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Nachhaltigkeit
Wo gibt es in Lettland Kreislaufwirtschaft?

Wo gibt es in Lettland Kreislaufwirtschaft?
Wo gibt es in Lettland Kreislaufwirtschaft? | © Colourbox

Bei der Kreislaufwirtschaft geht es darum, seltener neue Dinge zu kaufen, diese länger zu benutzen, sie zu reparieren, wenn sie kaputt gehen, und sie jemand anderem zu geben, wenn man sie nicht mehr braucht. Ganz zum Schluss geht es um Recycling und somit die Gewinnung von Ressourcen für neue Produkte. Doch wie sieht das in der Praxis aus, und finden sich in Lettland Beispiele, die als Teil einer Kreislaufwirtschaft betrachtet werden können?
 

Von Elīna Kolāte

Anfang 2021 führten die Organisation Zero Waste Latvia, der Abfallentsorger ZAOO und das Energieunternehmen AJ Power eine Studie durch, die herausfand, dass nicht verwertbare Abfälle in Abfallcontainern für getrennten Müll landen. Eine genauere Untersuchung zeigte zwar, dass die Menschen zum Beispiel Joghurtbecher sehr sorgfältig sammeln und ausspülen, um diese in der Hoffnung auf Wiederverwertung abzugeben. Doch dies geschieht nicht. Tatsächlich ist nur ein geringer Teil aller Verpackungen derzeit recycelbar, daher ist Recycling nicht als Umweltretter geeignet. Wenn es um das Verpacken geht, so sollte man einfach weniger und länger verwendbare Materialien verwenden. Sowohl in Riga als auch in anderen Städten gibt es Unverpackt- oder „Zero Waste“-Läden, in denen die Shampoo-Flasche wieder aufgefüllt oder genau die richtige Menge Reis für das Abendessen in die eigene Dose oder einen Beutel abgefüllt werden kann. Und auch die guten alten Märkte, auf denen man sich Fleisch, Sahne oder Erdbeeren abwiegen kann, wo und wie viel man will, sind nicht abgeschafft.

Veranstalter*innen in Lettland suchen zunehmend Möglichkeiten, keine Berge benutzter Plastikbecher mehr zu hinterlassen. Eine gute und vielen bereits bekannte Möglichkeit sind Pfandbecher – diese Hartplastikbecher können nach dem Trinken zurückgegeben, gespült und dem oder der nächsten Durstigen angeboten werden. So muss man sich nach der Veranstaltung keine Sorgen über das Aufsammeln von Bechern aus Wiesen, Büschen und dem Meer machen.

Auch der Handel hat den Wunsch der Menschen bemerkt, kein Einwegplastik zu benutzen. Alle sind aufgefordert, sich den Kaffee in den eigenen Thermobecher zu füllen, und mancherorts wird diese Wahl sogar mit einem Rabatt für das Getränk belohnt. Ebenso ist es in Läden mit Lebensmitteltheke schon völlig normal, sich das Kotelett oder den Salat in einen mitgebrachten Behälter packen zu lassen.

Für die einen Müll, für die anderen Ressource

Gute, aber nicht mehr benötigte Dinge an andere abzugeben ist nichts Neues. Besonders verbreitet ist dies zum Beispiel bei Artikeln für Kleinkinder – selten kaufen Eltern ihrem Säugling alles Nötige neu und werfen es danach weg. Die Menschen sind bereit, Dinge abzugeben und anzunehmen. Das trifft sowohl auf die Produktion zu (so dient etwa in der Geflügelhaltung zwangsläufig entstehender Mist anderen als Dünger für ihren Knoblauch) als auch auf den Haushalt. Da ist es gut, dass neue Plattformen entstehen, auf denen die Menschen einfach Dinge tauschen können. Hast du deine Wände gestrichen und willst nun für einige Zeit nichts mehr mit Farben zu tun haben? Im „Brīvbode“ („Umsonstladen“) können Pinsel abgegeben werden, die sich jemand anderes für eine Renovierung nehmen kann. Aber nicht nur Pinsel, sondern auch nicht mehr gebrauchte Spielsachen, Kleidung und andere Dinge, die für andere nützlich sind.

Wie kann man Lebensmittelverschwendung vermeiden?

Etwa ein Drittel aller in der Welt produzierten Lebensmittel werden aus verschiedenen Gründen nicht verzehrt (3). Einer davon: wir kaufen oder bereiten mehr zu, als wir aufessen können. Und manchmal handelt es sich dabei nicht nur um Leichtsinn oder die Unfähigkeit zu rechnen. Eine ganze Aubergine aufzuessen, bevor diese schlecht wird, ist für eine allein lebende Durchschnittsperson (die kein großer Auberginenfan ist) relativ schwierig. Ein Gemeinschaftskühlschrank ist eine Lösung, die zuerst vom Kulturzentrum Kaņepes Kultūras centrs in Riga angeboten wurde. Dann kam die Pandemie, und alles – inklusive des Kühlschranks – musste geschlossen werden. Ein Schülerinnen-Team hat diese Idee weiterentwickelt und mit dem „Food Pick-up point“ ein ganzes Netz gemeinschaftlicher Kühlschränke geschaffen, in denen die einen ihre halbe Aubergine oder andere Produkte lassen können und andere sich diese Lebensmittel nehmen können. Für jeden Kühlschrank gibt es eine zuständige Person, die jeden Tag den Inhalt begutachtet, aufräumt und die nicht mehr zum Verzehr geeigneten Lebensmittel beseitigt. Derzeit gibt es solche Punkte in Ķekava, Ludza, Valmiera und Jelgava.
So sehr man sich bemüht, alles aufzuessen, was man zu Hause hat – etwas wird immer übrig bleiben. In diesem Fall ist selbst kompostieren die beste Lösung. Doch nun bieten Entsorgungsunternehmen in Riga und anderen Städten auch schon getrennte Tonnen für biologisch abbaubare Abfälle an, wie etwa Essensreste, Schalen oder verblühte Blumen. Diese werden industriell kompostiert und der Kompost dann an diejenigen geliefert, die etwas anbauen. So „essen“ beispielsweise Radieschen den Kompost und landen dann wieder auf unserem Teller. Das ist der Ressourcenkreislauf.

Nicht die Sache, sondern der Dienst wird benötigt

Der Trend hin zur Kreislaufwirtschaft bringt auch in Lettland neue Geschäftsmodelle zum Vorschein. Die Menschen beginnen zu verstehen, dass sie nicht die Dinge selbst benötigen, sondern den Dienst, den diese leisten. In einigen Bereichen scheint dies einfach und völlig selbstverständlich. Wenn wir etwa in einer fremden Stadt übernachten, kaufen wir dort kein Haus, sondern mieten uns ein Hotelzimmer. Doch bei genauerem Nachdenken brauchen wir auch nicht das Auto selbst – wir müssen lediglich von Punkt A nach Punkt B gelangen. Und solche Dienstleistungen zu empfangen bieten uns lettische Unternehmen in den letzten Jahren immer mehr Möglichkeiten. Natürlich ist Autovermietung nichts Neues. Doch noch vor Kurzem war diese verbunden mit Planungen, Kautionshinterlegung und Stress, ob das Auto rechtzeitig wieder abgegeben werden kann. Nun kann man sich nach nur wenigen Klicks in einer App – ohne einen Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin des Unternehmens getroffen zu haben – in das Auto setzen, losfahren, und es danach stehen lassen, wo man möchte. Zugegeben, eine ernsthafte Untersuchung des positiven Effekts auf die Umwelt durch diese Art von Verleih in den Jahren 2019 und 2020 würde wahrscheinlich zu keinem eindeutigen Ergebnis führen. Es wäre großartig, wenn die Leute solch eine Dienstleistung als Alternative zu ihrem eigenen Auto nutzten; dann bräuchte nicht jeder ein Auto, sondern es würde eines für viele Personen reichen. Doch wahrscheinlich wird diese Möglichkeit während der Pandemie auch als Alternative zum öffentlichen Nahverkehr gesehen, den man aufgrund der Ansteckungsgefahr vermeiden möchte. Aus Sicht der Umwelt: schlecht. Aus Sicht der Gesundheit: völlig verständlich. Jedenfalls werden sich in dieser Zeit bereits viele Leute an die Möglichkeit gewöhnen, ein Auto für kurze Zeit zu mieten, anstatt dieses zu kaufen, für Parkplätze, Versicherungen und Reparaturen zu bezahlen und sich auf die technische Überprüfung vorzubereiten – nur, um alle paar Tage eine halbe Stunde damit herumzufahren.

Es gibt Kreislaufwirtschaft in Lettland. Die Hauptsache ist, die Augen offen zu halten und zu bemerken, dass häufig die Dinge, die umweltfreundlicher sind, noch weitere Vorteile bringen. Wenn diese Vorteile bemerkt werden, kommt die Wende von allein.
 

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