Restless Transitions

Katharina Veerkamp und Radoslav Maglov © Katharina Veerkamp und Radoslav Maglov

Ausstellung von Katharina Veerkamp und Radoslav Maglov
18. Oktober - 9. November 2018
Eröffnung: 18. Oktober


Das Goethe-Institut Bulgarien freut sich, die Ausstellung "Restless Transitions" der deutschen Künstlerin Katharina Veerkamp und des bulgarischen Bildhauers Radoslav Maglov zu präsentieren. Die Ausstellung ist eine Fortsetzung der Zusammenarbeit der
beiden Künstler, die Anfang diesen Jahres ihr Projekt Solids & Voids in der Galerie SittART in Düsseldorf gezeigt haben.

Das Hauptthema in Katharina Veerkamps Arbeit ist das Licht als Träger von Informationen. Radoslav Maglov erforscht den Körper in allen seinen Manifestationen. Diese beiden auf den ersten Blick sehr unterschiedlichen Themen werden in ihrer aktuellen Einzelausstellung "Restless Transitions" zueinander in Beziehung gesetzt. Die Künstler verbindet ihre Herangehensweise. Beide beobachten, analysieren und experimentieren mit verschiedenen Materialien, Theorien und Konzepten. Ihre Arbeiten erscheinen abstrakt und konzeptionell wie auch wissenschaftlich. Eben diese Hinwendung zur Wissenschaft, ein starkes Interesse an physischen, geradezu physikalischen Merkmalen, steht im Zentrum der Ausstellung „Restless Transitions“. Sie bietet einen spekulativen Blick auf die Kunst als wissenschaftliche Praxis und zeigt, wie die Galerie als Ort der empirischen und theoretischen Forschung organisiert ist.

In "Restless Transitions" zeigen die beide neue Arbeiten, die eigens für die Ausstellung am Goethe-Institut entwickelt wurden.

Katharina Veerkamp lebt und arbeitet in Düsseldorf. Sie studierte an der Kunstakademie Düsseldorf bei Richard Deacon und schloss ihr Studium 2014 ab. In ihren Arbeiten beschäftigt sie sich mit den Naturphänomenen Licht, Zeit und Raum als die eigentlichen Grundlagen von Erfahrung und mit dem Gegenstand der rein abstrakten Theorien, welche die Strukturen der Realität zu erklären versuchen. Ihre Werke stellen Phänomene auf solche Weise dar, dass beide Seiten, die individuellen Erfahrungen und die Theorien, in Frage gestellt werden. So schlägt sie eine unsichtbare Brücke zwischen der Welt der Materie und der Welt der Theorien. In diesem Prozess wird das Photon selbst zum Träger des Werks. Veerkamps Arbeiten wurden in verschiedenen nationalen und internationalen Ausstellungen in Deutschland, Österreich, den Niederlanden und Polen gezeigt. 2015 war sie Artist-in-Residence an der Cité Internationale des Art Paris.

Radoslav Maglov ist ein in Sofia ansässiger Künstler und Theoretiker. Er studierte an der Nationalen Kunstakademie Sofia Grafik-Design und Bildhauerei. Seine Arbeiten entstehen an der Schnittstelle von Ästhetik und Ethik, zwischen verbalen und körperlichen Standpunkten. Seine künstlerische Praxis kreist um den möglichen Übergang an Wesentlichem vom Objekt zum Subjekt, und um die Fähigkeit des Menschen, moralische Kategorien für subjektive Empfindungen wahrzunehmen und
anzuwenden. Zu seinem Werk zählen Skulpturen, Installationen und Malereien. Maglovs Arbeiten wurden international ausgestellt und sind Teil von privaten Sammlungen in Bulgarien, Deutschland, Norwegen, Italien und den USA.

Die Ausstellung wird mit Unterstützung des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen durchgeführt.
 
  • Restless Transitions ©Radostin Sedevchev

  • Restless Transitions ©Radostin Sedevchev

  • Restless Transitions ©Radostin Sedevchev

  • Restless Transitions ©Radostin Sedevchev

  • Restless Transitions ©Radostin Sedevchev

  • Restless Transitions ©Radostin Sedevchev

  • Restless Transitions ©Radostin Sedevchev

  • Restless Transitions ©Radostin Sedevchev

  • Restless Transitions ©Radostin Sedevchev

  • Restless Transitions ©Radostin Sedevchev

  • Restless Transitions ©Radostin Sedevchev

Kuratorischer Text

Dies ist keine Galerie. Es ist ein Forschungslaboratorium. Doch aus einer anderen Zeit. Nicht wie die heutigen glitzernd weißen Räume mit dunstenden  Kryogenkammern,  brodelnden Retorten und Menschen in weißen Kitteln und Gummihandschuhen. Es ist ein wissenschaftliches Arbeitszimmer, ein Raum für Experimente, zur Entwicklung der sonderbarsten Ideen und Theorien.

Dies ist keine Galerie. Es ist ein Forschungslaboratorium, geteilt und gepaart durch die ruhelosen Studien von Katharina Veerkamp und Radoslav Maglov. In diesem Arbeitszimmer stoßen Natur und Mensch, Licht und Körper zusammen. Es ist wohl ein Paradoxon: obwohl Bezüge auf die Bibel in einem Forschungslabor keinen Platz haben sollten, treffen sich hier gerade diese zwei Extreme - das Göttliche und das Niedrige, das Menschliche.

Hier ist das Licht nicht einfach ein Photonenstrom von korpuskularer und Wellennatur. Hier beinhalten  seine Eigenschaften viel mehr als  Widerspiegelung und Brechung, als Diffraktion und Interferenz.  Das Licht ist eine Substanz von stark veränderlichem Charakter und mit der unwahrscheinlichen Fähigkeit, von einem Aggregatzustand in einen anderen Zustand, von einer Form in eine zweite, eine dritte, eine zehnte überzugehen bis ins Unendliche. In ihrer Forschungsarbeit vermag Veerkamp die Verwandlungen und Transformationen des Lichtes festzuhalten auf Seide, auf Papier und auf Glas. Im Ergebnis entstehen zarte und ephemere Lichtabdrucke, die in ihrem Blau variieren in Abhängigkeit von der Anzahl der abstrakten Theorien, mit denen Veerkamp vorher die Ausgangsmaterialien beladen hat.

Das Forschungsinteresse von Radosav Maglov gilt  seinerseits dem Körper und seinen unvermeidlichen Impulsen zu Transformation und Mutation. Wenn man die Seele von den Gedanken an den Körper absondert, bleibt nur das Fleisch, das Maglov geschickt in seinen Experimenten verwendet. Das Ergebnis solcher Experimente sind eben die hier vorgestellten Objekte, die sowohl lebendige, als auch tote Materie vortäuschen. Dies sollte eine Mutation darstellen, eine verfehlte Verflechtung von DNS-Spiralen. Ist es eine Mutation und ein neuer Lebenstyp? Oder ist dies der Körper, wie er eben ist und wie wir ihn noch gar nicht kennen?

Zwischen Körper und Licht besteht ein verbindender Faden. Ein formeller, materieller, buchstäblicher und ganz echter. Für seine Experimente verwendet Maglov Rohseide, lange glitzernde Fäden, die das tote Tiergewebe füllen. Und dieser sonderbaren neuen Mutation, irgendwo aus den Tiefen des toten Fleisches, entspringt ein edler Schein, den bis jetzt niemand gerade im Intestinum zu finden glaubte.

Bei Veerkamp  hat die Seide die ältesten ästhetischen Prozeduren durchlaufen, um sich in ein feenhaftes, luftiges Material zu verwandeln. Dieses zarteste und feine Material verwendet Veerkamp als lichtempfindliche Fläche, als Leinwand, worauf sie mit Licht malt. Die wissenschaftlich-künstlerischen Objekte von Veerkamp sind wohl ein scharfsinniger Versuch, das Licht aufzufangen und ständig zu versuchen, ihm eine neue Form zu geben. Zunächst wird es von der zarten Seide verführt, dann verfällt es den Spiegeln, wird gebrochen, passiert Netze und Hürden, prallt zurück und wehrt sich, damit sich zum Schluss der zufällig gefallene Strahl befreien kann, doch nicht ohne seine blauen Spuren und Abdrücke zu hinterlassen.

Wie Maglov mit lebendiger und nichtlebendiger Materie experimentiert, so erforscht Veerkamp das Licht nicht nur durch die Mittel der Physik und der Fotografie, sondern sucht seine lebendigen Abdrücke in der Natur. Oder wie eigentlich die Haut ähnlich wie das Papier auf Licht reagiert, wie sich lebendiges Gewebe in pulsierende Fotografie  und Lichtabdruck verwandeln kann. Und dort eben, irgendwo im tiefen Blau entdeckt man eigentlich medizinische Abbildungen von Licht auf der Haut.

Durch die Vermittlung der Seide suchen Veerkamp und Maglov ihre Antworten über das Licht und den Körper und deren seltsamen Transformationen und Übergänge von einem Aggregatzustand in einen anderen. Eine ruhelose, fieberhafte Suche, die auch jenseits dieses Laborraumes fortgesetzt wird.

Stefka Tsaneva

     
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