Schnelleinstieg:

Direkt zum Inhalt springen (Alt 1)Direkt zur Sekundärnavigation springen (Alt 3)Direkt zur Hauptnavigation springen (Alt 2)

Geschichte
Hirschenhof: Deutsche Kolonie in Lettland

Gemeindehaus mit dem Gedenkstein für die ehemalige deutsche Kolonie Hirschenhof.
© Alexander Welscher

Ende des 18. Jahrhunderts folgten deutsche Auswanderer dem Ruf Katharinas der Großen und suchten ihr Glück in Lettland. Manche Hirschenhofer wurden sogar berühmt.

Von Alexander Welscher

Hirschenhof war einst eine deutsche Bevölkerungsinsel in Lettland. Die rund 100 Kilometer östlich von Riga gelegene Kolonie zählte zwar nie mehr als 2 000 Einwohner. Doch ihre Nachkommenschaft besetzte am Ende der Zarenzeit und in der jungen Republik Lettland der Zwischenkriegszeit anerkannte Positionen in Wirtschaft und Gesellschaft.

Nach dem Regierungsantritt der deutschblütigen Zarin Katharina II. im Jahr 1762 wurde von der russischen Krone eine aktive Einwanderungspolitik betrieben, um neu gewonnene Gebiete durch zuverlässige Untertanen bewirtschaften zu lassen. Mit Kolonistenbriefen holte sie fast 30 000 Deutsche ins Land, die meist an der unteren Wolga angesiedelt wurden.

Eine kleinere Gruppe von gut 300 Menschen aber machte sich auf den Weg an die damalige Westgrenze des Russischen Reiches. Dort wurde die menschenarme Landfläche zweier Krongüter zur Besiedlung freigegeben. Hirschenhof wurde durch 85 Kurpfälzer Familien gegründet – jede davon erhielt etwa 30 Hektar Land.

Die im Lettischen als „Iršu kolonija“ bekannte Siedlung wurde zwar nie die angestrebte bäuerliche Musterkolonie. Dafür aber fassten Nachfahren der Hirschenhofer im Zuge der Industrialisierung in Riga Fuß. Aus ihren Reihen gingen später einige bekannte Persönlichkeiten hervor wie etwa der Komiker Heinz Erhardt oder der Dichter Jewgeni Jewtuschenko.

Nach der Zwangsumsiedlung der Deutschbalten 1939 ließen sich in Hirschenhof vor allem Katholiken aus Latgale nieder, zu Sowjetzeiten wurden dort mehrere Kolchosen eingerichtet. Die Geschichte der einst größten deutschen Kolonie im Baltikum rückte erst nach der erneuten Unabhängigkeit wieder ins lettische Bewusstsein. 1992 wurde ein Gedenkstein vor dem einstigen Gemeindehaus enthüllt, der an die 173 Jahre währende deutsche Präsenz in Hirschenhof erinnert.

Top