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Linda Kruse im Gespräch
Game-Entwickler aus Deutschland

Linda Kruse © Goethe-Institut Indonesien
Linda Kruse | © Goethe-Institut Indonesien

Linda Kruse und Marcus Bösch gründeten das Studio The Good Evil 2013 in Köln. Sie entwickelte gemeinsam mit dem indonesischen Spiele-Entwickler Nightspade die Applikation – die interaktive Deutschlandreise - JERMANIA, dessen Projekt vom Goethe-Institut Indonesien initiiert war.
 

Sie gründeten die Firma The Good Evil als Games/Spiele Entwickler. Was genau macht Ihre Firma?
 
Bei The Good Evil konzipieren und entwickeln wir digitale Spiele. Von der Idee bis zum fertigen Produkt. Unser Ziel: interaktive Anwendungen, mit denen man etwas erleben und lernen kann; Lernen nicht wie in einem Klassenraum, sondern wie beim Springen über einen Fluß, beim ersten Anfachen eines Feuers oder dem gemeinsamen Betreten eines neuen Kontinents.
 
[Wir gestalten Erfahrungen und Erlebnisse – digital oder auch analog. Mit unseren Spielen kann man Englisch lernen, die Deutsche Geschichte zusammenpuzzeln, verstehen wie es sich anfühlt fremd zu sein oder mit Hilfe eines Pizzakartons fit zu werden.Zu unseren Auftraggebern gehören u.a. Bastei Lübbe, die Landeszentrale für politische Bildung NRW, das Historische Museum Basel, die Deutsche Welle und der WDR. Neben Auftrags- und Eigenproduktionen – wie unserer Abenteuer-App Squirrel & Bär – beraten wir Unternehmen, Organisationen und Kultureinrichtungen. Vom Vortrag über passgenaue Workshops bis hin zur kompletten Prozessbegleitung.]
 
Was unterscheidet Ihre Firma von anderen Games/Spiele Entwicklern?
 
Wir entwickeln unsere Spiele und das Gameplay ausgehend vom Inhalt der vermittelt werden soll. Entsprechend wählen wir das dem Spiel zugrunde liegende Prinzip (die Game Mechanik) so aus, dass der Inhalt optimal vom Spieler erlernt werden kann. Nur dann funktioniert das spielerische Lernen.

Von Vorteil ist hier auch, dass beide Geschäftsführer – Linda Kruse und Marcus Bösch – vorher in anderen Medienbereichen stark inhaltsgetrieben gearbeitet haben. Linda im Bereich Film und Marcus als Journalist. Ob historische, wissenschaftliche oder andere informative Inhalte – in der Kombination aus Erfahrungen im jeweiligen Bereich plus Games KnowHow kann The Good Evil etwas bieten, was, so zumindest im deutschsprachigen Raum, einmalig ist. So hat The Good Evil beispielsweise den Begriff Newsgames in Deutschland etabliert oder mit der Informationswebsite sciencegames.de einen Ort geschaffen an dem die Kombination von Wissenschaft und Spielen diskutiert wird.
 
Was haben Sie für Spiele bereits produziert?
 
Mit unserem Englischlernabenteuer Squirrel & Bär beispielsweise bieten wir ein vollvertontes Abenteuerspiel für Kinder zwischen 3 und 9 Jahren, bei dem zahlreiche englische Muttersprachler Vokabeln des Europäischen Referenzrahmens A1 in Studioqualität vermitteln. Und dies quasi nebenbei, denn im Vordergrund steht das Spiel, das Abenteuer. Die App ist umfangreicher als die gewöhnliche Vokabellern-App für Kinder.

Wir haben sehr viel Zeit in das Testing und in die psychologischen und didaktischen Grundlagen des Projekts gesteckt und sind damit den unbequemeren weil länger dauernden Weg bei der Entwicklung gegangen. Statt schnellen Profits steht bei uns ein liebevolles Produkt, dass über den Tag hinaus wiederspielbar ist, im Vordergrund.

Wir haben neben der bereits erwähnten ersten Eigenproduktion Squirrel & Bär eine ganze Reihe von Auftragsproduktionen gefertigt, beispielsweise eine Reihe von kleineren Newsgames für die deutsche satirische Nachrichtensendung ZDF Heute Show. Zusammen mit dem Historischen Museum Basel haben wir mit Basel 1610 den Prototypen für ein historisches Point and Click Adventure umgesetzt, dass historisch verbriefte Persönlichkeiten in einem historisch korrekt umgesetzten Setting das Szenario der Pest erfahren lässt. Zusammen mit dem Wissenschaftsladen Bonn und der TU Dresden entwickeln wir gerade ein weiteres Point and Click Adventure, das Mädchen den Arbeitsbereich Erneuerbare Energien näher bringt.
 
Was halten Sie von der Game-Entwickler-Szene in Deutschland? Gibt es sogenannte Förderungen, die die deutschen Bundesländer oder auch deutsche Institutionen für die Spiele-Entwickler zur Verfügung stellen?
 
Wir schätzen es sehr Teil der Deutschen Entwicklerszene zu sein. Die Szene ist nicht groß, sondern noch in einer angenehmen Größe, mit familiären Zügen. Sie setzt sich zusammen aus Veteranen, die schon seit vielen Jahren in der Industrie tätig sind, aber auch viele kleinere Indie Entwickler und Indie Studios, mit denen wir befreundet sind, uns regelmäßig auf Konferenzen und Entwicklertreffen austauschen oder sogar auf Projekten zusammenarbeiten. Gerade in den letzten Jahren gab es viel neugegründete Studios, welches uns sehr erfreut.

Es gibt verschiedenste Möglichkeiten sich durch den Staat oder anderen regionale Förderer oder andere Einrichtungen unterstützen zu lassen. Sowohl regionale Standort-Programme, regionale Förderung für Konzepte oder Prototypen, als auch Förderung für Spiele der unterschiedlichen Bundesministerien.

Insgesamt ist die Förderung aber nicht so großzügig ausgestattet wie in anderen Ländern. Da ist das Angebot für Entwickler in Canada, Frankreich oder England schon wesentlich fortschrittlicher. Auch die Fördersummen bewegen sich noch in moderaten Höhen. Für kleine Entwickler bedeuten sie zwar einen Unterschied. Für Teams ab 3 Leuten kann aber nur ein Teil, bei ambitionierten Projekten sogar nur ein Bruchteil der Gesamtherstellungskosten, abgedeckt werden.
 
Ihre Vision für die Spiel Entwickler, was wünschen Sie sich?
 
Für die Zukunft wünsche ich mir eine noch stärkere Akzeptanz von Spielen in der Gesellschaft und als Lernwerkzeug in Bildungseinrichtungen (z.B. Schulen).

Spiele sind hier in Deutschland noch ein sehr vernachlässigtes Medium im Bildungssegment. Völlig konträr zur Nutzung der Kinder und Jugendlichen. Spiele sind für sie ein wichtiger Teil des Alltags und ermöglichen ihnen ein spielerisches Erlebnis, mit dem sie – je nach Fach – besser und nachhaltiger lernen können, als durch den Einsatz veralteter Schulbücher.
 

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