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Berlinale-Blogger*innen 2021
Ist es möglich, sich in einen Roboter verlieben?

„Ich bin dein Mensch“, Regie Maria Schrader, mit Maren Eggert und Dan Stevens
„Ich bin dein Mensch“, Regie Maria Schrader, mit Maren Eggert und Dan Stevens | Foto (Detail): © Christine Fenzl

Eine Liebesgeschichte zwischen einer Wissenschaftlerin und einem humanoiden Roboter in der romantischen Komödie „Ich bin dein Mensch“ von Maria Schrader.
 

Von Ieva Šukytė

In einer Welt, wo Arbeit über dem Privatleben steht, Menschen sich in ausgedachte Helden von Zeichentrickserien oder Comics verlieben und Sexpuppen zur „Liebe meines Lebens“ werden, ist die Liebe zu einem Roboter nicht mehr so unwahrscheinlich. Die deutsche Schauspielerin und Regisseurin Maria Schrader, die für ihre Regiewerke „Vor der Morgenröte“ (2016) und „Unorthodox“ (2020) in den letzten Jahren bekannt wurde, präsentierte im diesjährigen Berlinale-Wettbewerb die romantische Science-Fiction-Komödie „Ich bin dein Mensch“ (2022). Die Hauptdarstellerin Maren Eggert erhielt dafür den Silbernen Bären. Sandra Hüller verkörpert in diesem Film in einer Nebenrolle die Mitarbeiterin einer Firma, die humanoiden Roboter entwickelt

Die Archäologin Alma (dargestellt von Maren Eggert) arbeitet am berühmten Pergamon-Museum in Berlin. Um Fördermittel für ihre Forschung zu bekommen, erklärt sie sich auf Vorschlag ihres Chefs widerwillig bereit, in Rahmen eines Experimentes drei Wochen lang mit einem humanoiden Roboter Tom (Dan Stevens) zusammenzuleben, der den perfekten Lebenspartner von Alma verkörpern soll. Dank künstlicher Intelligenz (KI) kann er komplizierte Mathematikaufgaben lösen, Gedichte von Rilke zitieren oder berechnen, dass 93 Prozent der Frauen von einem Rosenblütenbad mit einem Glas Sekt und Erdbeeren träumen. Alma gehört jedoch zu den übrigen 7 Prozent der Frauen, die mit derartigen klischeehaften Vorstellungen nichts anfangen können.

Witzige Dialoge von Jan Schomburg und Schrader nach den Motiven der Erzählung von Emma Braslavsky werfen viele Fragen auf: Ist eine solch enge Beziehung zu einem Roboter mit menschlichen Eigenschaften möglich oder ist es so, dass wir einfach nicht mehr fähig sind, von Mensch zu Mensch zu kommunizieren und träumen von einem ohnehin perfekten Lebenspartner? In einer der letzten Filmszenen beklagt sich ein anderer, männlicher Teilnehmer am Experiment, dass er in der Zeit bis er die humanoiden Chloe kennengelernt hat, von anderen eher abgelehnt wurde, und er nicht fähig war, eine intime Beziehung mit einer anderen Person einzugehen. Ist es also möglicherweise nicht verkehrt, zuzulassen, dass ein Roboter dich glücklich machen kann?

Die Beziehung zwischen Mensch und künstlicher Intelligenz ist ein Thema seit Fritz Langs „Metropolis“ (1927). Langs Film hat aber keine Ex Machina-typischen apokalyptischen Visionen, und er stellt kein Fragen nach möglichen Bedrohungen für die Menschlichkeit durch künstliche Intelligenz. Der Roboter Tom kennt kein Angstgefühl, deswegen lässt er sich von einer möglichen Zerstörung oder Umprogrammierung nicht beeindrucken. Damit wird der Widerspruch: künstliche Intelligenz vs. Menschlichkeit vermieden, das in den Filmen ständig thematisiert wird.
 


Die Beziehung zwischen einem Menschen und der künstlichen Intelligenz ist ein Thema seit Erscheinung des Films „Metropolis“ von Fritz Lang – der Film bietet aber keine Ex Machina-typischen apokalyptischen Visionen und stellt kein Risiko für die Menschheit in Frage. Tom kennt kein Angstgefühl, deswegen lässt er sich von einer möglichen Zerstörung oder Umprogrammierung nicht einschüchtern. Damit wird das immer wiederkehrende Problem vermieden, das in den Filmen ständig thematisiert wird.
Jedoch erinnert die Filmsprache eher an die TV-Filme und das Werk passt mit seinen allzu sehr verfeinerten Schauspielerstimmen eher für eine kommerzielle Produktion als für den wichtigsten Berlinale-Wettbewerb. Jedoch kann ein ganz anderer Eindruck entstehen, wenn man den Begriff „Roboter“ in der Filmbeschreibung liest.

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