Interview
Beats & Barrio mit Dj Mascha

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© Johanna Mascha Gottschalk

Johanna Mascha Gottschalk ist eine in Berlin geborene DJ und Produzentin, die zurzeit in Mexico City lebt. Sie wuchs in einer Musikerfamilie auf und schon ihre Mutter arbeitete in der legendären Bar 25, heute bekannt als Kater Blau. Mascha ist ein junges Newcomer Talent und startete ihre DJ-Karriere vor 6 Jahren. Angefangen beim Auflegen auf illegalen Raves in Berlin mit ihrem Nihil-Kollektiv, ist sie heute der Headliner von Mexico Citys Underground Techno Partys. Sie ist Resident beim Pervert Collective Mx, welches mit seinen Underground-Fetisch-Partys die Szene anfeuert. Mascha hat außerdem noch eine wöchentliche Radioshow „LIEBE“ beim mexikanischem Radio Sender Aire Libre 105.3 fm. Zusammen mit ihrer Freundin & Co-Host Kris Berle sprechen sie hier mit internationalen und lokalen Künstler*innen der elektronischen und nicht elektronischen Musikszene.
 

Mascha hat eine Playlist für Hertzflimmern erstellt, viel Spaß beim hören und lesen!



Wo befindest du dich gerade? (Physisch, Emotional, Mental und Musikalisch)?

Ich befinde mich grade in Berlin, Neukölln in einer super schönen Altbauwohnung, die ich mir mit einer meiner besten Freundinnen teile. Gefühlsmäßig geht es bei mir gerade auf und ab. Ich vermisse mein Leben in Mexiko, welches ich mir erst aufgebaut hatte und ich vermisse es sehr aufzulegen und Musik zu produzieren. Außerdem vermisse ich es mit meinen Freunden zu tanzen, sei es in Berlin, Europa, New York oder Mexiko. Es ist schade zu sehen wie die Kultur & Kunstbranche kaum noch relevant wirkt auf die heutige Covid-19 bedingte Wirtschaft.

Die ganze Event & Musikindustrie ist gerade in einem Pandemie-Schlaf, von dem ich nicht weiß wann er zu Ende sein wird.

Man kann sich auf nichts verlassen und auf nichts einstellen, man kann nur irgendwie weiter machen und die Hoffnung nicht verlieren.
Musikalisch bin ich produktionsmäßig noch in meinen Kinderschuhen. Dieses Jahr habe ich dennoch meinen ersten Track und meine erste EP ‚„CDMX“ mit Indy Nyles im Juli auf seinem Label „Important Jogger“ released. Ich werde mir hier in meiner neuen Wohnung ein kleines Home Studio aufbauen, damit ich mich Winter verziehen kann und Musik machen kann und all diese Erfahrungen und Emotion en in etwas kreatives umwandle.

Wie würdest du dich und deinen Stil beim Auflegen beschreiben?

Ich finde es relativ schwer einen eigenen Stil zu beschreiben, da ich als DJ Musik sammle, die zu jedem meiner Moods passt. Ich würde mich als relativ vielseitig beschreiben. Für ein Club-Set, wo ich eher Techno spiele, ist es mir wichtig eine Reise mit verschiedenen Etappen, Breakouts aber auch monotonem Sound zu kreieren. Verschiedene Rhythmen beschreiben verschiedene Emotionen für mich.
In einem Club- oder Festival-Set tendiere ich zu aufeinander aufbauenden Beats und einem ungefähren Ablauf, wie zum Beispiel Intro (bei dem ich ein Ambient Track bevorzuge), Breakbeat, dann eher alles was zwischen 130-145 BPM liegt, bis hin zum Closingtrack. Ich mag es sehr mit dem BPM zu spielen, aber desto härter und schneller desto mehr mag ich es eigentlich auch.
Ich würde meinen Stil als Techno/ Acidtechno/ Breakbeat/ Industrial bezeichnen, um es jetzt in Genres einzuordnen.

Welcher Beat oder Track darf aktuell in keinem deiner Sets
fehlen?


Ich mag melancholische Endzeitstimmung Tracks, das sind für mich die, die einem ein Lächeln ins Gesicht zaubern, während des Tanzens und einem auch mal eine Pause erlauben, davon ist eigentlich immer einer mit dabei. Aber am allermeisten mag ich 90's, davon spiele ich mindestens immer einen in meinen Sets. Momentan liebe ich die Tracks von Hadone, ich verfolge alle seine Releases seit dem ersten und versuche mindestens einen seiner Tracks mit einzubauen.

Wo hast du zum ersten Mal aufgelegt und wie war die Erfahrung?

Mein erster richtiger Gig war zu dem 18. Geburtstag meiner B2B Partnerin und guten Freundin Calea. Wir haben davor eigentlich immer nur mit meinen Platten zu Hause rumgespielt. Als dann unser erster richtiger Gig stattfand waren wir sehr nervös, aber zum Glück waren wir zu weit und mussten gemeinsam dadurch. Wir hatten uns Outfits zusammengestellt und haben uns Champussys genannt, musikalisch gingen wir von 80's,90's, zu Deephouse und Techno. Der Champagner durfte natürlich nicht fehlen.
 
  • Mascha_Pervert © Johanna Mascha Gottschalk

    Mascha spielte regelmäßig bei der Pervert Partyreihe in Mexiko-City, bei der sie auch Resident DJ ist.

  • Mascha_Pervert_2 © Johanna Mascha Gottschalk

    Mascha beim auflegen.

  • Mascha_Herzflimmern © Johanna Mascha Gottschalk

    Mascha spielte im Oktober 2019 das Warm-up für die Hertzflimmern Partyreihe des Goethe-Institut Mexiko.

  • Mascha_Berlin © Valentin Wedde

    Mascha ist vorerst zurück in ihrer Heimatstadt Berlin gezogen und lebt in ihrem Kiez Kreuzberg/Neukölln

  • Mascha_Berlin_2 © Valentin Wedde

    Mascha ist vorerst zurück in ihrer Heimatstadt Berlin gezogen und lebt in ihrem Kiez Kreuzberg/Neukölln

  • Mascha_Berlin_3 © Valentin Wedde

    Mascha ist vorerst zurück in ihrer Heimatstadt Berlin gezogen und lebt in ihrem Kiez Kreuzberg/Neukölln

Wie beeinflusst deine Umgebung deinen Sound?

Meine Umgebung hat mich seitdem ich klein bin eigentlich schon immer stark beeinflusst, denke ich. Alles und jeder der mich umgibt hat mich auf eine Art beeinflusst. Da ich in Berlin in den 90ern geboren und dann aufgewachsen bin, fand ich bunte, alternative, ausgefallene Leute schon immer inspirierend, genau so war es mit der Musik. Alles was härter und dunkler, monotoner und industrieller war, wurde in den letzten Jahren für mich interessanter.

In den letzten Jahren als ich in Mexiko war, hab ich meine Umgebung als Inspiration wahrgenommen, so ist es auch beim produzieren, alles kann einen beeinflussen, es liegt nur im Auge des Betrachters.

„Dance music ohne dance floor“ wie erlebst du die Covid-19 bedingte Unsicherheit, wie es mit der Zukunft der Clubkultur weitergeht?
 

Viele Personen, die sich der Club & Dance Kultur widmen, stehen weltweit vor nie dagewesenen existenziellen Herausforderungen. Gibt es sinnvolle Hiflsangebote in deinem Land auf die du zurückgreifen kannst? Wo findest du Hilfe in dieser besonderen Krise ?

Diese Krise, in der wir uns gerade befinden, lässt uns Künstler*innen auf jeden Fall sehr ratlos und aussichtslos dastehen. Ich habe Glück in Deutschland geboren und aufgewachsen zu sein, und wir haben als Selbstständige Künstler*innen eine Hilfe von 5000 Euro bekommen oder manche auch eine Soforthilfe. Da haben es viele andere Kreativschaffende im Rest der Welt auf jeden Fall schwerer.

Bester Ratschlag, den du bisher bekommen hast? Welchen Ratschlag würdest du anderen Künstlern*innen, DJ’s und Produzent*innen geben?

Man sollte sich selbst nicht zu sehr unter Druck setzen, jeder hat seinen eigenen Flow.
Nicht zu früh bei Gigs erscheinen, da das nur nervöser macht.
Man muss nicht auf jeder Party bis zum Ende bleiben. Meistens hilft es mir vorher auch zu schlafen, dann duschen und noch was kleines Essen und mit frischer Energie zum Gig zu kommen.

Was stört dich an der elektronischen Musikszene und welchen Herrausforderungen begegnest du?
 


Wo willst du aufjeden Fall noch (einmal) auflegen und warum?

Eins meiner Ziele ist auf jeden Fall einmal im Berghain zu spielen, dort habe ich den Techno lieben gelernt. Ansonsten reizen mich das Dekmantel Festival oder auch der Basement Club in New York sehr. Ich würde super gern aber auch nochmal auf dem Garbicz Festival in Polen auflegen, dass war emotional & Musik technisch einfach voll mein Ding. Festivals sind für mich sowieso einfach eine andere Nummer, draußen mit frischer Luft und in der Natur, da passt für mich alles zusammen.
 

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