technologisierung der Pflege. Im Zentrum steht die Metapher des Körpers als Maschine. Die automatisierte Industrie hat nicht nur die technische Ausstattung der Pflegearbeit geprägt, sondern auch deren Organisation, indem sie den Menschen als mechanisches System behandelt. Das konzeptionelle Gerüst von Kirchbergs Ausstellung ist die Petromoderne, die die gegenwärtige, überwiegend von Erdöl angetriebene materielle Welt charakterisiert. Zwar hat die Ölwirtschaft die Lebenserwartung erhöht, doch das drohende Ende der fossilen Brennstoffreserven der Erde schürt Angst und führt zu imperialistischen Kriegen. Bekanntlich können Ängste aber auch fetischisierte Begierden hervorrufen.

Die zentrale Installation „Lubricating a Hardening Muscle“ kombiniert Materialien aus Garagen und medizinischen Einrichtungen, darunter künstliche Membranen, Schmierstoffe und Auffangbehälter. Um funktionstüchtig zu bleiben, benötigt die Installation regelmäßige Wartung. Während der Performances „Service Hours“ aktiviert Kirchberg das Flaschenzugsystem in einem PVC-Schwitzanzug, der sowohl Schutzkleidung als auch Fetischobjekt ist. Petrosexualität erotisiert erdölbasierte Produkte, die nicht nur für Lebewesen giftig sind, sondern auch allgegenwärtige extraktivistische und naturzerstörende Systeme repräsentieren. Durch die Verwendung erotischer Mittel ruft die Künstlerin zur Reflexion über die toxischen Begierden unserer Zeit auf und fordert Widerstand gegen sie.

Mara Kirchberg (geb. 1994 in Deutschland) schafft raumgreifende Szenen mittels Skulpturen, Installationen und ortsspezifischen/performativen Interventionen. Mit ihnen erforschet sie Konzepte wie Effizienz und Erschöpfung sowie deren Auswirkungen auf den Körper. Sie studierte Zeitgenössische Kunst an der Estnischen Kunstakademie und Choreografie und Performance am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen. Ihre Werke wurden europaweit ausgestellt und vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Grand Prix des Nordischen und Baltischen Nachwuchskünstlerpreises (2024), dem Nachwuchspreis für Bildhauerei der Estnischen Kunstakademie (2023) und dem Eduard-Wiralt-Stipendium des Estnischen Kulturministeriums. Neben ihren Installationen entwarf Kirchberg Bühnenbilder für mehrere Produktionen von Sveta Grigorjeva, darunter „Tantsud, mille saatel uinuda, puhata ja vastupanu osutada“ (2023) und „Gargantua“ (2025).

Performances am 30. Mai und 13. Juni, jeweils 17.00 Uhr
Performerin: Mara Kirchberg
Kuratorin: Rebeka Põldsam
Grafikdesign: Kert Viiart-Õllek
Technische Unterstützung: Gisèle Gonon, Marko Odar
Besonderer Dank geht an: Gisèle Gonon

Foto: Mara Kirchberg, Service Hours, 2024, Performance Documentation, © Philippe Gerlach
Die Ausstellung wird gefördert vom Estnischen Kulturfonds (Kulka) und dem Goethe-Institut Tallinn.