Monte Isla: Cuerpo de Baile
Projekt: Cuerpo de baile
Partner: Réplika Teatro
Das Künstler*innen-Kollektiv Monte Isla kehrt im Rahmen einer Produktionsresidenz erneut zu uns zurück. Über ihren ersten Aufenthalt am Goethe-Institut Madrid können Sie hier mehr erfahren.
Über die Residenz
Der Klang, der Körper in Bewegung versetzt, sie zu einem überquellenden Gefäß, zu einer sich auflösenden Masse, zu einem Schwanken oder zu einem von einem Pfeil durchbohrten Loch macht. (Übers. aus dem Spanischen)
Ihr neues Projekt ist eine künstlerische Fortsetzung der offenen Fragen aus Un cuerpo sin talento, das bei der letzten Ausgabe des Festival Grec uraufgeführt wurde. Während sich das Kollektiv damals mit der Frage beschäftigte, was ein Körper jenseits des Sozialen oder der Identität ist und was passiert, wenn dieser Körper auf der Bühne gezeigt und dargestellt wird, knüpft es nun an diese Thematik an, um seine Forschung zu vertiefen und nach einer radikalen Sprache zu suchen, die in der Lage ist, den zeitgenössischen ästhetischen Konservatismus herauszufordern.
In dieser neuen Kreation arbeitet Monte Isla mit dem Begriff der „erweiterten Marionette”: einer künstlichen Andersartigkeit, einem Körper an der Grenze des Darstellbaren, einer Bühnenpräsenz, die einen Raum des Zweifels zwischen dem, was bewegt, und dem, was bewegt wird, schafft. Diese Perspektive wird zum Ausgangspunkt für die Weiterentwicklung einer eigenen Sprache, die die Beziehung zwischen Materie, Geste und Wahrnehmung in Spannung versetzt.
Wurde im vorherigen Stück noch nach dem arbeitenden Körper gefragt, so verlagert sich die Frage nun auf den tanzenden Körper. Ein Körper, der feiert und flieht, der begehrt, zittert und schwitzt; ein Körper, der reine Oberfläche ist, der isst und gegessen wird, ein tierischer Körper. Ein Körper, der sich bewegt und vom Klang bewegt wird. Der Klang erscheint hier als ambivalente Kraft: als Waffe der Kontrolle oder als Werkzeug der Emanzipation, als taktile Begegnung und kommunikativer Akt, bei dem Textur, Dynamik und Emotion jede Erzählung übersteigen. Es ist der Klang, der die Körper antreibt, sie überflutet, sie verdünnt, sie in Masse, in Schwanken oder in eine von einem Pfeil durchbohrte Leere verwandelt.
Dieses Projekt präsentiert sich als neues Kapitel in der Forschung von Monte Isla, als Erkundung der Grenzen der Darstellung und der Möglichkeiten eines Körpers, der sich beim Tanzen in ein Territorium des Widerstands, der Feierlichkeit und der Fremdheit verwandelt.
Über die Künstler*innen
Monte Isla wird von Adrià Girona, Andrea Pellejero und Rut Girona gebildet, zusammen mit weiteren Mitwirkenden, die im Umfeld des Projekts aktiv sind.
Die Kompanie erforscht in ihren Arbeiten die Idee des Landschaftsbegriffs. Ausgehend von diesem Konzept hat sie eine Reihe von Praktiken entwickelt, die sich mit der „leblosen Choreografie“ beschäftigen – also allem, was Teil der Inszenierung ist und kein menschlicher Körper: Bühnentechnik (Ton, Licht, Mechanik), der Aufführungsraum, Bühnenbild und Requisiten. All diese „Materie“ wird als Gliedmaßen eines einzigen lebendigen Organismus verstanden – einer „großen Marionette“.
Diese Forschung hat zu drei Stücken geführt, die gemeinsam die Trilogie über die Landschaft bilden:
Allí donde no estamos, uraufgeführt 2021 im Raum Nyam Nyam im Rahmen des Zyklus Si no vols pols no vinguis a l’era,
Donde empieza el bosque acaba el pueblo, präsentiert auf dem Festival TNT 2022,
und Escuchas del paisaje, uraufgeführt 2023 im Theater La Mutant.
Diese drei Teile folgen keiner narrativen Reihenfolge, sondern gehören zu einem gemeinsamen szenischen Universum, das sich mit der Abwesenheit menschlicher Körper und von der Zivilisation verlassenen Räumen beschäftigt. In diesen erzählfreien Orten setzt Monte Isla eine kontemplative Zeit in Gang und lädt das Publikum dazu ein, eine szenische Landschaft zu betrachten. Der Blick der Zuschauenden strukturiert diese theatralen Anordnungen, bei denen das Sehen im Zentrum der Erfahrung steht.
Die Kompanie ist in Can Donzella ansässig, einem Kulturprojekt in der Ortschaft Sils. Im Jahr 2023 wurde sie Mitbegründerin des Festivals Això al poble no li agradarà gemeinsam mit verschiedenen kulturellen Strukturen und Kompanien aus der Provinz Girona. Dieses Festival hat zum Ziel, ein lokales Netzwerk rund um die performativen Künste und kontextuelle Praxis aufzubauen.