Hendrik Dorgathen, geboren 1957, gehört zu den eigenständigsten und renommiertesten Comic-Autoren Europas. Nach dem Abitur studierte Dorgathen Kunstpädagogik und Evangelische Theologie in Duisburg, ab 1983 Kommunikationsdesign an der Gesamthochschule Essen. Er zeichnete schon früh Comics, verdiente sein Geld jedoch als Illustrator. Dorgathen liebt die Popkultur, er spielt virtuos mit den offensichtlichen und hintergründigen Bedeutungen ihrer Ikonen und jongliert mit Zitaten und Verweisen auf Comics, Filme, Popmusik und die bildende Kunst. Seine Comics sind vielschichtiger, als es ihre Plakativität vermuten lässt – und ihre Buntheit kann den pessimistischen Grundton nicht kaschieren. 2012 wurde sein Gesamtwerk im Kunstmuseum Mühlheim an der Ruhr präsentiert, eine Ehre, die bislang nur wenigen zeitgenössischen Comic-Künstlern und Illustratoren zuteil wurde. Seit 2003 ist er als Professor für Illustration und Comics an der Kunsthochschule in Kassel tätig.
Anke Feuchtenberger – Surreale Bildwelten
Foto: Julia Steinigeweg Anke Feuchtenberger, geboren 1963 in Ost-Berlin, ist die Grande Dame des deutschen Independent Comics. Ihr Werk ist äußerst facettenreich, es umfasst Gemälde, Zeichnungen, Plakate, Druckgraphiken, Kostüme, Marionetten, Trickfilme und natürlich auch Comics. Ihre frühen Comiczeichnungen sind von kantigen Umrissen dominiert, die in ihrer Gestaltungsart an Holz- und Linolschnittdrucke erinnern. Später verwendete die Künstlerin Kohle oder Bleistift zum Zeichnen. Ihre Erzählungen arbeiten oft mit surrealen Motiven und kryptischen Wortgefügen; zentrale Themen ihrer Arbeit sind Geschlechtlichkeit und Körperlichkeit. Durch ihre Lehrtätigkeit an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, wo sie seit 1997 als Professorin für Illustration tätig ist, prägte und förderte sie eine neue Generation deutscher Illustratoren und Comiczeichner, wie Sascha Hommer, Arne Bellstorf und Birgit Weyhe. Gemeinsam mit Stefano Ricci hat sie den Mami Verlag ins Leben gerufen, wo Geschichten junger Zeichner und Zeichnerinnen publiziert werden.
Flix – Cartoons, Comics, Illustrationen
„Was soll denn an Ihrem Leben interessanter sein, als an dem anderer Leute?“, wurde der Kommunikationsstudent Felix Görmann alias Flix von der Frau vom Prüfungsamt gefragt, als er sein Diplomarbeitsthema „Autobiografie“ anmeldete. Seine Abschlussarbeit Held wurde ein Erfolg und beim Comic-Salon Erlangen 2004 sogar mit dem Max-und-Moritz-Preis ausgezeichnet. Flix, geboren 1976, lebt und arbeitet als freier Illustrator und Comiczeichner in Berlin. Hauptberuflich verdient er sein Geld mit regelmäßigen Zeitungs-Cartoons, darunter die Serien Faust und Don Quijote für die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die inzwischen auch als Buchausgaben vorliegen. Viel positive Resonanz erfuhr der Illustrator, Cartoonist und Comic-Zeichner auch für seine Graphic Novel Da war mal was… zur Geschichte des ehemals geteilten Deutschland, die ebenfalls ursprünglich als Zeitungs-Cartoon erschien (beim Tagesspiegel).
Für Leviathan, seinen fantasievollen und kolossalen Comic-Epos um einen Walfisch, erhielt Jens Harder beim Comic-Salon Erlangen 2004 den Max-und-Moritz-Preis für die beste deutschsprachige Comic-Publikation. An Beta... Civilisations, Part 1, dem zweiten Teil seiner als Trilogie angelegten Evolutionsgeschichte, arbeitete Harder vier Jahre. Hier erzählt er vom Wirken der Menschen, nachdem er im ersten Teil die Entstehung der Erde in vierzehn Milliarden Jahren auf 352 Seiten und 2000 Panels bildgewaltig abhandelte. Im Oeuvre des 1970 geborenen Zeichners finden sich auch zahlreiche liebevoll gestaltete Heft-Publikationen, die aufwendig gedruckt sind und sein Talent für ausgewogene Formen und Farben belegen. Jens Harder studierte Grafik an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee und arbeitet als freier Grafiker und Illustrator in Berlin.
Die Hamburgerin Isabel Kreitz, geboren 1967, gehört zu den ambitioniertesten Comic-Zeichnerinnen Deutschlands. In ihren Comics setzt sie sich sowohl mit dem Phänomen der Jugendkulturen auseinander, als auch mit historischen und politischen Ereignissen der deutschen Geschichte. Ihre Protagonisten bindet sie stets in einen geschichtlichen Kontext ein, meist mit einem lokalen Bezug zu Hamburg; für ihre Comics recherchiert sie akribisch genau die historischen Schauplätze und schafft mit ihrem realistischen Zeichenstil eindrucksvolle und zugleich atmosphärisch dichte Szenerien. Mit ihren Comicadaptionen von Erich-Kästner-Klassikern wie Pünktchen und Anton (2009) oder Emil und die Detektive (2008) wendet sie sich auch an Kinder und Jugendliche. 2002 wurde Isabel Kreitz auf dem 15. Erlanger Comicfestival mit dem Max-und-Moritz-Preis als beste deutsche Zeichnerin geehrt.