Sofía Comas
Musikkünstlerin
„A un pájaro rojo” wird als eine Zeremonie präsentiert, in der die Lieder des Albums in Gebete umgewandelt werden, mit denen Schamanen, Orakel und Sibyllen beschwört werden sollen. Denn Magie ist nur eine weitere Variante der Poesie. Die Lieder sind verwoben mit Gesängen und Gedichten wie denen des Prinzen Nezahualcóyotl, der Heilerin María Sabina und des Dichters Papusza. Die Bühne wird zu einem heiligen Raum, in dem Technologie (elektronische Musik, Sounddesign und Beleuchtung) und das Ursprüngliche (Bewegung, Wort und Ritual) zu einer Liturgie verschmelzen.
„A un pájaro rojo“ ist Gesang, Gebet und Ode. Es ist die Verherrlichung des magischen Denkens gegenüber der Herrschaft der Vernunft. Wir verstehen Rituale als den Ort, an dem Symbole zum Leben erwachen. In ihrer "Razón poética" entsagt María Zambrano der diskursiven Vernunft und setzt auf die Metapher, indem sie zur Rettung der Kulturen, ihrer vielfältigen Weltanschauungen und zur Einbeziehung anderer menschlicher Erkenntnisse wie Aberglaube und Mystik aufruft.
In ihrem Aufsatz „La poesía de los aztecas“ („Die Poesie der Azteken“) spricht Birgitta Leander von „flor y canto“ („Blume und Gesang"), einem Ausdruck, mit dem die alten Nahuatl sprechenden Mesoamerikaner Poesie bezeichneten. In der prähispanischen Welt war die Poesie eng mit Musik und Tanz verbunden. Der Dichter wurde „ave preciosa, pájaro rojo“ („kostbarer Vogel, roter Vogel“) genannt, und seine Worte waren eine Möglichkeit, seinen Wunsch, sich zu verewigen, zu verwirklichen.
„A un pájaro rojo“ ist eine Liturgie, ein heidnisches Ritual, das zum Anhalten auffordert, das das Geheimnis als Instinkt umarmt. Wir halten inne, wir sehen uns selbst, wir sind der Stamm, der Dichter, Sibyllen und Propheten braucht, damit seine gegenwärtige Trostlosigkeit zur zukünftigen Illusion wird.
„A un pájaro rojo“ nimmt am Enthusiasmus (etymologisch: Inspiration, Verzückung, Begeisterung) teil, ohne jedoch aufzuhören, den manchmal grausamen Takt des Daseins zu messen; es nutzt die Musik, um die besten Omen heraufzubeschwören, weil der Stamm einen Horizont braucht; er fliegt in einem exakten Abstand zwischen Aberglauben und Sehnsucht.
Musikkünstlerin