World Wild Wald

Dossier „World Wild Wald“ © Goethe-Institut Estland

In Deutschland und Estland hegen die Menschen eine besondere Beziehung zum Wald: Er hat symbolische, spirituelle, märchenhafte Ausstrahlungskraft und ist Gegenstand nicht nur romantischer Dichtung, Kunst und Musik. Das Sammeln von Pilzen und Beeren ist fester Bestandteil im estnischen Jahreskalender. Der Wald ist ebenso ein kultischer Ort und Protagonist zahlreicher Sagen und Mythen. Historisch spielte der Wald für den estnischen Widerstand eine bedeutende Rolle, als die sogenannten „Waldbrüder“ von 1940 bis 1953 gegen die sowjetische Besatzung kämpften.

Der Wald war und ist zudem ein entscheidender Indikator in der Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung. Das „Waldsterben“ war das zentrale Umweltthema der 80er und 90er Jahre in Deutschland und Europa. In der aktuellen Klimadiskussion steht die Rolle des Waldes als Kohlenstoff-Senker im Vordergrund. 62 Millionen Tonnen CO2 sind es, die der deutsche Wald jährlich absorbiert. Andererseits haben die Trockenperioden in den Jahren 2018/19 allein in Deutschland 250.000 Hektar Waldfläche vernichtet (Größe des Saarlandes). Dies trifft nicht nur den Wald als „Klimaschützer“, sondern auch als Wirtschaftsfaktor. In Deutschland arbeiten ca. 1 Millionen Menschen in der Wald- und Forstwirtschaft, die einen Jahresumsatz von 180 Milliarden EURO hat. Estland ist in den letzten Jahren zu einem der größten Pelletexporteure Europas aufgestiegen. Gleichzeitig sind in Estland knapp 50 Prozent der Fläche von Wald bedeckt, ca. 20 Prozent stehen unter Naturschutz. Der Blick auf den Wald führt also unmittelbar in das hochaktuelle Spannungsfeld von Ressourcenschonung und Ressourcenverbrauch.
 
Im Projekt WORD WILD WALD wird der Wald mit all seinen Facetten zum Hauptdarsteller. Er präsentiert sich als Inspirationsquelle für Kultur genauso wie als komplexes ökologisches System. In verschiedenen Veranstaltungen, Texten und Formaten ist er stets das verbindende Element zwischen Kunst, Wissenschaft, Musik, Video und Literatur, zwischen digitaler und natürlicher Welt. Das Ziel ist es, den Wald ganz neu zu entdecken.





. Foto: Taavi Varm

360° Video
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Interview mit dem Klangkünstler Marcus Maeder und dem Ökophysiologen Roman Zweifel über das künstlerisch-wissenschaftliche Observatorium Silva.









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