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Vereinigtes Königreich

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19:00–19:00 Uhr

Konrad Wolf: Ich war 19

Online Filmvorführung|Nur in Großbritannien verfügbar

Schwarz-weiß Nahaufnahme eines jungen Soldaten und ein anderer Soldat im Hintergrund Ich war neunzehn © DEFA-Stiftung, Werner Bergmann

Schwarz-weiß Nahaufnahme eines jungen Soldaten und ein anderer Soldat im Hintergrund Ich war neunzehn © DEFA-Stiftung, Werner Bergmann

Allgemein als Konrad Wolfs bedeutendster und autobiografischster Film angesehen – und als Meilenstein des deutschen Nachkriegskinos – zeichnet Ich war 19 die Erfahrungen eines in Deutschland geborenen Soldaten in der Sowjetarmee nach, als diese sich in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs Berlin nähert.

Als Leutnant in der sowjetischen Armee kommt Gregor Hecker im April 1945 nach Deutschland – für ihn zugleich eine Rückkehr in die Heimat. Als Kind war er mit seinen Eltern vor den Nazis in die Sowjetunion geflohen, wo er nach Ausbruch des Krieges der Sowjetarmee beitrat. Da er fließend Deutsch spricht, besteht seine Hauptaufgabe darin, durch das Gebiet nördlich von Berlin zu fahren und über Lautsprecher deutsche Soldaten zur Kapitulation aufzufordern. Während dieser Zeit begegnet Gregor einer Reihe unterschiedlicher Deutscher, von einer verängstigten und heimatlosen jungen Frau bis zu ranghohen Offizieren, von Bauern bis zu Soldaten, die weiterhin entschlossen sind zu töten. Diese Begegnungen lösen widersprüchliche Gefühle in ihm aus – Mitgefühl für einige, Entsetzen über die Brutalität und die Verlogenheit anderer.
 

Schwarz-weiß Bild, das zeigt, wie ein Soldat einem kleinen Jungen ein Gewehr wegnehmen will. Im Hintergrund ist ein Bauernhaus und Bauersleute zu sehen ©_DEFA-Stiftung, Bergmann, Ebert, Sperberg

Obwohl der Film von Wolfs Tagebucheinträgen inspiriert ist und auf seinen retrospektiven Rekonstruktionen der Ereignisse ab April 1945 basiert (als die Wirren der Zeit sein Tagebuchschreiben unterbrachen), ist Ich war 19 keine genaue Nacherzählung von Wolfs eigenen Erlebnissen. Doch laut Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase, mit dem Wolf hier zum ersten Mal zusammenarbeitete sind die Schauplätze, Gregors Route um Berlin herum, oft durch weite offene Landschaften, und vor allem die „moralische Situation“ – Gregors ambivalente Loyalitäten – authentisch. Mit einem Abstand von über zwanzig Jahren konnte Konrad Wolf seine eigene Vergangenheit zwischen zwei Identitäten neu betrachten, um auszuloten, wie die deutsche Geschichte im Rahmen des ideologischen Selbstverständnisses der DDR erzählt werden konnte. Der Film ist wie ein sachliches Tagebuch strukturiert, vermeidet Melodramatik und Pathos und entfaltet sich in einer Reihe von Episoden, die Gregors wechselnde Gefühle, seine Verletzlichkeit sowie seine jugendliche Kühnheit inmitten der Unvorhersehbarkeit und Unsicherheit am Ende des Krieges zeigen.

DDR, 1968, s/w, 115 Min., Deutsch mit englischen Untertiteln
Regie: Konrad Wolf, Regieassistenz: Rainer Simon, Drehbuch: Konrad Wolf und Wolfgang Kohlhaase, Dramaturgie: Gerhard Wolf, Schnitt: Evelyn Carow, Kamera: Werner Bergmann, Szenenbild: Alfred Hirschmeier, Kostümbild: Werner Bergemann, Musik (Interpretation): Ernst Busch. Mit Kurt Böwe, Alexej Ejboshenko, Mihail Gluzskij, Wolfgang Greese, Jenny Gröllmann, Rolf Hoppe, Wassili Liwanow, Dieter Mann, Galina Polskich, Jaecki Schwarz, Anatoli Solowjow.