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Autor: Thanom Chapakdee
Aus der hitzigen Phra Athit-Straße (Sonnen-Strasse) zum schattigen Ort in der Sathorn-Straße.

Alles begann im Jahr 1975, als ich – der Autor –  die Stadtgrenze von Bangkok überquerte, um Kunst am College of Fine Arts Front Palace (cfa - Schule der Schönen Künste am vorderen Palast) zu studieren. Ganz anders als die bescheidene Schule in meinem Heimatort, galt „cfa“ für mich als inspirierende Lernquelle der Künste und Wissenschaft, die mir, einem armen Anfänger, das Tor der Welt zur Kunst öffnete. Die Innenstadt von Bangkok – die Stadt der Engel und der Residenz des heiligen Juwels Indras – war für mich sehr faszinierend. Im Vergleich zu meinem Heimatstädtchen könnte man sagen, Bangkok sei wie der goldene Himmel und das Städtchen eine unergründbare dunkle Kluft, aus der ich gekommen war. Während im ländlichen Nordosten von Thailand (dem sogenannten „Isaan“) die Dürre herrschte und sich damals in den 1970er Jahren, in der Ära des Kalten Krieges, die kommunistische Propaganda wie ein Lauffeuer verbreitete, war die Stadt der Engel voll von materiellem Wohlstand und Häusern wie Palästen, an denen der Verkehr in schnellem Tempo vorbeizog.

Rund um das Viertel Wang Na und seine Nachbarschaft, die Anlegestelle Tha Phrachan, die Phra Athit-Straße, der Sanam Luang Park und die Ratchadamnoen-Straße, waren die Kunststudenten des College of Fine Arts in Gesellschaft. Damals bot das Stadtviertel vielfältige Lernmöglichkeiten im künstlerischen und kulturellen Bereich: Von Palästen, Tempeln, Kunstgalerien und Museen sowie dem Slum, der sich vom Chanasongkram-Tempel bis zur Khaosan-Straße entlang zog. Nebst dieser kontrastreichen Ästhetik der Stadt, an der ich mich zutiefst erfreute, gab es noch einen anderen ein Ort, den ich regelmäßig besuchte. Dieser war weder eine Kunstgalerie noch ein Nationalmuseum oder Theater, sondern das Goethe-Institut in der Phra Athit-Straße.
 
Von Ende 1967 bis 1977 war das Goethe-Institut in der Phra Athit-Straße (am damaligen Standort) ein Ort des Lernens, der Bildung sowie ein Treffpunkt für Aktivisten. Studenten der Thammasat-Universität, der Silpakorn-Universität, der Chulalongkorn-Universtität sowie Künstler, Denker und Schriftsteller, die sich nach dem Studentenaufstand vom 14. Oktober 1973 für die politische Entwicklung des Landes aktiv engagierten, konnten hier ihre Rechte und Freiheit ausdrücken und entfalten. Produktive Künstler schufen eine Vielfalt neuer Werke. Kulturelle Aktivitäten und  kreative Aktionen wurden in verschiedenen Formen dargestellt. Das Goethe-Institut in der Phra Athit-Straße entwickelte sich zum Treffpunkt vieler Menschen, die herbei strömten wie der Chao Phraya-Fluß. Das Institut im schönen Holzhaus am Ufer des Chao Phraya-Flußes mit seinen zahlreichen Besuchern, war damals ein fruchtbarer Nährboden für Kunst und Kultur, der sich niemals zu erschöpfen schien. Im Institut hatte ich unvergessliche Gelegenheiten, renommierten Künstlern wie Thawan Duchanee und Pratuang Emjaroen zu begegnen. (Viele Jahre später wurden beide mit der Auszeichnung des Thailändischen Nationalkünstlers geehrt). Hier konnte ich Kulturveranstaltungen, Filme, Theaterstücke aus Deutschland oder Kunstausstellungen besuchen, von denen man nur träumen konnte. Nennenswert war auch die Bibliothek des Goethe-Instituts – für mich ein wertvoller Schatz, aus dem ich Wissen schöpfte. Leider musste ich mich mit den Bildern begnügen, die in den Kunstbilderbüchern dargestellt waren, weil ich nicht über deutsche Sprachkenntnisse verfügte. Doch dies genügte mir, um durch die Kraft meiner visuellen Wahrnehmung die Chronik der Kunstgeschichte bis heute in meinem Kopf zu speichern. Auch wenn ich die deutsche Sprache nicht verstehe, so weiß ich dennoch über Goethe – den weltberühmten deutschen Philosophen, dessen Namen das Goethe-Institut seit seiner Gründung – Bescheid.
 
In meinen jungen Jahren war meine Neugier groß und es machte mir Spaß, mich zu engagieren. Einmal engagierte ich mich als Freiwilliger in einer Theatergruppe, die das Kindertheaterstück “Muknog-Kinder!” vom deutschen Bühnenautor Rainer Hachfeld aufführte, welches das Thema Kinderfreiheit behandelte. Kindesmissbrauch, Machtausübung und Gewaltanwendung gegenüber Kindern durch Erwachsene, wurden in dieser Inszenierung aufgegriffen. Traurig nahm ich so den Missbrauch und Freiheitsraub gegenüber Schwächeren und Chancenlosen wahr.
 
Nach dem Freiwilligeneinsatz im Kindertheaterstück “Muknog-Kinder!” entstand ein Abstand zwischen mir und dem Goethe-Institut aufgrund meiner beruflichen Tätigkeiten. In der Zwischenzeit zog das Institut in die Sathorn-Straße. Schließlich verkehrte ich wieder im Institut, diesmal an seinem neuen Standort. Damals ging es um die Zusammenarbeit im Projekt “Yuen Ban Lan Silapin” (Tag des offenen Ateliers / Let’s Visit Artist Home), das in der Amtszeit der Institutsleiterin Katharina von Ruckteschell lanciert wurde. “Yuen Ban Lan Silapin” galt als das erste Pilotprojekt dieser Art in Thailand, zu dem renommierte thailändische Künstler ihre Ateliers und Studios öffneten. Kunstinteressierte waren herzlich dazu eingeladen, die Künstler und deren Schaffen näher kennenzulernen. Damit wurden die Beziehungen zwischen Publikum und Künstlern so eng geknüpft wie nie zuvor. Der erste Besuch fand im Atelier der Künstler Panya Vijinthanasarn und Sompob Budraj statt. Der zweite Besuch galt der Residenz des Künstlers Pratuang Emjaroen. Der dritte Besuch fand im Haus des Künstlers Chuang Moolpinit statt. Diese Aktion wurde alle ein bis zwei Monate durchgeführt. Ein weiteres Projekt, das Performance Art Festival, fand gleichzeitig mit dem “Tag der offenen Tür im Goethe-Institut” gegen Jahresende statt.
 
Das Goethe-Institut Bangkok verkörpert eine Oase der Kunst und Kultur, einen Raum als zentralen Treffpunkt für zwischenmenschlichen Austausch. Es fördert soziokulturelle Interaktion und Bildung und löscht damit den Durst nach Wissen. In hitzigen Zeiten bietet es Zuflucht für Kunst und Kultur. Bis heute behauptet das Goethe-Institut optimistisch diese Prinzipien, als wäre es die Morgensonne, die durch ihre Kraft Kunst und Kultur in Bewegung hält. Somit erfüllt das Institut ihre Mission.

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