Interview mit Künstlerin Ga-Ae

Ihr Aufenthalt in Belgien dauerte nur etwas über ein Jahr – und doch hallen die Eindrücke dieser Zeit bis heute in Ga-Aes Collagen nach. Seit ihrer Rückkehr nach Korea und der Geburt ihres Kindes beschäftigt sich die Künstlerin intensiv mit den feinen Grenzen zwischen Fürsorge und Arbeit. Wir besuchten Ga-Ae in ihrem lichtdurchfluteten Dachatelier mit Blick auf den Namsan, wo sie täglich an ihren analogen Collagen arbeitet – sorgfältig, Schicht für Schicht, aus Papier und mit der Schere in der Hand. Entdecken Sie die Arbeitswelt einer Künstlerin, die statt des Computers lieber Papier und Schere in den Händen hält – und in das Atelier, in dem sie ihre Tage verbringt.

Gaae Interview © Leslie Klatte

Wohin ich auch sah, es war einfach wunderschön. Am meisten beeindruckte mich, wie sehr die Menschen Farben lieben. In Belgien tragen selbst ältere Menschen leuchtende Farben wie Pink und Gelb. Das hat mir Trost und große Freude bereitet.
Ga-Ae
Stellen Sie sich und Ihre künstlerische Arbeit bitte kurz vor.
Ich fertige Collagen, die sich frei zwischen den verschiedenen künstlerischen Ausdrucksformen bewegen, ohne mich auf bestimmte Medien oder Formate zu beschränken.

Ga-Ae © Ga-Ae

Bitte stellen Sie uns anhand einiger repräsentativer Arbeiten Ihre wichtigsten Kunstwerke und Ihre Arbeitsweise vor.
Ich habe an vier Bilderbüchern mitgewirkt, darunter ein Bilderbuch für Babys, und hatte vier Einzelausstellungen. Ich arbeite also sowohl an Kunst in Form von Gemälden und als auch in Büchern.

Das neueste Werk, das ich Ihnen zuerst zeigen möchte, ist ein Bilderbuch für Babys, das sich aus mehreren Szenen zusammensetzt, die sich zu einer zusammenhängenden Geschichte verbinden. Das Besondere daran ist, dass das Buch im Leporello-Format gestaltet ist und nicht wie ein herkömmliches Buch gebunden ist.  Tatsächlich wurde diese Art Bilderbuch für Babys meines Erachtens in Korea bisher nur selten umgesetzt. Da sich die visuelle Entwicklung eines Babys von anfangs nur Schwarz-Weiß erst später zur Farbwahrnehmung ausbildet, sind die Seiten der ersten Hälfte des Buches schwarz- und die der zweiten Hälfte farbig. Somit wird den Leser*innen ermöglicht, selbst diesen Entwicklungsprozess innerhalb eines einzigen Buches mitzuerleben.

Kann man demnach sagen, dass der Ausgangspunkt Ihrer Arbeit immer die Collage ist, unabhängig davon, welches Medium Sie verwenden?
Ja, unabhängig vom Endmedium, ob Buch oder Postkarte, basieren meine Arbeiten konsequent auf Collagen.

Mein Arbeitsnotizbuch ist ein fortlaufendes Projekt, aktuell in seiner achtzehnten Fassung. Da ich aber nicht besonders akribisch bin, führe ich selbst kein Tagebuch. Ich empfinde es eher als unbequem, nach einer bestimmten Routine oder einem bestimmten Ablauf zu arbeiten, und erziele bessere Ergebnisse, wenn ich schubweise arbeite. Ich weiß, dass es wichtig ist, täglich zu dokumentieren, aber ich schaffe es nicht immer, diesen Rhythmus beizubehalten. Ich denke, auch das ist Teil meiner Arbeitsweise. Sketchbook ISketchbook II,Sketchbook III

Dieses Buch war das erste, an dem ich je gearbeitet habe. Damals lächelte Woo-jin (Ga-Aes Sohn) immer strahlend, wenn ich ihn mit „Hallo, hallo“ ansprach, und diese Reaktion hat mich sehr berührt. Auch bei einfachen, bedeutungslosen Gegenständen, die ich zeichnete, und deren Namen ich ihm vorlas, brach er in Gelächter aus. Eines Tages zeichnete ich diese Bilder locker in ein kleines Notizbuch und stellte sie auf Instagram, woraufhin ich ein Angebot zur Veröffentlichung erhielt. Dies wurde mein erstes Buch. Ich hatte schon lange den Wunsch an einem Buchprojekt zu arbeiten, aber dank Woojin debütierte ich als Bilderbuchautorin und erlangte um diese Zeit herum auch Anerkennung als Collagen-Künstlerin. Ich denke, Woojins Geburt hat mein Portfolio auf gesamter Breite maßgeblich beeinflusst.

Konzentrieren Sie sich derzeit auf Kinderbücher?
Ich bin nun seit etwa zehn Jahren Illustratorin. Nachdem ich jedoch in all der langen Zeit hauptsächlich nur Illustrationen für die Texte anderer gemacht habe, haderte ich ständig mit der Frage, was wirklich für mich charakteristisch sein könnte. In dieser Zeit zog ich mich gefühlt innerlich immer mehr vom Zeichnen zurück. Es gab sogar einige sehr schwierige Momente, in denen ich am liebsten ganz aufgehört hätte.

Nach der Geburt meines Kindes veränderte sich meine künstlerische Ausrichtung jedoch schlagartig. Dieser Wandel entsprang keinem bestimmten Wunsch oder Plan „Collagen-Künstlerin“ zu werden. Ich nahm einfach buntes Papier und eine Schere, um mit meinem Sohn Woojin zu spielen, und die gemeinsame Zeit des Spielens inspirierte mich ganz natürlich zu meinen Collagen. So entstand mein erstes Werk auf einem 15 × 15 cm großen Stück buntem Papier. Während ich mit meinem Sohn spielte, schnitt ich Hunde und Vögel aus dem Papier aus und verbrachte Zeit mit ihm, wobei ich die Figuren mit meinen Händen berührte. Einmal begann ich einfach, einen Hund zu zeichnen, und dieses Bild berührte mich tief. Anders als Farbe, die man mischen und kombinieren kann, hat buntes Papier eine vorgegebene Farbpalette. Ich wollte sehen, wie mein Kind reagiert, wenn ich innerhalb dieser begrenzten Palette weitere Tiere gestaltete. Und so entstanden nach und nach meine Kunstwerke.

Ungefähr zu dieser Zeit besuchte ich eine Buchmesse, und der Stand direkt neben meinem gehörte zufällig dem Danchu Verlag. Und durch einen glücklichen Zufall, nachdem wir uns als Nachbarn kennengelernt hatten, erhielt ich ein Angebot für einen Verlagsvertrag. Obwohl das Projekt eher eine Sammlung von Werken war als ein Buch, stellte ich zusätzlich ein kleines Faltbuch im Leporello-Format zusammen, um es zur Publikation anzumelden. Obwohl es technisch gesehen, als Buch registriert ist, war der Ausgangspunkt des künstlerischen Inhaltes immer noch das spielerische Experimentieren. So entstand mein erstes veröffentlichtes Werk.

Es gibt viele Collagen-Künstler*innen, aber einer der beeindruckendsten Aspekte Ihrer Arbeit ist, dass Sie das Papier selbst herstellen. Und Sie verwenden dieses Papier als farbiges Papier für Ihre Collagen?
Da für Collagenarbeiten große Flächen benötigt werden, wird das Papier meist nicht streng nach Farben sortiert, sondern nach Größe in große, mittlere und kleine Stücke unterteilt. Da Collagen oft sehr massiv wirken und dadurch leicht eintönig erscheinen können, habe ich auf einem Blatt Papier zahlreiche Farben gemischt, um dies zu vermeiden. Durch das Schneiden und Kleben des Papiers entstehen natürliche Tiefe und Schichten. Ich achte sehr genau auf die Dichte, die durch die Materialeigenschaften entsteht. Apropos Farbe: Hat Ihr einjähriger Aufenthalt in Belgien Ihre Farbpalette oder Ihre Farbwahrnehmung beeinflusst?
Wohin ich auch sah, es war einfach wunderschön. Am meisten beeindruckte mich, wie sehr die Menschen Farben lieben. In Belgien tragen selbst ältere Menschen leuchtende Farben wie Pink und Gelb. Das hat mir Trost und große Freude bereitet. Obwohl meine Zeit dort begrenzt war, sah ich viele Orte, die im Einklang mit meinen von jeher gehegten ästhetischen Vorstellungen waren. Ich nahm diese Eindrücke also ganz natürlich wahr, fühlte und verinnerlichte sie, ohne bewusst zu sehr darüber nachzudenken. Diese gesammelten Eindrücke sind bis heute in meiner Kunst sichtbar.

Glücklicherweise freundete ich mich dort mit einer koreanischen Illustratorin an, die in der Stadt arbeitete, in der ich lebte. Dadurch hatte ich die Möglichkeit, örtliche Ausstellungen zu besuchen und die Künstler*innen persönlich kennenzulernen. Damals war ich beinahe ausgebrannt, da ich, wie in Korea üblich, zu viel gearbeitet hatte. Daher war die Einstellung der Künstler*innen, die ich auf der Ausstellung traf, ziemlich schockierend. Viele der Kunstwerke wirkten für mich ‚unfertig‘, als wären sie einfach ohne jeglichen Feinschliff an die Wand geklebt worden. Doch die Künstler*innen sprachen ungezwungen über ihre Arbeit und schienen einfach den Akt des Schaffens an sich zu genießen. In Korea arbeiten wir stets unter dem Druck „perfekte Arbeit“ abliefern zu müssen. Dieser Kontrast beeindruckte mich umso mehr. Diese Erfahrung, zusammen mit der Erkenntnis, dass „man so auch arbeiten kann“, wurde zu einem Wendepunkt in meiner Herangehensweise an meine eigene Arbeit.

Ein weiterer prägender Aspekt, den ich in Europa erlebte, war die Kultur des Ausruhens. An Feiertagen schlossen die Geschäfte, und die Menschen nahmen sich ganz natürlich Zeit füreinander. Die Art und Weise, wie Feste und Feiertage zum Alltag gehörten, stand in starkem Kontrast zu meinem vorherigen, rastlosen Leben in Korea. Beim Beobachten dieser Tatsache dachte ich zum ersten Mal: „Ah, so zu Leben ist auch in Ordnung!“ Und diese entspannte Haltung scheint meine Arbeit seither zu durchdringen.

Ich gehe meiner Arbeit nach wie vor sorgfältig nach, aber ich hoffe nun, dass sie eher den Eindruck vermittelt, spielerisch mit einem Kind entstanden zu sein, als durch übertriebene Anstrengungen. Wenn Sie meine Bilder und Bücher betrachten, hoffe ich, dass sich die Betrachter etwas entspannter fühlen. Was hat Ihre Arbeit außerdem am meisten beeinflusst?
Die Geburt meines Sohnes hat meine Arbeit komplett verändert. Ich bin Bilderbuchautorin geworden, und alle meine bisher veröffentlichten Bücher sind Geschichten, die ganz natürlich aus dem Prozess des Aufwachsens entstanden sind. Insofern ist mein Kind der Mittelpunkt und Ausgangspunkt meiner Arbeit. Woojin ist mein erster ‚Leser‘, dem ich am meisten zugewandt bin, derjenige, den ich am meisten überzeugen muss und dem ich am meisten zeigen möchte. Alle meine Bücher sind parallel zu Woojins Wachstum und Entwicklung entstanden, und ich bin gespannt, welche Bücher er in Zukunft schreiben wird. Ich glaube, Woojin hat meine Arbeit am meisten beeinflusst.

Ga-Ae © Ga-Ae

Mich würde interessieren, was Sie dazu bewogen hat, sich in der Nähe des Namsan niederzulassen, angesichts der vielen Möglichkeiten die sich doch in einer so riesigen Stadt wie Seoul anbieten. Gab es einen bestimmten Grund?
Die Entscheidung, mein Atelier in Namsan einzurichten, war eher zufällig. Auf der Suche nach einer Wohnung bin ich online auf ein passendes Objekt gestoßen. Es gefiel mir, und bei meinem Besuch entdeckte ich dieses Viertel zum ersten Mal. Obwohl ich lange in Seoul studiert und gelebt habe, kannte ich diese Gegend bisher kaum. Als ich hierherkam, stellte ich fest, dass trotz der zentralen Lage in Seoul seltsamerweise noch die Atmosphäre eines alten Stadtviertels erhalten geblieben war und dass hier viele Familien und Studenten lebten, was dem Ort eine lebendige Atmosphäre verlieh. Auch die Entfernung zur Innenstadt war genau richtig, und vor allem die Tatsache, dass ich den Namsan immer im Blick habe, ist einfach bemerkenswert.

Rückblickend habe ich immer in der Nähe von Bergen gelebt. In Daegu wohnte ich in der Nähe des Apsan-Berges oder des Palgongsan-Berges, und ich glaube, die Umgebung gibt mir ein tieferes Gefühl der Geborgenheit als zum Beispiel ein Leben in der Nähe von Gewässern. Das Gefühl, jederzeit in den Wald oder auf einen Berg hochgehen zu können, und die Geborgenheit, die diese Nähe mit sich bringt, waren ausschlaggebende Faktoren für die Wahl meines Ateliers. Da Sie am Namsan wohnen, würde mich interessieren, ob es einen Ort gibt, den Sie oft besuchen, wenn Sie Inspiration für Ihre Arbeit suchen.
Meine Familie hat tatsächlich einen Lieblingsplatz am Namsan. Wenn man von der Bibliothek in Richtung Namsan Tower geht, findet man am Ende eines Seitenwegs, der selbst nicht ganz bis zum Turm hinaufführt, einen Weiher mit Hynobius Nebulosus Salamandern. Dieses Schutzgebiet für bedrohte Arten bietet die Möglichkeit, Frösche und Salamander beim Laichen und bei ihren Bewegungen aus nächster Nähe zu beobachten. Wenn man den Holzsteg entlang in den Wald geht, hat man das Gefühl, sich in einer ganz anderen Welt zu bewegen, obwohl man mitten in Seoul ist. Man sieht zwar in der Ferne die Umrisse der Stadt, hat aber gleichzeitig das Gefühl, sich mitten im Wald zu befinden. Ich komme oft hierher, wenn ich während der Arbeit eine Verschnaufpause brauche. Es ist mein persönlicher Lieblingsplatz; er schafft einen harmonischen Rhythmus aus Gehen, Ausruhen und anschließender Rückkehr zur kreativen Arbeit.

Für mich ist das wichtigste Kriterium bei der Wahl einer Wohnung, dass sie in der Nähe einer Bibliothek und eines Schwimmbads liegt. In diesem Sinne bin ich sehr glücklich, dass die Namsan-Bibliothek, die Yongsan-Bibliothek und sogar die Bibliothek des Deutschen Kulturzentrums nur fünf Minuten von meiner Wohnung entfernt sind.

Wenn die Arbeit nicht gut vorangeht und ich mich frustriert fühle, gehe ich oft spazieren und besuche den Namdaemun-Markt. Nur einen kurzen Spaziergang vom Namsan-Park entfernt, im Erdgeschoss des Namdaemun Import-Einkaufszentrums, befinden sich alte, traditionsreiche Kunstgeschäfte, die seit etwa 50 Jahren bestehen. Die Räume sind klein und es gibt nicht viele Waren, aber man spürt die Kraft, die dieser Ort ausstrahlt, der seit vielen Jahren besteht.

Im Untergeschoss gibt es wirklich alles, was man sich nur vorstellen kann. Da einige Ladenbesitzer nicht möchten, dass ihr Geschäft in den sozialen Medien bekannt wird, ist es noch nicht sehr bekannt, aber wenn Sie den Namdaemun-Markt besuchen, empfehle ich Ihnen, sich dort einmal umzuschauen.

Gibt es europäische Künstler*innen, die Sie inspiriert haben, oder welche, die Sie besonders hervorheben möchten?
Ich persönlich habe ein Lieblingsbuch, dass ich immer wieder empfehle: „Ente, Tod und Tulpe“ von Wolf Erlbruch, der in Korea durch „Wer hat mir auf den Kopf gemacht?“ bekannt ist. Es ist ein Bilderbuch über den Tod, behandelt das Thema aber auf eine Weise, die weder zu schwermütig noch trivial ist. Ich war tief beeindruckt, wie es den Tod in einem Kinderbuch thematisiert, ohne die Emotionen zu übertreiben oder in Traurigkeit zu verharren. Es schien mir, als hätte es die Essenz eines Bilderbuchs eingefangen, reduziert auf das Wesentliche, und ich habe immer davon geträumt, eines Tages ein solches Buch zu schreiben.

Ente, Tod und Tulpe © Kunstmann Verlag

Diese Frage hat mich dazu angeregt, über die Merkmale deutscher Autore*innen nachzudenken. Ich persönlich finde, dass deutsche Bilderbücher nicht krampfhaft versuchen niedlich zu sein und auch sonst nicht versuchen übertrieben ‚zu wirken‘. Trotzdem sind sie in ihrer Gestaltung und Detailgenauigkeit überraschend feinfühlig. Ich glaube, dieser zurückhaltende Ton erzeugt diese einzigartige Atmosphäre deutscher Bilderbücher.

Unter belgischen Autor*innen schätze ich besonders Kitty Crowther. Ihr Werk „Der kleine Mann und Gott“ hat mich sehr berührt (Französischer Originaltitel: Le petit homme et Dieu, 2010, Text und Illustrationen von Kitty Crowther). Rückblickend habe ich das Gefühl, dass meine Arbeit Bereiche, die wir nicht eindeutig definieren können, wie Tod und Jenseits, noch nicht vollständig erforscht hat. Letztendlich hege ich schon lange den Wunsch, diese Themen – das Jenseits, die unbeschreiblichen Empfindungen und Fragen – mit eigenen Illustrationen und Geschichten in einer kindgerechten Sprache zu erkunden. Vielleicht wird es eine Geschichte, die schon länger in mir schlummert, die ich aber noch nicht vollständig in Worte gefasst habe.

작은 사람과 신 © 논장

Nun, mit Blick auf 2026: Könnten Sie uns etwas über Ihre kommenden Projekte und Pläne erzählen?
Vom 22. Januar bis 1. Februar 2026 findet in der Galerie Come Amico in Seongsan-dong eine kleine Ausstellung von Woojin und mir mit dem Titel „So sieht unsere Liebe aus“ statt. In dieser Ausstellung geht es nicht darum, die Zeichenkünste meines Kindes zu präsentieren, sondern vielmehr darum, zu dokumentieren und zu zeigen, wie Mütter und Kinder durch das Zeichnen Inspiration und Zuneigung austauschen. Das gemeinsame Zeichnen und Teilen sind bereits eine Sprache und ein Zeugnis unserer Beziehung, und ich möchte dem Publikum die Beziehungen, Emotionen und einzigartigen Formen der Liebe näherbringen, die dabei entstehen.

Die Arbeit mit Woojin verläuft ganz natürlich im Alltag. Wenn Woojin beispielsweise eine Szene oder Farbe aus einem Buch oder Bild auswählt, die ihm gefällt, mische ich auf Grundlage dieses Eindrucks Farben zusammen. Woojin füllt dann mit den von mir gemischten Farben ein großes Blatt Papier aus. Manchmal ist das Bild auf einmal fertig, manchmal braucht es mehrere Schichten und etwas Zeit, bis es langsam Gestalt annimmt. Die so entstandenen Blätter werden dann in Stücke geschnitten und fließen in meine Collagen ein. Eine weitere Arbeitsweise besteht darin, dass beispielsweise Woojin ein beeindruckendes Gemälde von Marc Chagall auswählt und wir dann ausgehend von diesem Bild unsere Empfindungen und Emotionen auf unsere jeweils eigene Weise neu interpretieren und in einem gemeinsamen Werk zum Ausdruck bringen. So steht bei unserer Arbeit weniger das Ergebnis im Vordergrund, sondern vielmehr die Zeit und die Beziehung, die wir beim gemeinsamen Betrachten, Auswählen und Schaffen aufbauen.

Ihr Atelier befindet sich ganz in der Nähe des Goethe-Instituts Korea. Waren Sie schon einmal dort?
Es ist ein Ort, den ich oft mit meinem Kind besuche. Zurzeit ist unser Terminkalender sehr voll, daher schaffen wir es nicht mehr so oft wie früher, aber als mein Kind kleiner war, waren wir oft dort. Wie ich bereits erwähnte, hat dieser Ort eine etwas andere Atmosphäre als eine typische koreanische Bibliothek. Ob es an der Ästhetik der Möbel oder am Gesamteindruck des Raumes liegt, ist mir nicht ganz klar, aber wohin man auch blickt, gibt es Elemente, die die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, und es erinnert mich an die behagliche Ästhetik europäischer Bibliotheken.

Auch die Tatsache, dass es ein Ort für Kinder ist, hat mich beeindruckt. Obwohl eine gewisse Ordnung und Rücksichtnahme natürlich notwendig sind, hatte ich das Gefühl, dass die Kinder genügend Raum haben, um sich zu entspannen und zur Ruhe zu kommen. Anstatt Regeln den Vorrang zu geben, scheint die Atmosphäre die Bewegungen und Neugier von Kindern ganz natürlich miteinzuschließen. Das bedeutet nicht, dass man laut sein oder Unruhe stiften darf, aber ich finde es gut, dass Kinder den Raum ohne großen Druck erkunden und sich dort aufhalten können.

Da Brettspiele und verschiedene Medien zur Verfügung stehen, können auch Kinder, die noch nicht lesen können, den Raum genießen. Vielleicht hat mein Kind den Ort deshalb besonders gemocht. Es ist eine Bibliothek, die mir lange in Erinnerung bleiben wird, weil es ein Ort ist, an dem man Sprache, Bilder und Raum mit dem Körper erleben kann, noch bevor man lesen kann.

Projekt-Planung und Interview: Sohee Shin
Künstlerin: Ga-Ae, Collagen-Künstlerin
Bilder: Leslie Klatte, Yoonjung Daw
SNS-Shorts: Yoonjung Da
Deutsche & Englische Übersetzung: STAR Korea AG

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