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19:00 Uhr

Konrad Wolf: Lissy

Filmvorführung|Kinovorführung

Nahaufnahme einer jungen weißen Frau mit Hut K.Wolf, Lissy©DEFA-Stiftung, Rudolf Meister

Ein Mann und eine Frau in einem kleinen Raum mit trocknender Wäsche im Hintergrund K.Wolf, Lissy©DEFA-Stiftung, Rudolf Meister

Angesiedelt im Berlin der frühen 1930er Jahre zur Zeit des Aufstiegs der Nationalsozialisten erzählt Konrad Wolf bewegendes Drama von einer jungen Mutter, die sich zwischen dem komfortablen Leben als Ehefrau eines Nazis und ihrem Gewissen entscheiden muss.

Berlin, Anfang der 1930er Jahre. Lissy Schröder, eine junge Frau aus der Arbeiterklasse, heiratet Fredi Fromeyer, einen Angestellten, der ihr ein besseres Leben verspricht, aber von Lissys Vater, einem überzeugten Sozialisten und Gewerkschaftsaktivisten, verachtet wird. Als Fredi aufgrund der Wirtschaftskrise seine Arbeit verliert und sie sich die Miete nicht mehr leisten können, führt seine Frustration – zusammen mit einer zufälligen Begegnung mit einem alten Freund – dazu, dass er sich der SA anschließt. Während er in der Organisation aufsteigt, genießen er und Lissy zunehmend ein komfortables bürgerliches Leben. Trotz der Kritik ihres Vaters und kommunistischer Freunde sowie ihres eigenen wachsenden Unbehagens gegenüber der Brutalität und den Verhaftungen durch die Nazis, die sie beobachtet, lebt sie weiter wie bisher. Erst als ihr Bruder – einst kommunistischer Sympathisant – sich den Nazis anschließt und von ihnen getötet wird, trifft sie eine folgenschwere Entscheidung.
 

Schwarz-weiß Bild, dass eine junge Frau in eleganten Kleidung zwischen zwei uniformierten Männern in einem Gasthaus am Tisch sitzend zeigt. Lissy © DEFA-Sttiftung, Rudolf Meister

Basierend auf dem Roman Versuchung (1937, Zürich), später 1954 unter dem Titel Lissy oder die Versuchung (Ost-Berlin) neu veröffentlicht, stammt die Vorlage von dem jüdischen sozialistischen Autor Franz Carl Weiskopf (Prag 1900 - Ost-Berlin 1955). Lissy, der als Konrad Wolfs erster reifer Film gilt, folgt einer klaren antifaschistischen Wandlungserzählung: seine zunächst passiv und unentschlossen wirkende weibliche Protagonistin ist aufgrund ihrer inneren moralischen Stärke und Empathie, die sie von den ideologisch verhärteten und nach Anerkennung und Macht strebenden Männern um sie herum unterscheidet, in der Lage, ihren Lebensweg zu ändern.


Der Film führt in ein sorgfältig rekonstruiertes Berlin der späten Weimarer Republik mit seinen unterschiedlichen gesellschaftlichen Milieus. An das Kino der Weimarer Zeit erinnernde formale Mittel wie Montagesequenzen und Überblendungen vermitteln die psychologischen Zustände der Figuren, während melodramatische Zuspitzungen die emotionale Wirkung des Films verstärken – insbesondere die Wandlung Lissys. Diese Entwicklung wird bereits in den Eröffnungstiteln angedeutet, die Lissy als „Die Geschichte eines Herzens“ einführen.

DDR, 1957, 89 Min., s/w, Deutsch mit englischen Untertiteln
Regie: Konrad Wolf, Drehbuch: Konrad Wolf und Alex Wedding, Dramaturgie: Hans-Joachim Wallstein, Schnitt: Lena Neumann, Kamera: Werner Bergmann, Szenenbild: Gerhard Helwig, Kostümbild: Elli-Charlotte Löffler, Musik (Filmmusik): Joachim Werzlau, Spezialeffekte: Ernst Kunstmann. Mit Gerhard Bienert, Horst Drinda, Horst Friedrich, Christa Gottschalk, Hans-Peter Minetti, Kurt Oligmüller, Raimund Schelcher, Sonja Sutter, Else Wolz.