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Deutsche Serien in Nordamerika
Maxton Hall – Die Welt zwischen uns

Schlüsselmotiv der Amazon Prime Serie Maxton Hall - Die Welt zwischen uns. Ruby (Harriet Herbig-Matten) und James (Damian Hardung)
Schlüsselmotiv der Amazon Prime Serie Maxton Hall - Die Welt zwischen uns. | © Amazon MGM Studios, Foto: Stefan Rabold

Deutschland ist nun wirklich nicht als Hochburg alberner romantischer Dramedys bekannt, aber diese Amazon Prime Serie bringt weltweit Herzen zum Schmelzen. „Maxton Hall – The World Between Us“ erzählt von zwei vom Schicksal gekreuzten Liebenden an einer britischen Elite Schule. Schaut man genauer hin, wird klar, warum Maxton Hall so süchtig macht und warum man sich diesem guilty pleasure nur allzu gern hingibt.

Die Prämisse ist so simpel wie wirkungsvoll: Ruby Bell, 17, hübsch, ehrgeizig und bekennender Bücherwurm, braucht noch ein einziges Empfehlungsschreiben, um sich an ihrer Traum Uni zu bewerben: der University of Oxford. Es ist ihr Ticket raus aus Gormsy, dem verschlafenen britischen Nest vor den Toren Londons, wo sie mit ihrer herrlich schrägen Schwester und ihren Eltern lebt, die eine kleine Bäckerei betreiben und finanziell ständig auf Kante genäht sind.
Ihr Plan bis zum Abschluss: an der renommierten Maxton Hall bloß nicht auffallen. Dank Stipendium ist sie ohnehin ein Exot, denn ohne Familienvermögen bleibt man unter den reichen Mitschüler:innen praktisch unsichtbar. Doch dann platzt Ruby in eine Situation, die sie lieber nicht gesehen hätte: Ihr Lieblingslehrer küsst eine Mitschülerin. Prompt gerät sie ins Visier einer der mächtigsten und reichsten Familien des Landes – der Beauforts, Besitzer eines Luxusmode-Imperiums. 

Deren ältester Sohn James, blond, Lacrosse-Spieler, mit Treuhandfonds statt Persönlichkeit und den geschniegeltsten Bauchmuskeln seit Ryan Gosling’s Sixpack in Crazy, Stupid, Love, versucht kurzerhand, sich ihr Schweigen zu erkaufen.
Als er dabei ernsthaft Rubys Chancen auf Oxford gefährdet, geht sie auf Konfrontationskurs. Und die Serie schaltet in den höchsten Gang der romantischen Erzählkunst: das wohl saftigste aller Tropen – zwei Menschen, die sich abgrundtief hassen und nun gezwungen sind, viel Zeit auf engstem Raum miteinander zu verbringen.
Die Tür zu zwölf Folgen voller großer Liebe, großem Drama und noch größeren Gefühlen ist geöffnet. Maxton Hall bewegt sich irgendwo zwischen Märchen und Seifenoper: Aschenputtel trifft Gossip Girl mit einem Spritzer Bridgerton und wurde so zum internationalen Hit für Amazon Prime. Überrascht?

Warum sehnen sich Menschen weltweit nach Romantik „Made in Germany“?

Deutschland gilt nicht gerade als verlässlicher Lieferant kitschiger, schaumiger Romantikformate. Doch Maxton Hall ist Teil eines kulturellen Trends, der vor allem weibliche Zuschauerinnen zwischen etwa 13 und 39 Jahren verzaubert: Romance-Geschichten über unterschätzte junge Frauen, die über sich hinauswachsen, durch Integrität und Können die Liebe finden und ganz nebenbei Familie und Umfeld retten.

Dieses Segment wächst rasant, befeuert vor allem durch TikTok, wo Leser:innen ihre Lieblingsbücher bewerten und kollektiv über fiktive Paare schluchzen. Amazon Prime setzt stark auf dieses Genre und adaptiert lokale wie globale Fanlieblinge. Bei der Adaption der Bücher in drei Staffeln von The Summer I Turned Pretty, einer weiteren Jugend-Liebesgeschichte über ein Mädchen, das sich zwischen zwei Brüdern entscheiden muss, war das Publikum weltweit auf Watchpartys vereint, das ist harte Währung im Streaming-Zeitalter. Außerdem arbeitet Amazon an der Adaption des Phänomens Fourth Wing, einem der größten Romantasy-Hits der letzten Jahre.
Maxton Hall ist der deutsche Beitrag in diesem globalen Ökosystem und passt perfekt ins Erfolgsrezept. Die Serie basiert auf der extrem populären Buchreihe Save Me der 33-jährigen deutschen Autorin Mona Kasten. Die Drehbücher übersetzen das Material in eine schillernde TV-Version und bleiben dabei Kastens einfachen, aber wirkungsvollen Archetypen treu: Ruby, das pflichtbewusste Musterkind aus armen Verhältnissen, mit mehr Rückgrat, als ihr guttut. James, der populäre Rabauken-Prinz, vom Vater gequält, rebellierend gegen die Fesseln seines goldenen Käfigs.

In einer Welt, die längst zur großen Grauzone geworden ist, verhandelt die Serie Themen wie Erwachsenwerden, Klasse, soziale Ungleichheit und Integrität, eingebettet in den wohlig abgeschotteten Mikrokosmos eines Schlossinternats. Reich gegen arm, gut gegen böse, der Löwe verliebt sich ins Lamm. Dazu ein unverdorbener Glaube an die wahre Liebe, sonst eher Teenagern vorbehalten.

Albern? Ja. Aber auch höchst unterhaltsam – vorausgesetzt, man schaltet den inneren Realitätsprüfer aus und akzeptiert die Spielregeln des Genres. Wenn aus Feinden Liebende werden, zieht die Serie wirklich alle Register. Ruby und James müssen für eine Benefizgala viktorianische Ballkleider anprobieren? Lächerlich. Der unvermeidliche Kleider-Reveal? Genre-Gold. James rettet Ruby auf einer Party aus dem Pool? Voll drüber. Dass sie ihm später im Auto von einem traumatischen Kindheitserlebnis erzählt? Ein echter Moment in der Entwicklung der Charaktere.

Schule, Uniformen, Partys, absurde Regeln

Maxton Hall ist Fantasy ohne Drachen. Ein begrenzter Ort als Eskapismus-Maschine. Genau deshalb funktioniert die Serie auch international: nahbar genug zum Andocken, neutral genug als Projektionsfläche für universelle Sehnsüchte.

Am wichtigsten: Maxton Hall weiß ganz genau, was es ist. Die Serie nimmt ihr Publikum und ihre jungen Figuren ernst. Sie will die Romantik nicht neu erfinden, sondern feiert genüsslich die beliebten Tropen aus Romanen und Filmen. Buch und Schauspiel haben dabei oft eine Ernsthaftigkeit, die sich erstaunlich ehrlich anfühlt, so wie das Teenagerleben selbst, in dem jede Emotion maximal und alles immer existenziell ist.
„Lass uns zusammen abhauen.“ – „Wohin?“ „Wohin du willst. Komm um fünf ins Café, dann reden wir über alles.“
Manche Dialoge klingen dabei so, wie sich mittelalte Männer vorstellen, dass junge Mädchen reden. So wenn Ruby ihren Vater im Streit anblafft: „Ich will dir einfach mal die Tür vor der Nase zuschlagen wie ein normaler Teenager.“ Ein Satz, den garantiert noch keine 17-Jährige je gesagt hat. Doch all das verzeiht man schnell, sobald die beiden Hauptdarsteller gemeinsam auf dem Bildschirm sind. Ihre Chemie trägt die Geschichte, wobei Harriet Herbig-Matten (Ruby) Damian Hardung (James) souverän durch die schwierigeren Szenen manövriert. Beide sind inzwischen Fanlieblinge mit riesigen Social-Media-Gefolgschaften und rutschen regelmäßig in die düsteren Ecken des Promi-Klatschs ab. Dass Fans sogar über eine Romanze abseits der Kamera spekulieren, spricht Bände über ihre Leinwandchemie.
Amazon Prime Video Deutschland
Das Enemies-to-Lovers-Narrativ hat schon bei Elizabeth Bennet und Mr. Darcy funktioniert – und sogar bei Prinzessin Leia und Han Solo. Und auch wenn Maxton Hall weder Pride and Prejudice noch Star Wars ist, glaubt die Serie an die Liebe. Und das ist in dieser Welt immerhin hoffnungsvoll – wenn nicht sogar ein wenig rebellisch.

Maxton Hall
2 Staffeln à 6 Episoden (2024–2025), die dritte und letzte Staffel erscheint Ende 2026.
Cast: Damian Hardung, Harriet Herbig-Matten, Ben Felipe, Fedja van Huêt, Runa Greiner, Justus Riesner, Andrea Guo
Regie: Martin Schreier
Produktion: Markus Brunnemann, Ceylan Yildirim, Valentin Debler (UFA Fiction)

Sehen sie Maxton Hall
Weltweit auf Amazon Prime Video

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