|

18:30 Uhr

"Wer kauft, wer verkauft?" - Traditionelle Märkte & Globalisierung

Diskussion|Im Rahmen von "re-tellme 2025"

  • Goethe-Institut Hanoi, Hanoi

  • Sprache Vietnamesisch, Englsich
  • Preis Kostenlose Anmeldung zur Teilnahme

HAN 20250903 1500 © Goethe-Institut Hanoi

HAN 20250903 7300 © Goethe-Institut Hanoi

Märkte sind ein wesentlicher Bestandteil in der Alltagsgestaltung von Gemeinschaften – nicht nur als Orte des Handels, sondern auch als Räume für tägliche soziale Begegnung. In Vietnam sind Märkte seit Langem eine Form wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Praxis, die von Kolonialisierung und Industrialisierung geprägt wurde. Trotz erheblicher Auswirkungen dieser beiden Entwicklungen und der Konkurrenz neuerer Formen des Warenhandels, des Lebensmittelkonsums sowie neuer Kommunikationsformen bestehen Märkte weiterhin und behalten eine wichtige Rolle im sozialen Alltag.
 
Diese Diskussion beleuchtet die Rolle traditioneller Märkte im heutigen Leben. Im Mittelpunkt sollen die Erfahrungen jüngerer Menschen mit Märkten stehen sowie die Frage, wie traditionelle Märkte besser auf deren Bedürfnisse eingehen können. Mit Expert*innen aus Deutschland und Vietnam eröffnet die Veranstaltung ein Austauschformat und lädt zu Reflektionen des Publikums über die Geschichte und die Funktion von Märkten ein, über ihre ökonomisch-soziale Bedeutung sowie ihre kulturelle Dimension.
 
Ausgehend von der Frage „Wer kauft, wer verkauft?“ spannt die Diskussion den Bogen von den historischen Entwicklungen der Märkte bis in die Gegenwart: eine Ära des Postkolonialismus und der Globalisierung, in der traditionelle Handelsformen tiefgreifend unter dem Einfluss von Supermärkten, Convenience Stores und digitalen Plattformen stehen – für Einkauf und Lieferdienste.
 
Zu den vietnamesischen Referent*innen zählen die Architektin Chu Kim Đức – Mitbegründerin von Think Playgrounds – sowie die assoziierte Professorin und Architektin Dr. Nguyễn Hồng Thục – Dozentin und Stadtforscherin –, die ihre Erfahrungen und Visionen für Marktmodelle vorstellen und wie diese sich harmonisch in dynamische, gegenwärtige Stadtgeographien einfügen können. Aus Berlin präsentiert Dr. Eduard Kögel – Kurator, Architekt, Architekturforscher und Universitätsdozent – Erkenntnisse aus seinen Studien und zieht Lehren aus Marktmodellen in Deutschland und ganz Asien. Der Schriftsteller Nguyễn Trương Quý, der zu Hanoi forscht und schreibt, übernimmt die Moderation.

Referent*innen

  • Die Architektin Chu Kim Đức ist Mitbegründerin und Koordinatorin von Think Playgrounds – einer sozialen Organisation, die sich der Förderung des Rechts auf Spiel für Kinder in Vietnam widmet. Sie hat in Frankreich einen Masterabschluss in Garten-, Landschafts- und Kulturerbegeschichte erworben. 2014 gründete sie gemeinsam mit Kolleg:innen Think Playgrounds und begann mit der Gestaltung sicherer, kreativer und offener Spielplätze aus recycelten Materialien. Bis heute hat die Gruppe über 200 Gemeinschaftsspielplätze in ganz Vietnam geschaffen, darunter bedeutende Projekte in Hội An wie den Spielplatz Tràng Kèo und den Cửa Đại Eco Park.

    Chu Kim Đức setzt sich für Spielplatzmodelle ein, die ökologische Bildung, kulturelle Werte und nachhaltige Entwicklung verbinden. Alle Spielplätze sind umweltfreundlich konzipiert und inklusiv für Kinder unterschiedlicher Herkunft und Fähigkeiten. 2020 wurde sie von der BBC als eine der 100 inspirierendsten Frauen weltweit ausgezeichnet. Sie engagiert sich weiterhin für öffentliche Spielplätze als wichtigen Bestandteil einer ganzheitlichen Entwicklung vietnamesischer Kinder.

    Think Playgrounds (TPG), gegründet 2014, ist ein Sozialunternehmen, das sich auf die Planung und den Bau nachhaltiger, kinderfreundlicher öffentlicher Räume und Spielplätze in ganz Vietnam spezialisiert hat. Ende 2024 hatte TPG an mehr als 270 Spielplätzen und öffentlichen Räumen mitgearbeitet, darunter über 20 inklusive Spielplätze. Außerdem werden 50 % der Gewinne aus dem kommerziellen Bereich von TPG reinvestiert, um öffentliche Spielplätze zu erhalten – ein deutlicher Ausdruck ihres starken sozialen Engagement.

  • Eduard Kögel studierte an der Fakultät für Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung der Universität Kassel. Von 1999 bis 2004 lehrte er als Assistenzprofessor an der Technischen Universität Darmstadt im Planen und Bauen in außereuropäischen Regionen. 2007 promovierte er an der Bauhaus-Universität Weimar mit einer Dissertation über deutsche Architekten in Shanghai während des Nationalsozialismus. Von 2009 bis 2011 leitete er ein Forschungsprojekt über das Werk des deutschen Architekturhistorikers Ernst Boerschmann in China zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
    Kögel erforscht die Geschichte des architektonischen und städtebaulichen Austauschs zwischen Asien und dem Westen. Er hält regelmäßig Vorlesungen an der Technischen Universität Berlin sowie an der Bauhaus-Universität Weimar. Außerdem arbeitet er als Projektleiter für www.chinese-architects.com.
    Derzeit organisiert er Ausstellungen und Austauschprojekte zur Mid-Century-Modernism in Südostasien www.seam-encounters.net.

  • Assoc. Prof. Dr. Nguyễn Hồng Thục, geboren 1965, ist Architektin und Expertin für Stadtplanung und leitet derzeit das Institute for Settlement and Human Studies. Sie absolvierte die Architekturfakultät in Hanoi und promovierte in Frankreich. Als eine der Pionierinnen in den Bereichen Urbanistik und Siedlungsforschung in Vietnam verfügt sie über mehr als 30 Jahre Berufserfahrung in nachhaltiger Stadtentwicklung, Raumplanung und ökologischer Transformation für städtische wie ländliche Gebiete.

    Dr. Thục ist außerdem Autorin zahlreicher Forschungsprojekte und Politikpapiere, die wesentlich zur Entwicklung moderner stadtplanerischer Ansätze beigetragen haben – mit besonderem Schwerpunkt auf menschenzentrierte Ansätze und lokale Identität. Ihre prägnanten, sozial verantwortlichen Perspektiven werden regelmäßig in wissenschaftlichen Foren und Fachmedien diskutiert. Über die Forschung hinaus setzt sich Nguyễn Hồng Thục leidenschaftlich für grüne, intelligente und nachhaltige Städte ein, insbesondere angesichts der wachsenden ökologischen und demografischen Herausforderungen in Vietnam.

Moderator

Truong Quy Nguyen

Der Schriftsteller Nguyễn Trương Quý, geboren 1977 in Hanoi, ist ein unabhängiger Autor, bekannt für seine markanten Werke über Kultur, Geschichte und urbanes Leben. Er schloss sein Studium an der Architekturuniversität Hanoi ab und erwarb später einen Master in Kommunikationsmanagement. Seine schriftstellerische Laufbahn begann er in den frühen 2000er-Jahren, wobei er einen reflektierenden, beobachtenden Stil entwickelte.

Zu seinen bekannten Werken gehören

  • So natürlich wie ein Hanoier (2004)
  • Es ist schwer, eine wirklich gute Schale Phở zu finden (2008)
  • Hanoi ist Hanoi (2010) und Eine Zeit, als Hanoi sang (2018)
2019 erhielt er den Preis Bùi Xuân Phái – Vì Tình yêu Hà Nội („Für die Liebe zu Hanoi“) für sein Buch über die vietnamesische moderne Musik.

Nguyễn Trương Quý gilt als bedeutende Stimme im zeitgenössischen Feld der „Hanoilogie“. Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit lehrt und forscht er und teilt seine Leidenschaft für die Kultur Hanois mit der breiten Öffentlichkeit. Seine Werke verbinden Perspektiven aus Architektur, Kulturwissenschaft und einer tiefen Nostalgie.