De KLOFFIE Markt Der „Slow Fashion“-Laufsteg

Freya Roski (rechts) und Debbie Yard.
© ROSKI YARD

Im engeren Sinne handelt es sich beim De KLOFFIE Markt in Amsterdam eindeutig um einen Flohmarkt und doch ist er „irgendwie anders“. Die Gründerin Freya Roski und ihre niederländische Partnerin Debbie Yard versuchen über diese Plattform, der Verschwendung durch schnelllebige Modetrends und dem blinden Konsum Widerstand entgegenzusetzen.

Roski hat schon im Alter von vierzehn Jahren angefangen, gebrauchte Designerkleidung und antiquarische Kleidung zu sammeln, darunter Chanel und Louis Vuitton. Doch normalerweise zieht sie sie nicht an. Aus ihrer Sicht geht es um eine bestimmte Art, sich die Geschichte dieser schönen Kleider zu eigen zu machen, um die Vermittlung eines Gefühls. Was ihr unvergesslich ist, ist die Erinnerung daran, als sie den Lanvin-Mantel mit hochgezogenen Schulterpartien fand, den die ehemalige Pariser Redakteurin von Vogue, Carine Roitfeld, bei einer Show getragen hatte - sie war ganz außer sich vor Aufregung.
 
Wie kann sich ein Mädchen das Sammeln von Markenklamotten eigentlich leisten? „Die waren gar nicht teuer,“ sagt Roski, „damals wollte nur niemand Kleidung aus zweiter Hand haben.“ Zwar sind diese erstklassigen Markenartikel sehr teuer, aber sobald sie einmal in Gebrauch waren, verlieren sie rapide an Wert - zumindest war das so, als sie mit dem Sammeln anfing. Vor der Finanzkrise kaufte sie einem Herrn eine ganze Reihe von Chanel-Taschen ab, die dessen Frau nicht mehr haben wollte.
 
„Ich denke, ‚Slow Fashion‘ lag mir schon immer“, sagt dieses aus der kleinen Stadt Überlingen am Bodensee stammende deutsche Mädchen, die in jetzt in den Niederlanden den trendigen Gebrauchtklamottenladen De KLOFFIE ins Leben gerufen hat.

Der modischste aller Flohmärkte

Das mit schwarzen Spitzen besetzte einteilige lange Kleid aus Deutschland mit 50 Jahren Geschichte, das Samtkleid von Bellville Sassoon aus den 1980er Jahren, die gebrauchte Jacke aus weicher Wolle von Vivienne Westwood oder die Destroyed Jeans von GUCCI... Alle beim De KLOFFIE Markt zum Verkauf angebotenen Kleider kommen von Marken der mittleren und oberen Preisklasse oder sind Einzelstücke von Designern. Und sie haben schon mal jemand anderem gehört. Sie sind jetzt entweder sorgfältig zusammengefaltet oder hängen griffbereit am Kleiderständer.
De KLOFFIE Markt Foto: Chris Dijksterhuis © De KLOFFIE Markt Wenn man sich in dem Markt bewegt, kommt man sich wie in einem exklusiven Designerladen vor und nicht wie in einem Flohmarkt, in dem man sich durch Berge von alten Sachen wühlen muss, um ein „gutes Stück“ zu finden.
 
Was die Besucher dabei erstaunt, ist, dass das Angebot des De KLOFFIE Markts tatsächlich zu Flohmarktpreisen erhältlich ist, ob es sich nun um Prada, Miu Miu oder Alexander Wang handelt. Alle Preise bewegen sich zwischen 10 und 200 Euro (zwischen 348 und 6970 NT).
 
„Ich finde, eine gebrauchte Prada-Jacke ist immer noch viel schöner als eine neue Billigjacke,“ sagt Roski, „und es gibt schon so viele schöne Sachen auf der Welt, da muss man nicht immer etwas Neues kaufen.“
 
Roski lebte als Kind im Stuttgarter Raum und später an verschiedenen Orten in Deutschland, bevor sie nach Amsterdam ging, um Modemanagement zu studieren. Dort lernte sie auch ihre enge Freundin und Kreativpartnerin Debbie Yard kennen. Die beiden verstanden sich auf Anhieb, da sie beide „erfahrene“ Sammlerinnen ausrangierter Mode waren, die schon als Jugendliche damit angefangen hatten. Roski sammelte Frauenkleider, während sich Yard auf Männerkleider konzentrierte.
 
Im Jahr 2015 gründete Roski gemeinsam mit Yard ihre Marke ROSKI YARD und sie designten ein Kleidungsstück, das das Konzept der beiden widerspiegelt. Sie nannten es „Traveling Suit“, ein einteiliger Hosenanzug, der sowohl Elemente von Frauenmode als auch von Männermode aufgriff und auch etwas von Arbeitskleidung hatte.
 
Die Macht der Frauen, das ist es, was Roski und Yard zum Ausdruck bringen möchten. Sie starteten die „Traveling Suit“-Bewegung, wozu sie Frauen aus der ganzen Welt dazu einluden, dieses Kleidungsstück einen ganzen Tag lang zu tragen und mit der Kamera und mit schriftlichen Notizen ihre Erfahrungen damit zu dokumentieren. Unter den Teilnehmerinnen waren von 14-Jährigen bis 72-Jährigen alles dabei, die damit die Macht zeigen wollten, die von Frauen aus aller Welt ausgeht, wenn sie zusammenstehen.
 
2016 verlegten sie ihr Geschäft von Berlin nach Amsterdam, wobei gleichzeitig der De KLOFFIE Markt entstand. Ihre Ursprungsidee war ganz einfach: sie hatten im Laufe vieler Jahre so viel ausrangierte Mode gesammelt und fanden keine geeignete Plattform, um sich mit Gleichgesinnten auszutauschen oder um zu einem angemessenen Preis mit hochqualitativer gebrauchter Ware zu handeln.

Die Lebensdauer wertvoller Kleidung verlängern

Den Deutschen liegt der Flohmarkt im Blut, doch Roski und Yard verfolgen ein ganz anderes Konzept: sie akzeptieren nur Kleidung von Marken der mittleren und hohen Preislage oder antiquarische Kleidung, Kleidung schnelllebiger Modemarken wie Primark oder H&M lehnen sie ab. Um die Atmosphäre eines exklusiven Ladens zu schaffen, die der Positionierung der Produkte entspricht, verlangen sie von den beteiligten Verkäufern, dass sie das Feeling eines Verkaufsstands beibehalten.
 
Interessant dabei ist, dass der Name des Marktes „Kloffie“ ein altes Amsterdamer Slangwort ist und „wertlose alte Klamotten“ bedeutet, auch nicht alle Niederländer kennen dieses Wort. „Auf Deutsch würde man ‚Klamotten‘ dazu sagen,“ sagt Roski. „Natürlich ist das auch scherzhaft gemeint. Zwar verkaufen wir tatsächlich alte Kleider, allerdings sehr kostbare und wertvolle Kleider.“

De KLOFFIE Markt Foto: Chris Dijksterhuis © De KLOFFIE Markt Wenn man sie fragt, wie sie über die preislichen Abstufungen entscheidet, so antwortet Roski, sie hofften, möglichst viele Leute für diese Bewegung der „Slow Fashion“ gewinnen zu können, daher müssten die Preise attraktiv sein. Tatsächlich hat sie selbst dabei eine ganze Reihe persönlicher Schätze gefunden.
 
„Es ist völlig verrückt,“ sagt Roski laut lachend, „einen Prada-Mantel, der ursprünglich mindestens 1200 Euro gekostet hat, habe ich für 20 Euro gekauft. Sie hat auch noch eine Gucci-Jacke von vor fünfzehn bis zwanzig Jahren gefunden, die sie nur 15 Euro gekostet hat.
 
Drei Jahre sind vergangen und der De KLOFFIE Markt hat sich von einem Markt für exklusive Second-Hand-Kleider weiterentwickelt zu einer Bewegung, die viele Menschen berührt. Nicht nur haben sich viele Menschen dieser Bewegung angeschlossen, die etwas für die Umwelt tun möchten; durch die Weitergabe dieser Mode, die mit Erinnerungen verknüpft ist, werden auch Geschichten erzählt. Den Verkäufern geht es nicht nur um das Verkaufen an sich, sondern sie suchen auch Käufer, die diese Kleider wirklich wertschätzen und Freude daran haben, denen sie die damit verbundenen Gefühle und Erinnerungen weitergeben können.
De KLOFFIE Markt Foto: Chris Dijksterhuis © De KLOFFIE Markt Gebrauchte Kleider wurden früher als wertloser Bettel abgetan, doch aufgrund mehrerer Faktoren wie der Finanzkrise, der Globalisierung und dem Klimawandel ist den Menschen mehr und mehr der Wert gebrauchter Kleidung bewusst geworden. Nach dem Aufkommen von „Fast Fashion“ trauern sie den Zeiten davor nach, als hohe Qualität noch etwas galt und für die sie nun auch immer mehr bereit sind, etwas auszugeben.
 
Roski betont dabei, „Slow Fashion“ bedeute nicht, dass man „nur noch gebrauchte Kleidung kauft“, auch sie kaufe neue Sachen. Doch sei sie dabei sehr wählerisch und folge streng der Devise „Buy less, choose well“. Bevor sie zugreift, überlege sie hin und her: Ist das wirklich etwas Besonderes? Brauche ich das eigentlich wirklich?
 
„Wenn man sich das eigene Konsumverhalten klargemacht hat und welche Auswirkungen das auf die Welt hat, ist es schon ein gutes Zeichen,“ erläutert Roski ihr Verständnis von „Slow Fashion“. „Wenn du etwas Neues kaufen willst, dann kaufe es! Genieße dein neu gekauftes Produkt und genieße dein Leben.“
De KLOFFIE Markt Foto: Chris Dijksterhuis © De KLOFFIE Markt

Von Berlin nach Amsterdam

Auf ihre Zusammenarbeit mit der Niederländerin Yard angesprochen, spricht Roski von den von ihr beobachteten kulturellen Unterschieden.
 
„Die meisten Leute denken wohl, dass die deutsche und niederländische Kultur sich sehr ähnlich sind, doch tatsächlich sind sie sehr unterschiedlich.“ Roski weist darauf hin, dass die Deutschen dafür bekannt seien, pünktlich und genau zu sein. Wenn für 9 Uhr eine Sitzung angesetzt ist, dann muss man auch um 9 Uhr erscheinen. Die Niederländer lassen sich dagegen 10 bis 15 Minuten Zeit. Die Deutschen halten sich gewöhnlich an Vorschriften und behördliche Regelungen (Berlin sei eine Ausnahme, sagt sie). Die Niederländer folgten dagegen lediglich ihrem eigenen Willen und leisteten der Regierung häufig Widerstand, sie scherten sich auch nicht um Anordnungen der Polizei.
 
Die Marke ROSKI YARD ist in Berlin entstanden, aber später nach Amsterdam umgezogen. Roski erklärt, dass sie die Kreativität in Berlin liebten und sehr glücklich darüber seien, in Berlin Menschen aus aller Welt kennengelernt zu haben. Allerdings habe sie das Gefühl, dass es schwierig sei, in Berlin „etwas Dauerhaftes“ zu schaffen.
 
„Die Cafés an der Ecke wechseln dauernd. Wir hatten das Gefühl, dass wir kaum in der Lage sein würden, in Berlin einen langfristigen Betrieb aufzubauen, noch dazu im Modebereich,“ sagt sie. Schließlich beschlossen sie, sich in Amsterdam niederzulassen, ebenfalls eine sehr offene und vielfältige internationale Stadt, nicht weit von London entfernt und doch auch in der Nähe ihrer Heimat.

„Die Deutschen sind in der Tat nicht sehr modebewusst,“ sagt Roski lachend, „doch mögen die Deutschen hochqualitative Produkte sehr und sie pflegen sie auch gewissenhaft.“