Von Sternchen und Realitäten * Sprache für alle

Glossar zu gendersensibler Sprache


Das Goethe-Institut China befasst sich seit einigen Jahren mit der Materialerstellung für einen DaF-Unterricht, der ein vielfältiges und diverses Bild von Deutschland zeichnet. Ein Bild, das alle Menschen, unabhängig von diskriminierungsrelevanten Merkmalen wie Hautton, sexueller Orientierung, Gender, Be_hinderung, Attraktivität, gleichermaßen als Teil der Gesellschaft und deren Protagonist*innen darstellt. 2022 wurde daher das Glossar „Ist das rassistisch?“ veröffentlicht. Es bietet Sprachlernenden und Interessierten einen Überblick über die wichtigsten Begriffe im Zusammenhang mit rassismuskritischer Bildung. Ergänzend hierzu sind Ende 2024 Arbeitsmaterialien entstanden, die unmittelbar an Inhalte des Glossars anknüpfen und einen persönlichen Zugang der Lernenden zum Thema ermöglichen.

Gendersensible Sprache

Illustration: Linda Schwalbe | ©Goethe-Institut China

Nun also das Glossar zu gendersensibler Sprache, das einerseits Einblick in die theoretischen Überlegungen gibt, die hinter der Idee einer Sprache, die alle Menschen einschließt, steht, dann aber auch ganz praktisch und mit vielen Anwendungsbeispielen für den Deutschunterricht und das alltägliche Miteinander zum Ausprobieren von gendersensiblen Sprachformen anregt.

In insgesamt vier Artikeln führen die beiden Autor*innen Annika Salingré und Ulla Scharfenberg durch unterschiedliche Themen. In Kapitel 1 „Die Macht der Sprache“ wird erörtert, wie Sprache unsere Wahrnehmung prägt und inwieweit wir mit der Reflexion unseres eigenen Sprechens auch handeln. Es wird dazu angeregt, sich der eigenen Sprachgewohnheiten bewusst zu werden, indem anschaulich gezeigt wird, dass Sprache nicht nur ein neutrales Werkzeug ist, sondern dazu beiträgt, bestimmte Menschen sichtbar zu machen und andere Perspektiven unsichtbar zu machen. Begriffe wie Sprachhandeln, Othering oder Dominanzkultur helfen dabei, alltägliche Muster einzuordnen und die Beziehung zwischen Sprache und gesellschaftlichen Machtverhältnissen verständlich zu machen.
Gendersensible Sprache

Illustration: Linda Schwalbe | ©Goethe-Institut China

Kapitel 2 führt in die geschlechtliche Vielfalt abseits binärer und heteronormativer Vorstellungen ein und gibt einen Überblick über die wichtigsten Begriffe der deutschen Sprache in diesem Zusammenhang. Auf zugängliche Weise wird erklärt, dass Geschlecht mehr umfasst als die Kategorien „männlich“ und „weiblich“. Das Glossar beschreibt unterschiedliche Identitäten wie trans, cis, nicht-binär, genderfluid, agender oder inter und zeigt, weshalb Selbstbezeichnungen für viele Menschen eine wichtige Rolle spielen. Diese Erläuterungen dienen nicht nur der Wissensvermittlung, sondern tragen auch dazu bei, im Unterricht einen respektvollen Umgang miteinander zu fördern und Vielfalt wie selbstverständlich mitzudenken.
Gendersensible Sprache

Illustration: Linda Schwalbe | ©Goethe-Institut China

Kapitel 3 schließlich geht auf die Besonderheiten der deutschen Sprache in Bezug auf die Markierung von Geschlecht ein und eröffnet anhand praxisnaher Beispiele Alternativen zum binären Gendern. Neben klassischen Formen wie der Paarform oder dem Binnen-I stellt das Kapitel verschiedene Strategien vor, die im Deutschen zur Verfügung stehen, um geschlechtergerechter zu formulieren – etwa neutrale Personenbezeichnungen, substantivierte Partizipien oder genderinklusive Schreibweisen wie Gendersternchen, Doppelpunkt oder Gendergap. Die Beispiele sind praxisnah und alltagsbezogen und bieten eine Orientierung, welche Form in welchem Kontext hilfreich sein kann, ohne eine bestimmte Variante zu empfehlen.
Gendersensible Sprache

Illustration: Linda Schwalbe | ©Goethe-Institut China

Kapitel 4 bezieht sich auf die in Deutschland geführte Debatte zum Gendern und greift häufig genannte Argumente auf, um diese zu entkräften. Dabei geht es vor allem um das Aufzeigen von Missverständnissen, die in der Diskussion regelmäßig eine Rolle spielen. Das Glossar erinnert daran, dass Sprachwandel ein kontinuierlicher Prozess ist und dass neue Ausdrucksweisen zunächst ungewohnt wirken können, bevor sie sich – wie viele Beispiele aus der Sprachgeschichte zeigen – im Alltag etablieren.
 
Gendersensible Sprache

Illustration: Linda Schwalbe | ©Goethe-Institut China

Abgerundet wird das Glossar durch einen Anhang, der verschiedene Neopronomen und ihre Deklination übersichtlich zusammenfasst. Zusätzlich enthält er Hinweise auf weiterführende Materialien, Anlaufstellen und Onlineressourcen, die sowohl Lehrkräften als auch Lernenden helfen können, sich vertiefend mit gendersensibler Sprache auseinanderzusetzen. Die Beispiele und Erklärungen laden dazu ein, das Thema nicht als Hürde zu betrachten, sondern als Möglichkeit, Sprache bewusst so zu gestalten, dass sie alle Menschen mitdenkt.
Das Glossar ist ein Puzzleteil in einer Reihe von Formaten und Materialien des Goethe-Instituts China, die sich mit dem Thema Diversität und Inklusion (im Deutschunterricht) befassen. Wir erhoffen damit für Lernende und Lehrende einen Impuls für eine Auseinandersetzung mit dem Thema zu geben und Gesprächsanlässe zu bieten.