Interview Janin Taubert, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz

Janin Taubert, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
Foto: Goethe-Institut Riga/ Z.Murovska

Im Gespräch berichtet die Referentin für Bestandsaufbau über ihre Vision der Bibliothek der Zukunft als Ort des Miteinanders sowie über die Aufgabe des Bibliothekars einen Zugang zu qualitativ hochwertigen und vertrauenswürdigen Informationen sicherzustellen.

Auf welchem Weg sind Sie gerade in die Bibliothek gekommen? Wie wurden sie Bibliothekarin?

Eigentlich bildet meine Kindheit die Verbindung zwischen mir und der Bibliothek. Ich bin in Ostberlin aufgewachsen. Nicht gerade in der Stadtmitte, sondern eher am Stadtrand. Dort war nicht so viel los und es gab wenig sinnvolle Aktivitäten, doch die Bibliothek bot viele Möglichkeiten. Das war der Ort, an dem man andere Kinder und Jugendliche treffen konnte. Ich hatte immer gute Beziehungen zur Bibliothek und später hatte ich die Gelegenheit dort ein Praktikum zu machen. Damals versuchten die Bibliothekare mich zu überreden nicht Informationswissenschaften zu studieren, sie meinten, ich solle etwas Besseres oder Richtiges (Nützliches) studieren. Also entschied ich mich für eine andere Studienrichtung – ich studierte deutsche Literatur, Französisch und Politik und arbeitete als französisch-deutsch und deutsch-französisch Dolmetscherin. Doch eigentlich wollte ich nicht Dolmetscherin werden, deshalb fand ich eine Möglichkeit, wie ich zu meinem ursprünglichen Plan zurückkehren konnte. Jetzt mache ich das, was ich wirklich machen möchte. Es ging über Umwege, aber ich bin zurückgekommen.

Wenn Sie sich entscheiden müssten, würden Sie eher ein gedrucktes Buch oder ein E-Book lesen? Warum?

Ich lese sowohl gedruckte Bücher als auch E-Books. Meine Wahl hängt davon ab, was erhältlich ist. Dabei ist es egal, ob es sich um Belletristik oder wissenschaftliche Literatur handelt. Einmal wollte ich alle Bücher einer bekannten Krimireihe lesen. Und ich wollte sie online als E-Books lesen, doch es gab sie nur in gedruckter Form. Wenn ich zu Hause bin, ist es einfacher gedruckte Bücher zu lesen, doch wenn ich auf Reisen bin, nehme ich immer E-Books mit.

Wie werden die Bibliothek und der Beruf des Bibliothekars in der Zukunft aussehen?

Ich finde, dass sich unser Beruf schon jetzt verändert hat. Unsere Arbeit beschränkt sich jetzt nicht mehr nur mit dem Einkauf und dem physischen Auffinden von Büchern in der Bibliothek. Vielmehr bezieht sie sich nun auch auf die Schaffung einer völlig andersartigen Bibliothek. Wir werden mehr Aufgaben zu erfüllen haben und mehr Eigenschaften benötigen.

Wie hat der Prozess der digitalen Veränderungen unsere moderne Gesellschaft beeinflusst?

Ich denke, dass die Menschen enger miteinander verbunden sind. Sogar in der Wissenschaft. Und es bestehen immer mehr Möglichkeiten sich aktiv einzubringen. Und möglicherweise hat gerade das auch die Autoren und das Angebot der Verlage beeinflusst. Früher hatten Verleger mehr Macht, sie entschieden, in welcher Form Informationen veröffentlicht wurden. Jetzt ist die Verlagsarbeit demokratischer geworden.

Beschreiben Sie bitte, wie sich die Lesegewohnheiten der Menschen verändert haben!

Meiner Meinung nach ist das Lesen fragmentarisch geworden. Es ist fokussierter auf das, was der Leser sucht. Die Menschen lesen eher kurze Absätze. Somit werden Bücher nicht mehr von Anfang bis Ende durchgelesen. Die Ausnahme ist die Belletristik. Ich habe festgestellt, dass die Leser sehr spezifische Interessen haben. Ihre Auswahl treffen sie auf Grundlage dessen, was sie lesen oder recherchieren wollen. Zum Beispiel können sie nur die 10 Seiten eines Buches herunterladen, die ihnen nützlich erscheinen.

Welche Dienstleistungen werden in der Bibliothek der Zukunft am bedeutendsten sein?

Wenn wir die Bibliothek als Raum betrachten, dann werden die Menschen in ihr einen Ort finden, an dem sie sich treffen können. Die Leute gehen gern in die Bibliothek. Deshalb ist es wichtig einen Ort zu schaffen, an dem man gut arbeiten und wo man andere Menschen treffen kann. Zweitens ist es auch wichtig den Lesern zu zeigen, wie sie die Informationen nutzen können: wie man nützliche Informationen von unwichtigen unterscheidet, denn Informationen gibt es viele, besonders in Zeiten der sozialen Medien und aktiven Selbstbeteiligung, wenn Menschen Informationen teilen und schreiben, u.a. auch auf publishing on demand und self-publishing zurückgreifen. Unsere Aufgabe ist es Zugang zu guten und vertrauenswürdigen Informationen zu bieten und sicherzustellen. Zu qualitativen Informationen.

Was ist Ihrer Meinung nach das beste Marketing für E-Services und digitale Ressourcen?

Die besten Marketingideen sind interaktiv – Ideen, die die Möglichkeit bieten einen Überblick zu bekommen, u.a. soziale Netzwerke, sowie ein direkter Zugang zum Inhalt.

Es gibt so viele großartige Bibliotheken auf der Welt. Welche davon ist Ihrer Meinung nach das beste Beispiel für eine gelungene Praxis auf dem Bereich der E-Services und digitalen Ressourcen?

Meiner Meinung nach ist der Urban Mediaspace in Aarhus, Dänemark, ein sehr gutes Beispiel. Sie wurde erst vor kurzem eröffnet, dieses Jahr oder letztes Jahr. Man muss sagen, dass es in Dänemark ein sehr gutes Bibliothekssystem gibt, sie probieren viel Neues aus: Streaming-Dienste, Online E-Books, usw.