Interview Jeļena Šapkova, Zentralbibliothek Latgale

Jeļena Šapkova, Zentralbibliothek Latgale
Foto: Goethe-Institut Riga/ Z.Murovska

„Die Bibliothek ist ein lebendiger Organismus, der mit der Zeit geht“, sagt die Direktorin der Zentralbibliothek Latgale. Im Fokus steht für sie die stetige Erweiterung des eigenen Angebots, um das Potential von Bibliotheken auch in Zukunft für alle verfügbar zu halten.

Auf welchem Weg sind Sie in die Bibliothek gekommen? Wie wurden sie Bibliothekarin?

Ich habe mich bewusst für den Beruf der Bibliothekarin entschieden. Meine Tante, zu der ich immer eine sehr innige Beziehung hatte, arbeitete in der Wissenschaftlichen Zentralbibliothek Daugavpils als Direktorin und ich „lebte“ buchstäblich in der Bibliothek. Breits in der neunten Klasse wusste ich, für welchen Beruf ich mich entscheiden und wo ich studieren würde.

Wenn Sie sich entscheiden müssten, würden Sie eher ein gedrucktes Buch oder ein E-Book lesen? Warum?

Ich weiß nicht, wofür ich mich in 20 Jahren entscheiden würde, aber heute ganz sicher für das traditionelle Buch. E-Books könnte ich unterwegs lesen, aber ich schaue lieber aus dem Fenster und sortiere meine Gedanken.

Wie werden die Bibliothek und der Beruf des Bibliothekars in der Zukunft aussehen?

Ich denke nicht, dass sich die primären Funktionen des Bibliothekars in nächster Zeit drastisch verändern werden, aber die Bibliothek ist ein lebendiger Organismus, der mit der Zeit geht, sein Angebot an Dienstleistungen ununterbrochen erweitert und seine Servicequalität ständig verbessert. In unserer modernen Gesellschaft werden Informationen immer teurer und ich hoffe sehr, dass die Bibliothek auch in Zukunft mit ihrem riesigen Potential offen und erreichbar für alle sein wird.

Wie hat der Prozess der digitalen Veränderungen unsere moderne Gesellschaft beeinflusst?

Der Prozess der digitalen Veränderungen hat unsere Gesellschaft bereits stark beeinflusst und wird es auch in Zukunft tun. Es gibt niemanden, der nicht direkt oder indirekt mit diesen Veränderungen und Neuerungen in Berührung kommt. Ein Teil der Gesellschaft nimmt diese Veränderungen freudig entgegen, aber vielen bereiten sie gewisse Probleme und die Aufgabe der Bibliothek ist es, diesen Menschen so gut wie möglich zu helfen.

Beschreiben Sie bitte, wie sich die Lesegewohnheiten der Menschen verändert haben!

Es ist nur gesetzmäßig, dass sich ebenso wie das Leben auch die Menschen und ihre Lesegewohnheiten verändern. Es freut mich, dass die Menschen noch immer lesen, sich auf neue Bücher freuen und über das Gelesene diskutieren. Die Leser werden anspruchsvoller, kompetenter und die Bibliothekare müssen ihre Wünsche erfüllen können und ihre Interessen kennenlernen. Ein guter Bibliothekar versteht, was der Leser braucht, selbst wenn der Leser selbst nicht weiß, was er möchte.

Welche Dienstleistungen werden in der Bibliothek der Zukunft am bedeutendsten sein?

Ich denke, dass es in naher Zukunft auch weiterhin eine der Hauptaufgaben der öffentlichen Bibliotheken in Lettland bleiben wird, auf verschiedenen Wegen Auskunft zu erteilen.

Was ist Ihrer Meinung nach das beste Marketing für E-Services und digitale Ressourcen?

Das Marketing für E-Services und digitale Ressourcen muss auf staatlicher Ebene strategisch durchdacht, einem breiten Leserkreis verständlich und aktiv sein. Es muss außerdem die Vorteile akzentuieren, die die Nutzer durch diesen Service oder diese Ressourcen erhalten, aber gleichzeitig darf das Marketing nicht aggressiv sein. Das ist meine subjektive Meinung.

Es gibt so viele großartige Bibliotheken auf der Welt. Welche davon ist Ihrer Meinung nach das beste Beispiel für eine gelungene Praxis auf dem Bereich der E-Services und digitalen Ressourcen?

Ja, wirklich, es gibt viele großartige und doch sehr unterschiedliche Bibliotheken auf der Welt, deshalb wäre es nicht korrekt eine oder zwei auszuwählen. Vor einiger Zeit hatte ich zusammen mit einigen Kollegen die Gelegenheit das Zentrum für wissenschaftliche Information und Kommunikation der Universitätsbibliothek Vilnius zu besuchen. Die Emotionen, die wir dort erleben durften, und die professionelle Freude über die Arbeit der litauischen Kollegen geben mir das Recht diese Bibliothek als ein Beispiel für die beste Praxis nicht nur im Umgang mit E-Services und digitalen Ressourcen, sondern auch für ihr Konzept des Leser-Services zu nennen.