Mit Teguh Fatchur Rozi

Teguh Fatchur Rozi © Goethe-Institut Indonesien

  1. Was sind aus Ihrer Sicht die größten Chancen und Herausforderungen für indigene Sprachen in der heutigen digitalen Welt?
    Indigene  Sprachen können in der digitalen Welt durch ansprechende Inhalte gefördert werden, etwa durch Beiträge, die bei den Internetnutzer*innen nostalgische Erinnerungen wecken. Andererseits besteht jedoch eine der größten Herausforderungen darin, dass regionale Akzente und Aussprachen zunehmend verloren gehen können. Die Typologie der javanischen Sprache in Ostjava wurde ursprünglich in mehrere Varianten unterteilt: Matraman, Arek, Tapal Kuda und Madura. Jede dieser Varianten besitzt eigene Merkmale und sprachliche Besonderheiten. Allerdings zeigt sich nun, dass viele junge Menschen von anderen Sprachvarianten beeinflusst werden. Dies führt dazu, dass sie ihre ursprüngliche regionale Aussprache teilweise aufgeben. Für diese Entwicklung gibt es verschiedene Ursachen, aber es liegt oft einfach an dem Wunsch, eine Aussprache zu übernehmen, die als moderner oder „cooler“ wahrgenommen wird.
  2. Wie können digitale Werkzeuge—etwa soziale Medien, mobile Apps oder KI—wirksam eingesetzt werden, um indigene Sprachen zu bewahren und zu fördern?
    Mit der zunehmenden Vielfalt und Weiterentwicklung digitaler Werkzeuge—inzwischen ja auch KI-gestützt—gibt es neuen Spielraum zur Visualisierung von Inhalten. Inhalte, die mit Bildern oder Videos versehen sind, ziehen deutlich schneller die Aufmerksamkeit von Internetnutzer*innen unterschiedlichen Alters auf sich.
  3. Welche Rolle sollten Regierungen, Bildungseinrichtungen oder internationale Organisationen dabei spielen, indigene Sprachgemeinschaften zu unterstützen?
    Die Regierung trägt eine große Verantwortung für die Bereitstellung von Einrichtungen und Zugangsmöglichkeiten für alle, die diese benötigen. Aufgrund ihrer Zuständigkeit und Autorität kann die Regierung viele Vorhaben verwirklichen. Ein Beispiel dafür ist die Provinzregierung der Sonderregion Yogyakarta (DI Yogyakarta), die verschiedene Maßnahmen eingeführt hat, etwa die Verwendung der traditionellen Schrift in offiziellen Schreiben und in Regierungsbüros sowie eine stärkere Gewichtung des Javanisch-Unterrichts in den Lehrmaterialien.

    Für Bildungseinrichtungen spielen insbesondere Lehrkräfte an Schulen eine sehr wichtige Rolle bei der Vermittlung und Förderung indigener Sprachen, da sie im formalen Bildungskontext die ersten sind, die Schüler*innen entsprechende Inhalte näher bringen. Durch die Veränderungen im Schulcurriculum, die Lehrinhalte wieder stärker an die jeweiligen regionalen Gegebenheiten anpassen, wird zugleich auch die Erhaltung indigener Sprachen unterstützt.
  4. Welche lokalen oder globalen Initiativen haben Ihrer Erfahrung nach am meisten zur Wiederbelebung von Regionalsprachen beigetragen?
    Jede Social-Media-Plattform hat ihre eigenen Stärken: Twitter (X) regt seine Nutzer*innen stärker zum Lesen an, Instagram eignet sich gut für soziale Interaktion und Vernetzung, während TikTok vor allem kurze Videos bietet, die nur wenig Text erfordern. Da die indonesische Gesellschaft nach wie vor von vielen Menschen geprägt ist, die ungern längere Texte lesen, werden TikTok oder YouTube zu den wichtigsten Plattformen, die sich besonders erfolgreich für Bildungs- und Informationszwecke nutzen lassen.
  5. Welche Schritte können jüngere Generationen unternehmen, um ihre indigene Sprache lebendig zu halten, insbesondere in einer zunehmend digitalen und globalisierten Welt?
    Die zunehmende Mobilität von Menschen, die aus beruflichen oder Bildungsgründen in andere Regionen ziehen, führt ganz natürlich dazu, dass sich ihre Sprache oder ihr Akzent verändert, da sie von möglichst vielen Menschen verstanden werden wollen. Wenn sie jedoch in ihre Heimatregion zurückkehren, sollten sie wieder ihre ursprüngliche Sprache oder ihren ursprünglichen Dialekt verwenden. Eine der schnellsten Möglichkeiten, die eigene Sprache oder den ursprünglichen Akzent wieder aufzugreifen, besteht darin, sich erneut mit den Menschen aus der eigenen Region zu treffen und Zeit mit ihnen zu verbringen.

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