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19:00 Uhr

Goethe-Kino: Buddenbrooks von Gerhard Lamprecht

Filmvorführung|Goethe-Kino+:150 Jahre Thomas Mann

  • Goethe-Institut London, London

  • Preis Preis: £6, £3 ermäßigt und für Goethe-Institut Sprachkursteilnehmer*innen & Bibliotheksmitglieder.
  • Teil der Reihe: Goethe-Kino 2025, 150 Jahre Thomas Mann

Sepiafarbene Stummfilmeszene, in der ein Mann in Rückensicht eine am Klavier sitzende Frau und einen über sie gebeugten Mann in geisterhafter Transparenz sieht ©Deutsche Kinemathek

Sepiafarbene Stummfilmeszene, in der ein Mann in Rückensicht eine am Klavier sitzende Frau und einen über sie gebeugten Mann in geisterhafter Transparenz sieht ©Deutsche Kinemathek

Anlässlich des 150. Geburtstages von Thomas Mann präsentieren wir zwei Verfilmungen seiner Romane. Gerhard Lamprechts Stummfilm Buddenbrooks (1923) wird in einer neu restaurierten digitalen Fassung in unserem Kino zu sehen sein, während Egon Günthers Lotte in Weimar (1975) - der erste DEFA-Film, der in Cannes im Wettbewerb lief- den ganzen Juni über auf Goethe on Demand verfügbar sein wird.

Lamprechts Adaption von Manns Roman aus dem Jahr 1901 - die erste Verfilmung überhaupt - ist ein eindringliches stummes Kammerspiel. Eingerahmt von eindrucksvollen Dokumentaraufnahmen des Lübecker Hafens, bietet der Film eine neue Perspektive auf den Niedergang der titelgebenden Kaufmannsfamilie.

Veröffentlicht in zwei Bänden im Februar 1901 und mit über 1000 Seiten Umfang war Buddenbrooks Thomas Manns erster Roman, für den er 1929 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde. Inspiriert von seiner eigenen Familiengeschichte und angesiedelt in seiner Heimatstadt, der Hansestadt Lübeck an der Ostsee, schildert der Roman den wirtschaftlichen, sozialen und psychologischen Verfall einer alteingesessenen Kaufmannsfamilie über vier Generationen hinweg – von 1835 bis 1877.

Thomas Mann war gerade einmal 25 Jahre alt, als Buddenbrooks erschien – genau so alt wie Gerhard Lamprecht, als seine Verfilmung, die erste in der Filmgeschichte, am 31. August 1923 im Tauentzien-Palast in Berlin uraufgeführt wurde. Es war ein ambitioniertes Unterfangen, die weitläufige Handlung des Romans mit seiner Vielzahl an Figuren auf einen rund zweistündigen Stummfilm zu verdichten. Gemeinsam mit Alfred Fekete und Luise Heilborn-Körbitz verfasste Lamprecht ein Drehbuch, das sich auf die Generation von Thomas Buddenbrook und seine Geschwister Christian und Tony konzentrierte. Von den verschiedenen Geschäftszweigen der Familie rückte der Film den Getreidehandel in den Mittelpunkt. Die Handlung wurde zudem aus dem 19. Jahrhundert in die frühen 1920er-Jahre verlegt – eine Zeit sozialer Umbrüche und wirtschaftlicher Krisen, die in der Hyperinflation von 1923 gipfelte.

Als ältester Sohn übernimmt Thomas Buddenbrook die Leitung des Familienunternehmens. Mit einiger Zurückhaltung betraut ihn der Senat der Hansestadt Lübeck mit einem bedeutenden Getreidegeschäft. Eine verspätete Lieferung könnte hohe Vertragsstrafen nach sich ziehen – und den finanziellen Ruin bedeuten. Sein jüngerer Bruder Christian, eher Lebemann als Kaufmann, wird auf Wunsch der Mutter wieder ins Unternehmen geholt – eine Entscheidung mit fatalen wirtschaftlichen Folgen. Unterdessen wird Schwester Tony gegen ihren Willen mit dem zwielichtigen Versicherungsagenten Bendix Grünlich verheiratet, während Thomas Gerda, die Tochter der angesehenen Kaufmannsfamilie Arnoldsen, ehelicht – eine Verbindung, die beiden Familien geschäftlichen Nutzen bringen soll.

Buddenbrooks etablierte Gerhard Lamprecht als versierten und selbstbewussten Regisseur und begründete eine Karriere, die weit über die Stummfilmzeit hinaus bis in die späten 1950er-Jahre reichte. Sein wohl bekanntester Film ist die Verfilmung von Erich Kästners Emil und die Detektive aus dem Jahr 1931, für die Billy Wilder das Drehbuch schrieb. Buddenbrooks war ein Erfolg, auch wenn Thomas Mann den Film zunächst als ein „gleichgültiges Kaufmannsdrama“ abtat und ihn als „strohdumm und sentimental“ bezeichnete. Doch in einem Zeitungsartikel, erschienen in 'Der Montag Morgen' am 3. Juli 1923, bemerkte er – vielleicht mit einem Hauch Ironie: „Daß die populäre Weltmacht des Films ihr Auge auf eines meiner Werke geworfen hat, schmeichelt mir nicht wenig […].“

Wir zeigen die neu digital restaurierte Fassung, mit der neu komponierten Filmmusik von Marco Brosolo, die 2024 mit der Eröffnung der Gerhard-Lamprecht-Reihe Losers & Winners in der Deutschen Kinemathek in Berlin ihre Weltpremiere hatte.

 

Deutschland, 1923. 108 Minuten. Stummfilm. Zwischentitel mit englischen Untertiteln.
Regie: Gerhard Lamprecht. Neue Musik: Marco Brosolo. Mit Peter Esser, Alfred Abel, Mady Christians, Hildegard Imhoff.




Bitte beachten Sie, dass wir keine Werbung vor dem Film zeigen und die Filmvorstellung zur angegebenen Zeit beginnt.