Theaterautoren Spielräume – die Rolle von Hausautoren an Theatern

Marius von Mayernburg; © Katharina Birus
Marius von Mayernburg | Foto (Ausschnitt): © Katharina Birus

Die deutschsprachigen Theater binden in immer stärkerem Maße Theaterautoren an ihr Haus und der Begriff der Hausautorenschaft hat sich erweitert. Was ein „Writer in Residence“ tatsächlich tut, hängt von seiner eigenen Interessenlage und von den Interessen des Theaters ab.

Friedrich Schiller war wohl der erste Hausautor. Knapp ein Jahr sei er engagiert gewesen und habe für das bescheidene Gehalt von 300 Gulden drei Stücke liefern müssen, so steht es auf der Website der Freunde und Förderer des Nationaltheaters Mannheim. Harte Bedingungen für einen 23-Jährigen, der 1782 aus Stuttgart in das benachbarte Ausland nach Mannheim geflüchtet war und erste Schritte im Theaterbereich wagte. Heute ist das etwas anders. Hausautorenschaften sind in der Regel nicht mehr mit einer expliziten Schreibverpflichtung verknüpft.

Seit die deutschsprachigen Theater verstärkt Autoren für eine begrenzte Zeit an ihr Haus binden, hat sich der Begriff der Hausautorenschaft stark erweitert. Der klassische Fall ist, dass ein Autor in einem bestimmten Zeitraum wie ein Schauspieler oder Regisseur an ein Theater engagiert wird und einen Schreibauftrag hat. Mittlerweile geht es allerdings nicht mehr nur darum. Inzwischen arbeiten Autorinnen und Autoren auf ganz unterschiedliche Art und Weise für das Theater. 1999 etwa holte die Berliner Schaubühne Marius von Mayenburg an das Haus. Daraus resultierte eine enge Zusammenarbeit. Inzwischen hat der „Writer in Residence“ nahezu zehn Stücke für die Schaubühne geschrieben. Vor allem aber arbeitet er als Dramaturg und Regisseur im Theater.

Am eigenen Schreibtisch

Das hat Modellcharakter für die heutige Zeit, muss allerdings nicht zwingend so sein. Wie eine Hausautorenschaft im Einzelfall aussieht, hängt vom jeweiligen „Schreibcharakter“ und der Chemie ab, die sich zwischen Autor und Theater entwickelt. Felicia Zeller zum Beispiel kam ebenfalls 1999 in den Genuss einer Hausautorenschaft. Ort der Handlung war das Theater Rampe in ihrer Geburtsstadt Stuttgart. Damals, sagt sie, sei es für sie wichtig gewesen, dass sie ihre bis dahin geschriebenen Texte testen konnte.

„Es gab Lesungen mit den Schauspielern und es war sehr gut für mich, meine Texte gesprochen zu hören.“ Mehr war nicht nötig. Felicia Zeller zählt zu den Theaterautorinnen, deren Fantasie am eigenen Schreitisch Purzelbäume schlägt. Also zieht es sie im Fall einer Hausautorenschaft nicht so sehr ins Theater. Im Gegenteil. Je weniger sie vom Theaterbetrieb wisse, desto besser sei das für sie. Und: „Als Autorin freut man sich über die kleine Ehre einer Hausautorenschaft und erklärt sich bereit, die Theater zu unterstützen.“

Praktische Theaterabläufe

Hausautorin zu sein, bedeutet für Felicia Zeller: schreiben in den eigenen vier Wänden. Andere dagegen wollen praktische Theaterabläufe kennen lernen. Als der österreichische Autor Ewald Palmetshofer in der Spielzeit 2010/11 Hausautor am Mannheimer Nationaltheater war, arbeitete er dort vor allem in der Dramaturgie und war in die Uraufführung von Philipp Löhles supernova (wie gold entsteht) eingebunden.

Inzwischen gestalten Hausautoren ihre Zeit am jeweiligen Theater mit. Während seiner Zeit am Berliner Maxim Gorki Theater von 2008 bis 2010 schrieb Philipp Löhle unter anderem Prosatexte für die Theaterzeitung. Der Schweizer Autor Reto Finger zum Beispiel lud in der Spielzeit 2006/07 während seiner Mannheimer Hausautorenschaft andere Autoren und Künstler auf die Bühne ein und stellte sie dem Publikum vor.

Der richtige Zeitpunkt

Die neuen Spielräume haben den Vorteil, dass die mit Monatsgagen von 400 bis 700 Euro honorierten Anbindungen der Autoren an die Häuser nicht unbedingt zusätzlichen Schreibdruck erzeugen. Es kann aber auch dazu führen, dass ein Autor im Zeitraum der Hausautorenschaft mit seiner eigentlichen „Kernkompetenz“ nicht in Erscheinung tritt und keine Inszenierung eines seiner Stücke zu sehen ist. Das mag am Spielplan des Theaters oder daran liegen, dass ein Autor im entsprechenden Zeitraum zu viele Schreibaufträge anderer Theater abzuarbeiten hat.

Worauf also wäre zu achten, wenn ein Theater eine Autorin oder einen Autor enger an das Haus binden will? „Auf den richtigen Zeitpunkt und darauf, dass die Hausautorenschaft eine sinnvolle Ergänzung ist. Das gilt sowohl finanziell als auch mit Blick darauf, was ich als Autor vom Theater für das Schreiben lernen kann“, meint Philipp Löhle, der in der Saison 2012/13 Hausautor an dem Theater ist, an dem er inzwischen auch inszeniert.

Nachfolgeinszenierungen

In der Zeit seiner Hausautorenschaft bringt das Staatstheater Mainz ein neues Stück von Löhle zur Uraufführung. Stünde kein neues Stück auf dem Spielplan, so der Autor, sollte es in der Zeit einer Hausautorenschaft zumindest zu Nachfolgeinszenierungen bereits uraufgeführter Stücke kommen. Solch einen Satz hätte wohl auch Schiller unterschrieben, der Mannheim im April 1785 wieder verließ. Zu diesem Zeitpunkt hatte er Die Verschwörung des Fiesco zu Genua sowie Kabale und Liebe geschrieben, am Don Karlos arbeitete er. Seine Verhältnisse waren so prekär, dass er fast im Schuldturm gelandet wäre.