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Vereinigtes Königreich

Anguish & Ecstasy - The Cinema of Werner Schroeter

Retrospektive|Filmreihe im Rahmen von ICA 'Long Takes'

  • ICA - Institute of Contemporary Arts, London

Ein junger Mann mit bloßem Oberkörper liegt auf dem Boden im Gras, um ihn herum rote Rosen. Ein anderer Mann liegt mit seinem Kopf auf seiner Brust mit geschlossenen Augen. © Werner Schroeter Filmproduktion

Ein junger Mann mit bloßem Oberkörper liegt auf dem Boden im Gras, um ihn herum rote Rosen. Ein anderer Mann liegt mit seinem Kopf auf seiner Brust mit geschlossenen Augen. © Werner Schroeter Filmproduktion

Mit der Eröffnung am 19. Februar 2026 im Londoner ICA ist Anguish & Ecstasy - The Cinema of Werner Schroeter die erste umfassende Retrospektive in Großbritannien, die diesem einzigartigen Regisseur gewidmet ist. Wir freuen uns, diese dreimonatige Filmreihe zu unterstützen, die dem Londoner Publikum ermöglicht, das Werk Schroeters neu zu entdecken  – kontextualisiert durch Einführungen und präsentiert mittels neuer Restaurierungen selten gezeigter Werke sowie durch Vorführungen auf 35mm.

Am Mittwoch, dem 25. Februar, zeigen wir Rainer Werner Fassbinders Film Warnung vor einer heiligen Nutte im Dialog mit der Retrospektive. Werner Schroeter ist einer der Darsteller*innen im Film, der zudem mehrere Bezüge zu seinem Film Eika Katappa, der die Reihe am 19. Februar eröffnet.
Parallel zur Retrospektive werden wir eine Auswahl von Filmen der Regisseurin und Kamerafrau Elfi Mikesch zeigen, die bei zahlreichen Filmen Werner Schroeters für die Kameraarbeit verantwortlich war und uns in ihrem dokumentarischen Portrait Mondo Lux  – Die Bilderwelten des Werner Schroeter (2011) einen wunderbaren Einblick in sein Leben und Werk schenkt. Weitere Informationen folgen in Kürze.



Was Schroeter mit einem Gesicht, einem Wangenknochen, den Lippen, einem Ausdruck der Augen macht, [ist] eine Vervielfältigung und ein Wuchern des Körpers, eine Erhebung.
— Michel Foucault

Werner Schroeter wurde 1945 in Georgenthal in Ostdeutschland geboren, kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Er wuchs in einem bohemienhaften Haushalt in industrieller Umgebung auf, eng verbunden mit einer geliebten Großmutter sowie der Freundin seiner Mutter, die Opernsängerin war.

Viel ist über seine Nähe wie auch über seine Distanz zum Neuen Deutschen Film geschrieben worden. Obwohl er ein Zeitgenosse und Weggefährte von Rainer Werner Fassbinder, Werner Herzog und Wim Wenders war – mit denen er (kurzzeitig) an der Hochschule für Fernsehen und Film München studierte – nahm er im Kino des 20. Jahrhunderts eine nicht eindeutig einzuordnende Position ein. Dies trug dazu bei, dass sein Werk im Vergleich zu dem seiner Kollegen teilweise marginalisiert wurde. Bis zu seinem Tod im Jahr 2010 entwickelte Schroeter über ein umfangreiches Œuvre hinweg – zweiundzwanzig Spielfilme und zahlreiche kürzere Arbeiten – ein Kino von unverwechselbarer Eigenart: ein Kino der Emotionalität, der Queerness, der Improvisation und der Somatik. Utopisch und zugleich schmutzig, nicht im engeren Sinne politisch, aber im Innersten radikal.

Bereits seine frühen Kurz‑ und mittellangen Filme aus den späten 1960er‑ und frühen 1970er‑Jahren, meist auf 8mm gedreht, zeigten eine ausgeprägte Faszination für Theatralität, extravagante Tableaus und transgressive Sexualität. Diese Arbeiten waren geprägt von frühen Begegnungen mit Magdalena Montezuma, mit der er ein Leben lang zusammenarbeitete, dem künstlerischen Vertrauten Rosa von Praunheim sowie Maria Callas – die zwar nie selbst auftritt, aber dennoch als allgegenwärtiger Star sein gesamtes filmisches Werk durchzieht. In den 1970er‑ und 1980er‑Jahren, mit wachsender Anerkennung bei internationalen Festivals und Kinematheken, wurde Schroeters Kino ambitionierter und weltzugewandter, mit Dreharbeiten unter anderem in Argentinien, auf den Philippinen, in Portugal, Italien und Mexiko.

Das ICA dankt für die Zusammenarbeit mit dem Filmmuseum München, dem EYE Filmmuseum sowie Paulo Branco.

Long Takes ist die fortlaufende Retrospektivenreihe des ICA, die sich dem Werk großer Künstlerinnen und Künstler des Kinos widmet – aus Vergangenheit und Gegenwart.