Das Humboldt-Dossier zu Marx spiegelt die breiten, auch widersprüchlichen Lesarten von Karl Marx (1818-1883). In Essays und Interviews reflektieren eingeladene Autorinnen und Autoren, wo und wie Marx in den Ländern Südamerikas und in Deutschland heute sichtbar wird – in Diskursen, Denkweisen, Stadtbildern, in Philosophie, Künsten, Wissenschaft und Theologie.
Die an der Universidade de São Paulo (USP) lehrende Wirtschaftswissenschaftlerin Leda Paulani über die Aktualität des marxistischen Denkens in Lateinamerika und der Welt.
Als Bildungsexperte äußert sich Roberto Leher zu Einflüssen des Kapitals auf das Bildungssystem und analysiert den Einsatz von Unternehmensgruppen in Brasilien dafür, dass ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung nur „minimalistische Bildung“ erhält.
Die Historikerin setzt sich für eine Bildung ein, die Kinder an der Arbeit der Erwachsenen beteiligt: „Das ist nur möglich in einer Welt, in der die Arbeit der Erwachsenen nicht wie heute ein Massaker ist.“
Die Farbe Rot wandelte sich im Laufe der Zeit von der Farbe der Macht zur Farbe der Revolutionäre. Ein Interview mit dem Publizisten Gerd Koenen über die Symbolfarbe der Kommunisten und Sozialisten.
Vier Jahre lang drückte ich mit Karl Marx die Schulbank der Grundschule Flávia Dutra in Cataguases. Das Einzige, was uns nicht verband, war der Fußball.
Wie viele Mitte der 1980er Jahre geborene Kinder wurde ich von dem teilweise bizarren Fernsehprogramm in Brasilien am Anfang der 1990er Jahre geprägt. Damals war ich Marx-Fan.
„Dem Marxismus wird gerne vorgeworfen, keine Menschenkenntnis zu haben. Aber ich befürchtete bald, dass es ähnlich schlecht um die Literaturkenntnis bestellt war“, erinnert sich der kolumbianische Schriftsteller Luis Noriega an seine Begegnung mit dem Marxismus und dessen fanatischen Anhängern während seiner Studentenzeit.