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Islam in Bosnien und Herzegowina
Ramadan in Sarajevo

Wenn Sie jemals als völlig Fremder nach Sarajevo, die Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina, kommen und vor kleinen, häufig unscheinbaren Bäckereien in der Altstadt lange Menschenschlangen sehen, in denen niemand murrt und niemand auf den unfähigen Besitzer oder den nicht funktionierenden Staat flucht, sondern die meisten geduldig warten und sich nicht vordrängeln, dann können Sie sicher sein, dass der Monat Ramadan begonnen hat.
 

Von Eldina Jašarević

Der Ramadan ist der neunte Monat im islamischen Kalender. Für die Muslime weltweit ist es ein heiliger Monat, denn der Überlieferung nach hat gerade in diesem Monat die Offenbarung des Korans begonnen. Es herrscht ebenfalls der Glaube, dass während des Ramadan die Teufel in Fesseln geschlagen sind, und die Engel Gott um Vergebung für jeden Gläubigen bitten. Um die Festigkeit ihres Glaubens zu beweisen, die Gunst von Gott und von den Engeln zu gewinnen, um somit die Vergebung ihrer Sünden zu erwirken, fasten die Gläubigen weltweit während des Ramadan. Das muslimische Fasten besteht aus dem vollständigen Verzicht auf Essen und Trinken von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang. Wichtig ist auch die geistige Hygiene, sodass auch der Verzicht auf schlechte Gedanken und schlechte Werke erwartet wird.   

Gerade diese Regeln des Ramadan sind der Grund für das gute Benehmen in den manchmal bis zu zwanzig Meter langen Schlangen vor den altstädtischen Bäckereien, während man auf das kleine Fladenbrot, den „Somun“ mit Schwarzkümmel wartet. Ohne den Somun lässt sich der Iftar, das Fastenbrechen nach Sonnenuntergang, nicht einmal vorstellen. 

Ramadan in Sarajevo Ramadan in Sarajevo | Klaus Krischok
Somun ist eine Art von Brot, das aus weißem Weizenmehl, Wasser, Salz und Hefe hergestellt wird. Man kann es unmöglich zu Hause machen, denn damit der Teig sich plötzlich hebt und der Somun innen leer bleibt, muss er 1-2 Minuten auf einer Temperatur um 500°C gebacken werden, und diese Temperatur kann nur in Bäckereien erreicht werden. Mit dem Somun leben die Sarajevoer ansonsten das ganze Jahr über. Darin werden zum Beispiel die berühmten Sarajevoer Ćevapćići serviert. Während des Ramadan werden die Somuns mit Schwarzkümmel bestreut, so dass dieser Monat in Sarajevo für diesen spezifischen Geruch der Somuns bekannt ist. 

Kanonenschuss von der Gelben Festung Vorbereitung: Kanonenschuss von der Gelben Festung | Foto (Ausschnitt): Klaus Krischok Das Ende des Fastens wird in Sarajevo mit einem Kanonenschuss von der Gelben Festung, die über der Altstadt thront, angekündigt. Diese Tradition ist Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden, wurde jedoch nach dem Zweiten Weltkrieg in Titos kommunistischem Jugoslawien abgeschafft. Seit 1997 kündigt der Kanonenschuss von der Gelben Festung wieder die Iftar-Zeit in Sarajevo an. Sobald der Kanonenschuss über dem Sarajevotal verebbt ist, gehen die Lichter an den Minaretten der Moscheen an und die Muezzine rufen die Gläubigen zum Abendgebet. Die Sonne ist untergegangen, die Fastenden können ihr Fasten brechen.
Beim Iftar versammeln sich Familien, Freunde, Nachbarn. Dabei essen Fastende und Nichtfastende, Muslime und Nichtmuslime zusammen, und die Reichen teilen beim Iftar mit den Armen. Den Iftar kann man zu Hause einnehmen, aber auch in Restaurants und Wirtschaften, in denen kein Alkohol ausgeschenkt wird.

Die Iftarzeit wird in Sarajevo nicht nur von beleuchteten Minaretten gekennzeichnet, sondern auch von halbleeren Straßen. Nach dem Untergang des Kommunismus Anfang der 1990er Jahre wurde das Praktizieren der Religion in der gesamten Region wieder zum Trend. In Sarajevo, der größten Stadt auf dem Balkan mit einer mehrheitlich muslimischen Bevölkerung, ist die Rückkehr zur religiösen Tradition gerade während des Ramadan sowie zum muslimischen Feiertag Bayram am sichtbarsten.
Nach dem Iftar werden die Straßen wieder voll und die Stadt kehrt zu ihrem schnellen Rhythmus zurück. Bei jedem Schritt spürt man eine feierliche Atmosphäre: Die Menschen genießen das Essen, das Trinken, die Gespräche und das Miteinander-Sein. Die Moscheehöfe sind beleuchtet, die Moscheetore geöffnet, an den Minaretten wehen grüne islamische Fahnen mit Halbmond und Stern. Wenn es vollkommen dunkel wird, rufen die Muezzins die Gläubigen zum Tarawih-Gebet, dem letzten Gebet des Tages. Das Tarawih-Gebet ist ein Gebet, das nur während des Ramadan abgehalten wird und es ist erheblich länger als die anderen Gebete, so dass man im Volk, wenn jemand eine längere Rede hält, sagt: „Zieht er in die Länge wie das Tarawih-Gebet!“

Nach dem Tarawih-Gebet leert sich die Stadt langsam und wird still. Die gläubigen Fastenden sind nun in ihren Häusern, häufig beim Gebet, und warten auf Sehur, die letzte Mahlzeit vor der Morgendämmerung und vor dem Beginn des neuen Fastentags. Viele Gläubige fasten den ganzen Ramadan und beschweren sich nicht. Ganz im Gegenteil! Sie halten die geistige und körperliche Fähigkeit, den ganzen Ramadan fasten zu können, für eine Belohnung Allahs.

Zum Dossier „Islam in Deutschland und in Bosnien und Herzegowina“

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