Deutsche Filmwochen 2021

The case you ©The case you

10. Ausgabe der Deutschen Filmwochen Barcelona (vom 22.10. bis 7.11.2021)

Vom 21. Oktober bis 7. November präsentieren das Goethe-Institut Barcelona und die Filmoteca de Catalunya, mit Unterstützung von German Films, die 10. Deutschen Filmwochen Barcelona. Wie bei den erfolgreichen Ausgaben der letzten Jahre bieten wir eine Auswahl der interessantesten und innovativsten Filme des aktuellen Kinopanoramas. Dabei liegt der Schwerpunkt auf Autor*innen- und Independent-Filmen. Alle 10 Werke werden im Original mit spanischen Untertiteln projiziert.

Einige Filme nähern sich mit erzählerischer und stilistischer Originalität den großen Themen und Herausforderungen der Gegenwart. Der Eröffnungsfilm "Ökozid" von Andres Veiel, einem der wichtigsten deutschen Regisseure der Aktualität, entwirft mit den Mitteln eines realistischen Dokudramas ein dystopisches Panorama zur Klimakrise, das in im Jahre 2034 spielt. Der internationale Gerichtshof, der aufgrund der Erhöhung des Meeresspiegels seinen Sitz von Den Haag nach Berlin verlegt hat, muss entscheiden, ob die deutsche Politik für ihr Versagen beim Klimaschutz in den Jahren 1990 bis 2020 zur Verantwortung gezogen werden kann. Auf der Anklagebank sitzt unter anderem die mittlerweile 80-jährige Angela Merkel.
Vor der offiziellen Eröffnung der Filmwochen am 22. Oktober mit „Ökozid“ wird am 21. Oktober Werner Herzog in der Filmoteca zu Gast sein, um seinen Dokumentarfilm „Nomad: in the Footsteps of Bruce Chatwin“ vorzustellen, eine Hommage an den gleichnamigen Schriftsteller.
Auch bei der diesjährigen Festivalausgabe ist Migration ein zentrales Thema. Für seine mit den wichtigsten Filmpreisen Deutschlands ausgezeichnete, visuell fulminante Neuverfilmung des Romanklassikers "Berlin Alexanderplatz" verlegte der aus Afghanistan stammende Regisseur Burhan Qurbani die Handlung aus den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts in die Gegenwart. Sein Der Protagonist und Antiheld ist ein Immigrant ohne Papiere aus Schwarzafrika. In seinem bedrückend realistischen und spröden Spielfilm "Exil" erzählt Visar Morin die Geschichte eines aus dem Kosovo stammenden Ingenieurs, der auf den ersten Blick perfekt in das Leben in einer deutschen Kleinstadt integriert ist. Doch von einem Tag auf den anderen wird er gemobbt – oder bildet er es sich nur ein? In "Lovemobil" von Elke Margarete Lehrenkauss hat die Migration ein weibliches Gesicht und fristet ein Leben am Rande der Gesellschaft. Es geht um Prostituierte, die in Wohnwagen am Rande einer Schnellstraße auf Klienten warten. Der wie eine dokumentarische Reportage inszenierte Film basiert auf Recherchen in diesem Milieu.
Auch "The case you" nähert sich einem brisanten Thema durch die Nachinszenierung von Erlebnissen vor laufender Kamera. Die junge Regisseurin und Schauspielerin Alison Kuhn und Kolleginnen spielen vor der Kamera die sexuellen Übergriffe nach, die sie bei einem Casting erlebt haben. Der fertige Film ist Anklage und Katharsis zugleich und ein eindringlicher Beitrag zu der "#MeToo"-Debatte. In "Paris – Kein Tag ohne dich" rekonstruiert die Regisseurin und bildende Künstlerin Ulrike Schaz in einer Mischung aus Gesprächen und poetischen Collagen ihre eigenen Vergangenheit. Als Studentin geriet sie 1975 in die Rasterfahndung nach internationalen Terroristen.
Der Kriminalfilm "Freies Land" von Christian Alvart nähert sich einem Kapitel der deutschen Geschichte: Kurz nach der Wiedervereinigung werden zwei Polizeiermittler in einen entlegenen Winkel Ostdeutschlands geschickt, um die Mordfälle an zwei Mädchen aufzuklären. Dabei dringen sie in das Geflecht aus privaten und politischen Lügen, schmutzigen Geschäften und Abhängigkeit vor Ort ein und werden mit ihren persönlichen Abgründen konfrontiert.
Bei "Enfant terrible" werden menschliche Abgründe schrill, plakativ und mit voyeuristischer Lust in Szene gesetzt. Oskar Roehlers filmische Hommage an seinen legendären Kollegen Rainer Werner Fassbinder ist eine Tour de force durch ein kurzes, intensives Künstlerleben, bei der künstlerische Grenzüberschreitungen und psychische Machtspiele eine verhängnisvolle Melange eingehen.
In Gegensatz dazu kommt Maggie Perens Beziehungskomödie "Hello again" leicht und amüsant daher. Das Leben Zazies, einer jungen Frau, die sich gut in ihrem Single-Leben eingerichtet hat, gerät durch die Einladung zur Hochzeit eines Freundes aus der Kindheit in eine Zeitschleife. Diese bewirkt, dass Zazie absurderweise den Tag dieser Hochzeit wieder und wieder in verschiedenen Varianten erleben muss.
Einer der originellsten Filme, die sich mit den Herausforderungen der Liebe in liquiden Zeiten beschäftigen, ist "Ich bin dein Mensch" von Maria Schrader. In dem Film, der bei der Berlinale mit einem Silbernen Bären für die beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet wurde, lässt sich die erfolgreiche Wissenschaftlerin Alma auf ein Experiment ein, um an Geld für ihr neues Forschungsprojekt zu kommen. Sie verbringt mehrere Wochen Tag und Nacht mit einem humanoiden Roboter. Der ist darauf programmiert, der perfekte Partner zu sein und ihr jeden Wunsch von den Lippen abzulesen…