Die Erdumlaufbahn ist kein leerer Raum, sondern eine Industriezone, in der heute über 15.000 komplexe Maschinen kreisen. Der Nachthimmel ist bereits um 10 % heller als früher, und Prognosen zufolge könnte die Zahl der Satelliten in den kommenden Jahren auf bis zu eine Million anwachsen.
In der Ausstellung„Weltraumschrott“betrachtet Mariana Tantcheva die Raumfahrtwissenschaft als höchste Errungenschaft unserer Zivilisation, zugleich aber auch als einen Zusammenprall von Extremen: brillante Ideen, hochkomplexe Apparaturen und immense Ressourcen enden letztlich als eine kleine, helle Spur am Himmel oder als ein Stück verbrannten Metalls, das in der Erde steckt. Dies ist Teil des Lebenszyklus dieser Technologie – und zugleich eine Metapher für eine Kultur, die selbst ihre größten Errungenschaften in Wegwerfprodukte verwandeln kann.
Die ausgestellten Gemälde sind von diesen Extremen inspiriert. In ihnen hallen reale Geschichten nach – etwa die der Raumfähre Challenger und der tragischen Illusion, der Weltraum sei bereits vollständig beherrscht. Oder die Geschichte der Selbstgewissheit, mit der die Erdumlaufbahn heute zum „Wilden Westen“ eines rasanten Wettlaufs um Ressourcen und Präsenz wird – ohne Regeln und Regulierungen, aber mit spürbaren Folgen für den natürlichen Rhythmus und das Leben hier unten auf der Erde.
Mariana Tantchevaist eine multidisziplinäre Künstlerin. Sie lebt und arbeitet zwischen Sofia und Amsterdam. In ihrer künstlerischen Praxis arbeitet sie mit Malerei, Animation, Installation und Mixed Media. Das Thema der Gegensätze ist ein verbindendes Motiv in ihrem Werk. Anstatt sich mit konkreten Technologien oder Fehlern bei der Erschließung des Weltraums auseinanderzusetzen, richtet Tancheva mit der Ausstellung „Weltraumschrott“ den Blick auf das, was zu uns zurückkehrt. Spuren, Fragmente und Oberflächen zeigen, wie der Himmel seine Unnahbarkeit verliert und zu einem weiteren Ort wird, den wir hinter uns lassen.