Between The Mountain & The Sea
A Residency Series
Wenn zukünftige Generationen auf die Große Verblendung zurückblicken, werden sie gewiss die Führer und Politiker dieser Zeit für ihr Versagen verantwortlich machen, die Klimakrise anzugehen. Doch sie könnten Künstler und Schriftsteller ebenso schuldig sprechen – denn das Vorstellen von Möglichkeiten ist schließlich nicht die Aufgabe von Politikern und Bürokraten.
Wir bieten Künstler*innen die Gelegenheit zur Teilnahme an intensiven Austauschprozessen mit unterschiedlichen an der Küste lebenden kulturellen Gemeinschaften sowie zur Zusammenarbeit mit Basisbewegungen für Umweltschutz und Klimagerechtigkeit - und zu einer Reise an Bord eines Segelschiffes. Die Teilnehmenden tauchen ein in das umfangreiche Narrativ des Klimawandels, wie es durch Küstenlinien und Meere erzählt wird. Das Narrativ handelt auch davon, auf welche Weise der Klimawandel uns zwingt, das Leben nach dem Ende des Anthropozäns neu zu denken.
Between the Mountain & the Sea ist ein neues Residenzprogramm des Goethe-Instituts Indonesien in Zusammenarbeit mit der Arka Kinari, einem 70 Tonnen schweren Segelschiff, das zu einer schwimmenden Kulturplattform umgebaut wurde. Hier soll das Mögliche ausgelotet und ein Leben jenseits des fossilen Kapitalismus entworfen werden. Der Aufenthalt ist in unterschiedliche Phasen unterteilt, die die künstlerische Entfaltung der teilnehmenden Künstler*innen begleiten und unterstützen. Entsprechend dem rauen Leben auf See verfolgt das Programm einen prozessorientierten Ansatz, der das Eintauchen der Künstler*innen in die Netzwerke der Küsten und Meere entlang der früheren Gewürzroute in den Vordergrund stellt.
Für die erste Ausgabe begrüßen wir zwei indonesische Künstler*innen, die auf der Arka Kinari und mit deren Segelnetzwerk leben und arbeiten werden. Hervorzuheben ist, dass wir diese Möglichkeit solchen Künstler*innen bieten möchten, die bereit und in der Lage sind, sich voll und ganz ihrer eigenen Arbeit und dem Einsatz für Umweltgerechtigkeit und die Belange der betroffenen Gemeinschaften zu widmen. Die Erfahrung selbst ist eine einzigartige Gelegenheit, die das Schaffen und Denken der Künstlerinnen und Künstler grundlegend verändern kann.
Als Orientierungshilfe beginnt das Residenzprogramm mit der Einbindung der Künstler*innen in die Coastal Communities Conference (CCC)*, einem jährlichen Treffen eines Netzwerks von Künstler*innen, Kunsthandwerker*innen und Innovator*innen, die im gesamten Nusantara-Archipel an der Schnittstelle von Kunst, Gemeinwesenarbeit und Umweltschutz tätig sind.
Die Konferenz ist als offene Bühne konzipiert, auf der die Küstengemeinden ihre Arbeit, ihre Interessen und Entwürfe für die Zukunft präsentieren. Die am Residenzprogramm teilnehmenden Künstler*innen sind eingeladen, nicht nur als Beobachter an der Konferenz teilzunehmen, sondern auch einen Überblick über ihre bisherigen Arbeiten und über ihre geplante bevorstehende Arbeit im Rahmen ihrer Residenz zu präsentieren.
Für die anschließende Phase ermutigen wir die Künstler*innen, sich noch stärker in das CCC-Netzwerk als Unterstützungssystem, Kooperationspartner und Wissensspeicher einzubringen, indem sie für ihre Vorfeldrecherchen* einen CCC-Netzwerkpartner besuchen und so ihr Verständnis der Auswirkungen der Klimakrise auf die Küstengemeinden im Nusantara-Archipel, an der östlichsten Spitze der historischen Gewürzstraße, vertiefen.
*Während der Vorfeldrecherchen sind die Künstler*innen eingeladen, ihren Interessen und Arbeitsweisen entsprechend Aktivitäten zu entwickeln, um Kontakte und den Austausch mit anderen herstellen zu können.
Zwischen Ende Juni und Anfang Juli 2026 gehen die Künstler*innen schließlich für zehn bis vierzehn Tage an Bord des Kultursegelschiffs Arka Kinari als Teilnehmende des Residenzprogramms und gleichzeitig als Mitsegler. Ihre Reise führt sie entlang der westlichen Flanke der Gewürzroute – dem heutigen östlichen Mittelmeer, einschließlich der unruhigen Gewässer vor der Türkei. Dort werden sie ihre unmittelbare Auseinandersetzung mit der Geschichte der Klimakrise und deren Auswirkungen auf Küsten und Meere – sei es in der Form des Verschwindens früherer Fischgründe in Indonesien bis hin zur Migrations- und Flüchtlingskrise im Mittelmeer - abschließen.
Am Ende des Residenzprogramms sind die Künstler*innen aufgefordert, an einem von ihnen gewählten Ort und vor der gastgebenden Gemeinde ihre während des Residenzprogramms gesammelten Erfahrungen und Erkenntnisse öffentlich zu präsentieren.
| Phase | Host | Zeitraum | Dauer |
| 1 - Coastal Communities Conference, CCC | Arka Kinari | 17.–24. Mai 2026 (die genauen Termine werden noch bestätigt). | 8 Tage (einschließlich An- und Abreise). |
| 2 – Aufenthalt bei Netzwerkkontakten der Coastal Communities Conference | Netzwerkkontakte der Coastal Communities Conference | Ende Mai–Anfang Juni 2026 (die genauen Termine werden mit dem jeweiligen Gastgeber abgesprochen). | 10 bis 14 Tage (einschließlich An- und Abreise). |
| 3 – Segeln auf der Arka Kinari | Arka Kinari | Mitte Juni–Juli 2026 (die genauen Termine werden mit dem jeweiligen Gastgeber abgesprochen). | 10 bis 14 Tage (ausschließlich An- und Abreise). |
| 4 - Präsentation | Goethe-Institut / Arka Kinari / jeweilige Gemeinden | Vor Mitte November 2026 (die genauen Termine werden mit dem jeweiligen Gastgeber abgesprochen). |
Über den Gastgeber der Residenz
Arka Kinari ist eine schwimmende Kulturplattform, eine Performance der Künstler*innen Grey Filastine (Spanien) & Nova Ruth (Indonesien) und ein siebzig Tonnen schweres Segelschiff, das sich auf einer Reise befindet, um zur Förderung der Resilienz gegenüber dem Klimawandel und der Wiederannäherung an das Meer beizutragen.Tagsüber finden auf dem Schiff Workshops zu ökologischer Nachhaltigkeit und Gespräche mit der jeweiligen lokalen Bevölkerung statt.
Abends verwandelt es sich in eine Bühne für die Performance von Filastine & Nova. Die Künstler*innen machen musikalisch auf den Klimawandel aufmerksam und setzen kinematische Bilder ein, die ein Leben jenseits des fossilen Kapitalismus imaginieren.
Arka Kinari ist Botschaft und Methode zugleich: eine Produktion auf Tournee – vom Wind angetrieben, von der Sonne betankt und vor Land ankernd allen Menschen offen stehend. Das Segelschiff hat bereits über 25 Länder bereist und an unterschiedlichsten Festivals teilgenommen, wie dem OHM Festival (Brisbane, Australien), dem Sydney Festival (Sydney, Australien), dem Mona Foma Festival (Hobart, Australien) und dem Colomboscope (Colombo, Sri Lanka).
Voraussetzungen für die Teilnahme
- Stammt aus und lebt in Indonesien
- Künstler*innen mit mindestens fünf Jahren Berufserfahrung und einem aussagekräftigen Portfolio.
- Da die Arka Kinari eine mehrsprachige Gemeinschaft bildet, ist Englisch die primäre Kommunikationssprache während des Residenzprogramms. Von den Künstler*innen wird während ihres Aufenthalts eine aktive Teilnahme erwartet und grundlegende Englischkenntnisse sowie ein sicherer Umgang mit der englischen Sprache sind erforderlich.
- Die Künstler*innen engagieren sich durch ihre künstlerische Praxis in der Gemeinwesenarbeit und im sozialen Bereich. Von ihnen wird erwartet, dass sie sich mit Besatzungsmitgliedern der Arka Kinari sowie den Segelgemeinschaften und unserem erweiterten Netzwerk austauschen. Bitte beachten Sie, dass keine Atelierräume für die Produktion zur Verfügung gestellt werden.
- Ein besonderer Fokus auf Umweltfragen, insbesondere im Hinblick auf Klimagerechtigkeit, traditionelle Gemeinschaften und Küstengemeinden, ist unerlässlich.
- Vorerfahrung im Engagement und in der Arbeit mit Küstengemeinden oder von der Klimakrise betroffenen Gemeinden ist erforderlich.
- Das Residenzprogramm, insbesondere während des Segelns auf der Arka Kinari, erfordert intensive körperliche Arbeiten wie etwa das Segelhissen mit Gewichten von bis zu 15–20 kg. Erforderlich ist darüber hinaus ein guter Gleichgewichtssinn in unebenem Gelände und die Fähigkeit, bis zu 2 Meter hohe Treppen zu steigen und sich länger in der Sonne aufzuhalten. Wir bitten vor der Bewerbung zu prüfen, ob die körperlichen und mentalen Anforderungen den eigenen Bedürfnissen und Fähigkeiten entsprechen.
- Segelerfahrung ist nicht erforderlich, aber wünschenswert. Als ein relativ kleines Schiff zählt die Arka Kinari auf die Mithilfe aller an Bord, um den Alltag auf See zu bewältigen. Das bedeutet eine gemeinsame Verantwortung aller Besatzungsmitglieder, einschließlich der Künstler*innen. Da der persönliche Freiraum begrenzt ist, sind Teamfähigkeit und Flexibilität unerlässlich.
- Selbstmotiviert, proaktiv und in der Lage, bei Recherche und Produktion eigener Arbeiten die Verantwortung zu übernehmen.
- Aufgrund des begrenzten Platzes an Bord können wir keine Bewerbungen von Duos/Gruppen annehmen.
Was Sie von dem Residenzprogramm erwarten können
- Teilnehmende Künstler*innen führen bis zu zwei Vorgespräche mit Arka Kinari und dem Goethe-Institut, um Erwartungen, Ablauf und Durchführung der Residenz abzustimmen, insbesondere hinsichtlich Interessen, Verantwortlichkeiten und Logistik.
- Während ihrer gesamten Residenz werden die Künstler*innen von Filastine & Nova und dem Support-Team der Arka Kinari bei der Entwicklung ihrer Vision, Recherche, Planung und bei ihrer künstlerischen Arbeit begleitet und unterstützt. Auch technische Beratung ist gewährleistet.
- Teilnehmende Künstlerinnen und Künstler und Arka Kinari entwickeln gemeinsam ihre künstlerische Vision und ihren Zeitplan für die Residenz.
- Die Künstlerinnen und Künstler in Residenz leben für 10 bis 14 Tage an Bord der Arka Kinari und werden Teil der Schiffsbesatzung. Sie helfen bei Bedarf beim Segeln, Navigieren und weiteren kleineren Arbeiten an Bord.
- Ausgewählte Gemeinden aus dem Netzwerk der Coastal Communities Conference werden die teilnehmenden Künstlerinnen 8 bis 10 Tage vor Beginn der Hauptresidenz an Bord der Arka Kinari beherbergen und sie mit Unterkunft, regelmäßig stattfindenden Gesprächen über das gewählte Thema und gegebenenfalls logistisch unterstützen.
Was wir bieten
Das Goethe-Institut übernimmt die Kosten für Anreise (internationale Flüge, Nahverkehr), Unterkunft, Verpflegung, Tagegeld und Visum (falls erforderlich) während des gesamten Aufenthalts. Die teilnehmenden Künstler*innen erhalten ein Produktionsbudget in Höhe von 19.500.000 Rupiah sowie ein Honorar in Höhe von 30.000.000 Rupiah.Reise, Unterkunft und Verpflegung während des Aufenthalts werden von den Hosts/Gastgebern organisiert. Wir bemühen uns, die Logistik bestmöglich zu gestalten, bitten jedoch um Verständnis, falls die Möglichkeiten begrenzt sind.
Bewerbungsprozess
Sollte das Residenzprogramm Ihren Interessen und Ihrer künstlerischen Laufbahn entsprechen, füllen Sie bitte das folgende Formular aus:Anmeldeschluss ist der 31. März 2026 um 23:59 Uhr (Jakarta-Zeit).
Nach dem Absenden erhalten Sie automatisch eine Bestätigung über den Eingang Ihrer Bewerbung. Die Bewerbungen werden von Arka Kinari, einer unabhängigen Jury sowie einem Vertreter/einer Vertreterin des Goethe-Instituts ausgewertet. Bis zu fünf ausgewählte Kandidatinnen und Kandidaten werden zu einem Online-Interview zwischen dem 8. und 10. April 2026 eingeladen. Die ausgewählten Künstlerinnen und Künstler werden am 13. April 2026 benachrichtigt.
Um eine faire und einheitliche Beurteilung zu gewährleisten, werden die Bewerbungen anhand folgender Kriterien beurteilt: persönliche Qualitäten, künstlerische Kontinuität und bisherige Laufbahn, möglicher Beitrag für den Gastgeber, Lernpotenzial für den/die Resident*in, die lokale Szene und darüber hinaus. Segelerfahrung ist von Vorteil, aber nicht erforderlich. Wir berücksichtigen außerdem geografische Herkunft, Geschlecht und Fachgebiet, um die Diversität während der Residenz zu gewährleisten.