Zum aktuellen Zustand indigener Sprachen
Mit Aditya Bayu Perdana
- Was sind aus Ihrer Sicht die größten Chancen und Herausforderungen für indigene Sprachen in der heutigen digitalen Welt?
Die größten Chancen ergeben sich aus dem Aufkommen von Communities, Sprachaktivisten und Sprachnutzern auf Graswurzelebene. Die größten Bedrohungen stammen möglicherweise aus Unwissenheit und Gleichgültigkeit auf höheren Ebenen, vor allem bei denen, die die Entwicklung und Umsetzung von Technologien steuern. Auch das Fehlen einer anwendungsorientierten Strategie seitens der Regierung trägt wenig bei und erweist sich eher als unproduktiv. - Wie können digitale Werkzeuge—etwa soziale Medien, mobile Apps oder KI—wirksam eingesetzt werden, um indigene Sprachen zu bewahren und zu fördern?
Soziale Medien sind natürlich sehr sinnvoll, um die digitale Spur unserer Regionalsprachen zu erhöhen. Diese digitale Spur ist meiner Meinung nach eine Hausaufgabe, die ernster angegangen werden muss, bevor künstliche Intelligenz (KI) einbezogen wird. Denn die Qualität der Antworten der KI hängen stark von den verfügbaren Daten und eben der existierenden digitalen Spur der jeweiligen Sprache ab. Man kann sich vorstellen, dass unter den aktuellen Bedingungen, in denen viele Regionalsprachen nur wenig oder gar keine digitale Repräsentation haben (zum Beispiel wenn die Sprache nur noch rein mündlich und ohne schriftliches Material existiert), die von der KI gegebenen Antworten nicht besonders gut sein können. - Welche Rolle sollten Regierungen, Bildungseinrichtungen oder internationale Organisationen dabei spielen, indigene Sprachgemeinschaften zu unterstützen?
Jede dieser Organisationen könnte Vorschriften erlassen, welche die Regionalsprachen konkret einbeziehen. Zum Beispiel Anforderungen an Übersetzungen und Umschriften für bestimmte Nutzungskontexte. Damit es jedoch nicht nur bei stumpfen Regeln bleibt, ist eine Qualitätssicherung und eine klare Strategie bei der Umsetzung notwendig. Leider wird dies oft übersehen. Die Organisationen sollten die konkrete Umsetzung stärker bedenken und Fachleute sowie Kreativkräfte wie Übersetzer, Designer und Künstler konsultieren, damit sie nicht in den offiziellen Vorschriften feststecken bleiben. - Welche lokalen oder globalen Initiativen haben Ihrer Erfahrung nach am meisten zur Wiederbelebung von Regionalsprachen beigetragen?
In meiner eigenen Erfahrung ist es eine praxisnahe Herangehensweise, wie die Entwicklung von Schriftarten, besonderen Tastaturen, lesbaren Texten unter Einbezug seltener Schriftzeichen, oder künstlerische Werke mit Schriftzeichen-Thematik. - Welche Schritte können jüngere Generationen unternehmen, um ihre indigene Sprache lebendig zu halten, insbesondere in einer zunehmend digitalen und globalisierten Welt?
Sie sollten bei jeder Gelegenheit verwendet werden. Ich finde es kann ganz einfach sein. Tippt und schreibt in euren Sprachen, sprecht sie täglich.