Museumsprogramme für Leute im dritten Alter

Das Museum als Treffpunkt © Goethe-Institut Bulgarien

Mi, 01.12.2021 -
Do, 02.12.2021

12:00

Goethe-Institut Bulgarien, Veranstaltungssaal

Workshop

Der Workshop wird in Präsenz stattfinden
Alle Veranstaltungen werden auf Bulgarisch durchgeführt oder sind mit einer vorhandenen Übersetzung auf Bulgarisch

Herausforderungen und Möglichkeiten zur Vermittlung zwischen den Generationen

Traditionell ist das hohe Alter eine Zeit der Veränderungen und des Rückzugs aus dem aktiven Berufsleben, der verdienten Erholung und derZeit für Familie und Ruhe. Auf Deutsch lautet das Wort für diese Lebensphase “Ruhestand”, also buchstäblich “Zustand der Ruhe”. In einem Land wie Bulgarien, dessen Bevölkerung schnell altert, ist hohes Alter oft eine soziale und wirtschaftliche Herausforderung. Es ist ein Leben unter Bedingungen des existenziellen Minimums, der Einsamkeit und der sozialen Isolation - selbst ohne Pandemie.  

Während sich Senioren in den bulgarischen Großstädten für Theater und klassische Musik interessieren, sind Museen für diese Zielgruppe relativ unpopuläre Stätten des kulturellen Erlebnisses. Das Thema ”audience development” im Museum ist in den letzten Jahren immer aktueller geworden, alledings richten sich die Bemühungen selten an Menschen im dritten Alter. Dabei sind sie eine sehr große Gruppe - m Juni 2021 gab es in Bulgarien fast 2 Millionen Rentner -, die Museem relativ leicht erreichen können, entweder über die traditionellen Medien (Zeitschriften, Radio) oder über soziale Einrichtungen und Organisationen (beispielsweise Seniorenclubs, Gemeindezentren, die Einrichtung des “Sozialen Protektorats” und andere öffentliche Strukturen).

Menschen im dritten Alter sollten aber nicht als passives Publikum bzw. Konsumenten kultureller Angebote angesehen werden. Ihre Einbindung, z.B. über persönliche Erfahrungen und Erinnerungen oder über ein Ehrenamt, könnte insbesondere für Einrichtungen “der Vergangenheit”, was Museen größtenteils sind, von großem Wert sein.  

Das Seminar hat zum Ziel, die Aufmerksamkeit auf eine in Museumsprogrammen sowie im Kulturleben überhaupt vernachlässigte Gruppe zu richten: Menschen im dritten Alter. Es werden Themen wie Bedürfnisse, Interessen und Anforderungen der Älteren behandelt, die Differenzierung von Publikumstypen im Rahmen des “Dritten Alters”, oral history, schöpferische Initiativen und mögliche Formate in Museen. Vor allem aber zielt das Seminar darauf ab, praktische Vorgehensweisen angesichts dieses so zahlreichen und vielfältigen potenziellen Publikums in den Museen zu finden. Wir sollten über Menschen  im dritten Alter nicht in der “sie”-Form, sondern in der “wir”-Form sprechen; denn wir werden alle einmal in dieser Lebensphase sein.

Neben dem Zugang für Senioren in Museem und den Museumsprogrammen will das Seminar auch Methoden zur Einbeziehung und Beteiligung der Älteren in den Museen thematisieren, sowie auf welche Weise das Museum zu einem Treffpunkt der Generationen werden kann. Wie kann die Museumssammlung oder die Kunst ein Sprechanlass zwischen Alt und Jung, zwischen Kindern, Eltern und Großeltern werden, eine Basis für ein Gespräch zur gegenseitigen  Bereicherung?
 

Programm


Dienstag, den 1. Dezember
12:00-12:10 – Eröffnung
12:10-12:30 – Einführung ins Thema. Todor Petev und Stefka Tsaneva
12:30-13:30 – Besonderheiten und Bedürfnisse von Menschen im dritten Alter und Erwartungen an das Kulturleben. Diskussion mit Zoya Paprikova (Seniorenclub “Silberner Herbst”), Maria Petkova (Stiftung “Tulpe”), Zornitsa Yoncheva (Zeitschrift “Drittes Alter”) und einem Vertreter des Seniorenheims “Dalgoletie” (tbc)
13:30-13:45 – Kaffeepause
13:45-15:15 – Museumspublikum im dritten Alter in Deutschland – Esther Gajek, Präsentation und Diskussion
15:15-15:30 – Kaffeepause
15:30-16:15 – Vortrag von Elena Radeva (Volutärin), Diskussion
16:15-16:30 – Kaffeepause
16:30-17:45 – Workshop-Session: Ausarbeitung eines Programms für eine bestimmte Untergruppe aus dem Publikum im dritten Alter. Aufgabe – Esther Gajek. Leiter des Workshops – Todor Petev.
17:45-18:00 – Zusammenfassung der Ergebnisse des ersten Seminartags

Donnerstag, den 2. Dezember
10:00-10:45 – Arbeit mit Menschen im dritten Alter im Museum. Beispiele aus Bulgarien. Boryana Ivanova, Madlen Yaneva (Nationales Polytechnisches Museum), Jenny Decheva (Kunstkritikerin) und Stefka Tsaneva (Goethe-Institut).
10:45-11:15 – “Letopis ‘21” – Projekt zur assistiertes Erinnern. Präsentation von Neda Sokolovska.
11:15-12:30 – Praktische Übung zu Design Thinking mit Yanina Taneva (Ideas Factory/Baba Residency)
12:30-13:00 – Mittagessen
13:00-13:45 – Menschen im dritten Alter im sozialen und kulturellen Raum hierzulande und Möglichkeiten zur Verbindung mit den Museen – Maria Petkova (Stiftung “Lale”)
13:45-14:00 – Kaffeepause
14:00-15:15 – Workshop-Session – Maria Petkova (Stiftung ”Lale”) und Todor Petev
15:15-15:30 – Kaffeepause                    
15:30-16:30 – Diskussion – Neue Ideen und Formate bei der Arbeit der Museen mit Besuchern im dritten Alter
16:30-17:00 – Abschließende Diskussion und Feedback

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