Jeden Monat veröffentlicht das Goethe-Institut Südafrika eine Reszension über eine*n Afrikanischen/Südafrikanischen Autor*in. Verfasst von Südafrikaner*innen für Südafrikaner*innen.
„Fabrics of Love“ von Lebo Mazibuko ist nicht nur die Geschichte der Ntoi-Frauen, sondern eine umfassendere Erzählung über schwarze südafrikanische Frauen. Im Mittelpunkt stehen die Protagonistinnen Moipone/Popi Ntoi, Buang Ntoi und deren zwei Kinder Prettygal/Gal und Rosemary Ntoi, während sie sich durch die komplexen Fragen von Liebe, Beziehungen, Zuhause, Familie, Zugehörigkeit, Erfolg, Religion, Ehe sowie der Bedeutung des Daseins in einer zutiefst patriarchalen Gesellschaft bewegen, die Frauen ungerechte und nahezu unmögliche Anforderungen auferlegt.
Aus der Perspektive jeder einzelnen Frau erzählt, verleiht das Buch ihren Kämpfen, Freuden und Schmerzen eine Stimme sowie dem täglichen Anspruch der Ntoi-Frauen, ihre Welt nach eigenen Maßstäben zu definieren. Indem Mazibuko Kapitel einzelnen Frauen widmet oder auf sie fokussiert, lässt sich das Werk in das Paradigma feministischer Literatur einordnen, auch wenn dies möglicherweise nicht ihre ausdrückliche Absicht war. Selbst Fumane – die Mutter von Buang und Seun sowie Lemohangs verstorbene Ehefrau – bleibt auf eigensinnige Weise präsent, da Moipone von ihrem Vater Sean und später von ihrem Großvater Lemohang immer wieder daran erinnert wird, wie auffallend ähnlich sie einer Frau ist, die sie nie kennenlernen durfte.
Indem die Männer weitgehend die Rolle der „Abwesenheit“ einnehmen – etwa Kabo Meso, der Vater von Gal und Rosemary, den sie erst später in der Geschichte und noch viel später in ihrem Leben kennenlernen, sowie Sean Ntoi, der nur einmal im Jahr nach Botshabelo kommt, um Popi und seine einstige „Ehefrau“ Keke zu besuchen –, zeigt Mazibuko eine Realität auf, die in weiten Teilen der südafrikanischen Gesellschaft verbreitet ist: die der abwesenden Väter.
Vor diesem Hintergrund spielt auch die Musik eine zentrale Rolle – nicht nur als klangliches Erkennungsmerkmal, sondern als Soundtrack des Lebens. Ob in Luckys Taverne, bei Zeremonien oder bei Lobola-Verhandlungen, Mazibuko verweist unter anderem auf Trompies’ Sweety Lavo, Tkzees Mambotjie, Miriam Makebas Meet Me At The River sowie Caiphus Semenya & Letta Mbulis There's Music In The Air. Selbst Famo-Musik – ein Genre, das häufig mit dem Akkordeon verbunden wird und aus Lesotho stammt – findet Eingang in die Geschichte.
Auch Bücher spielen in Fabrics of Love eine wichtige Rolle, da sie ein Gefühl für die jeweilige Zeit vermitteln und zeigen, womit sich Schriftsteller, insbesondere aus dem übrigen afrikanischen Kontinent, gedanklich auseinandersetzten. Verweise auf Tsitsi Dangarembgas Nervous Conditions, Zakes Mdas Ways of Dying, Wole Soyinkas The Lion and the Jewel, Chinua Achebes Things Fall Apart sowie Bessie Heads When Rain Clouds Gather gehören zu den zahlreichen Werken afrikanischer Autorinnen und Autoren, die durch die Figuren des Buches erwähnt werden.
Über den Verfasser
Tonderai Chiyindiko
Tonderai Chiyindikist ein unersättlicher Leser, der dem betörenden Geruch neuer Bücher verfallen ist und gerne an Buchvorstellungen teilnimmt (wegen des kostenlosen Angebots an Wein, Käse und Snacks). Er lebt und arbeitet in Johannesburg. o
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Diese Rezension ist Teil in der Reihe Buch des Monats 2026 vom Goethe-Institut Südafrika.
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