|
19:00 Uhr
Andreas Kleinert: Lieber Thomas
Filmvorführung|Goethe-Kino (Kinovorführung) | Thomas Brasch
-
Goethe-Institut London, London
- Preis Preis: £6, £3 ermäßigt und für Goethe-Institut Sprachkursteilnehmer*innen & Bibliotheksmitglieder.
- Teil der Reihe: Thomas Brasch
Der Schriftsteller und Filmemacher Thomas Brasch war eine der bedeutendsten intellektuellen Stimmen im Nachkriegsdeutschland. Andreas Kleinerts eindringliches, in Schwarz-Weiß gedrehtes Biopic mit einem herausragenden Albrecht Schuch in der Hauptrolle destilliert Braschs geteiltes Leben zwischen Ost und West in reale und imaginäre Momente und fängt seine charismatische Persönlichkeit sowie die familiären und historischen Widersprüche ein, die ihn geprägt haben.
Der elfjährige Thomas und sein Vater Horst fahren im Auto und singen – ein unbeschwerter Moment, den Vater und Sohn teilen. Doch Thomas wird die Kadettenschule der DDR-Volksarmee, die ihr Ziel ist, hassen. Seine Klassenkameraden werden ihn schikanieren, weil er nicht voll an ihren Aktivitäten teilnimmt. Nach den Ferien fleht er darum, nicht zurückkehren zu müssen und erklärt, er wolle Schriftsteller werden. Doch sein Vater besteht auf Disziplin, um der sozialistischen Ideale der noch jungen DDR willen, in der er in den 1960er Jahren zum stellvertretenden Kulturminister aufsteigen wird.
Dieses Spannungsverhältnis zwischen Vater und Sohn, zwischen Restriktionen und dem Beharren auf künstlerischem Selbstausdruck, ist ein zentrales Thema in Andreas Kleinerts mehrfach preisgekröntem Porträt von Thomas Brasch. Der Film zeigt den Autor als charismatisch und leidenschaftlich, die Frauen liebend und von den Frauen geliebt, als Mittelpunkt einer nonkonformistischen Gemeinschaft, als Anhänger einer besseren Gesellschaft, als Befürworter der Mauer, aber als Gegner des herrschenden Systems. Dieser Konflikt eskaliert, als Thomas sich den Protesten gegen die russische Niederschlagung des Prager Frühlings anschließt, was zu einer Inhaftierung mit anschließender Bewährungszeit als Fabrikarbeiter führt. Er gipfelt darin, dass Thomas, der seine Schriften nicht veröffentlichen kann, mit seiner Lebensgefährtin, der Schauspielerin Katharina Thalbach, die DDR verlässt und 1976 in den ungeliebten Westen zieht.
Kleinerts Film folgt zwar einer weitgehend chronologischen Abfolge, ist aber keine minutiöse Nacherzählung der Biografie Thomas Braschs. Stattdessen porträtiert er den Künstler durch eine Reihe von Szenen, die Braschs Beziehungen, Obsessionen, persönliche Eigenschaften und Schriften zu oft traumhaften und symbolisch aufgeladenen Situationen destillieren und verschmelzen. Der in beeindruckendem Schwarz-Weiß gedrehte Film vermittelt sowohl eine abstrakte Zeitlosigkeit als auch das Gefühl, dass Geschichte erzählt wird, gelegentlich unterstützt durch Archivmaterial. Brasch erscheint sowohl als der Inbegriff des getriebenen Künstlers als auch als historische Figur, die sich im Osten unterdrückt fühlte und unterdrückt wurde und den Westen und dessen Aneignung seiner „Dissidenten“-Biografie ablehnte.
Andreas Kleinert wuchs ebenfalls in der DDR auf und besuchte dieselbe Filmschule, von der Thomas Brasch exmatrikuliert wurde. Sein Porträt von Thomas Brasch wurde weithin für seinen mutigen Ansatz gelobt und dafür, dass es so leidenschaftlich ist wie sein Gegenstand. Es wurde jedoch auch für die Darstellung von Frauen kritisiert, insbesondere für die Art und Weise, wie die Kamera ihre Körper einfängt und sie auf die Rolle von Musen reduziert, die von Thomas mit einem einzigen Blick verzaubert werden.
Deutschland 2021, s/w, 157 Min. Mit englischen Untertiteln.
Regie: Andreas Kleinert. Mit Albrecht Schuch, Anja Schneider, Ioana Iacob, Jella Haase, Jörg Schüttauf. Bitte beachten Sie, dass wir keine Werbung vor dem Film zeigen und die Filmvorstellung zur angegebenen Zeit beginnt.
Der elfjährige Thomas und sein Vater Horst fahren im Auto und singen – ein unbeschwerter Moment, den Vater und Sohn teilen. Doch Thomas wird die Kadettenschule der DDR-Volksarmee, die ihr Ziel ist, hassen. Seine Klassenkameraden werden ihn schikanieren, weil er nicht voll an ihren Aktivitäten teilnimmt. Nach den Ferien fleht er darum, nicht zurückkehren zu müssen und erklärt, er wolle Schriftsteller werden. Doch sein Vater besteht auf Disziplin, um der sozialistischen Ideale der noch jungen DDR willen, in der er in den 1960er Jahren zum stellvertretenden Kulturminister aufsteigen wird.
Dieses Spannungsverhältnis zwischen Vater und Sohn, zwischen Restriktionen und dem Beharren auf künstlerischem Selbstausdruck, ist ein zentrales Thema in Andreas Kleinerts mehrfach preisgekröntem Porträt von Thomas Brasch. Der Film zeigt den Autor als charismatisch und leidenschaftlich, die Frauen liebend und von den Frauen geliebt, als Mittelpunkt einer nonkonformistischen Gemeinschaft, als Anhänger einer besseren Gesellschaft, als Befürworter der Mauer, aber als Gegner des herrschenden Systems. Dieser Konflikt eskaliert, als Thomas sich den Protesten gegen die russische Niederschlagung des Prager Frühlings anschließt, was zu einer Inhaftierung mit anschließender Bewährungszeit als Fabrikarbeiter führt. Er gipfelt darin, dass Thomas, der seine Schriften nicht veröffentlichen kann, mit seiner Lebensgefährtin, der Schauspielerin Katharina Thalbach, die DDR verlässt und 1976 in den ungeliebten Westen zieht.
Kleinerts Film folgt zwar einer weitgehend chronologischen Abfolge, ist aber keine minutiöse Nacherzählung der Biografie Thomas Braschs. Stattdessen porträtiert er den Künstler durch eine Reihe von Szenen, die Braschs Beziehungen, Obsessionen, persönliche Eigenschaften und Schriften zu oft traumhaften und symbolisch aufgeladenen Situationen destillieren und verschmelzen. Der in beeindruckendem Schwarz-Weiß gedrehte Film vermittelt sowohl eine abstrakte Zeitlosigkeit als auch das Gefühl, dass Geschichte erzählt wird, gelegentlich unterstützt durch Archivmaterial. Brasch erscheint sowohl als der Inbegriff des getriebenen Künstlers als auch als historische Figur, die sich im Osten unterdrückt fühlte und unterdrückt wurde und den Westen und dessen Aneignung seiner „Dissidenten“-Biografie ablehnte.
Andreas Kleinert wuchs ebenfalls in der DDR auf und besuchte dieselbe Filmschule, von der Thomas Brasch exmatrikuliert wurde. Sein Porträt von Thomas Brasch wurde weithin für seinen mutigen Ansatz gelobt und dafür, dass es so leidenschaftlich ist wie sein Gegenstand. Es wurde jedoch auch für die Darstellung von Frauen kritisiert, insbesondere für die Art und Weise, wie die Kamera ihre Körper einfängt und sie auf die Rolle von Musen reduziert, die von Thomas mit einem einzigen Blick verzaubert werden.
Deutschland 2021, s/w, 157 Min. Mit englischen Untertiteln.
Regie: Andreas Kleinert. Mit Albrecht Schuch, Anja Schneider, Ioana Iacob, Jella Haase, Jörg Schüttauf. Bitte beachten Sie, dass wir keine Werbung vor dem Film zeigen und die Filmvorstellung zur angegebenen Zeit beginnt.
Links zum Thema
Ort
Goethe-Institut London
50 Princes Gate
Exhibition Road
London SW7 2PH
Vereinigtes Königreich
50 Princes Gate
Exhibition Road
London SW7 2PH
Vereinigtes Königreich