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​Schule in Zeiten des Coronavirus
Von Motivations­löchern und Hoffnung für die Zukunft

Uroš Đukanović
Uroš Đukanović | Foto: © privat

Aufgrund der Coronakrise unterbrachen weltweit mehr als eineinhalb Milliarden Schüler*innen den Schulbesuch, darunter auch 8,4 Millionen Schüler*innen in Italien, das als erstes Land in Europa seine Schulen schloss. Im Gegensatz zu 22 anderen EU-Ländern, die ihre Schulen im Zuge der Lockerungen der Corona-Maßnahmen schrittweise wieder öffnen, werden Italiens Schultore bis mindestens September geschlossen bleiben. Uroš Đukanović, der die 2. Klasse des neusprachlichen Gymnasiums Francesco Petrarca in Triest besucht, hat seine Schule schon seit über zwei Monaten nicht mehr von innen gesehen.

Von Christine Pawlata

„Die Schule fehlt mittlerweile jedem von uns,“ erzählt der 16-jährige Schüler. „Mir geht es zwar gut zuhause, aber ich vermisse die Normalität.“ Der Schulalltag am Triester Petrarca-Gymnasium ist gleich zu Beginn der Coronakrise auf die digitale Plattform Google Meet übersiedelt und gliedert sich in sechs tägliche Videolektionen zu je 40 Minuten. Auf jede Unterrichtseinheit folgt eine Pause von 20 Minuten.
 
Die problemlose Teilnahme am Fernunterricht ist für Schüler in Italien leider nicht selbstverständlich. Laut des italienischen Statistikamts ISTAT ist in 14% der italienischen Haushalte mit schulpflichtigen Kindern weder ein Computer noch ein Tablet vorhanden. In nur 22% der Haushalte gibt es genügend Endgeräte für alle Familienmitglieder, in vielen Fällen reicht die Internetverbindung nicht aus. Und während viele Schulen, wie das Petrarca-Gymnasium, ihren Unterricht in kürzester Zeit ins Internet verlegte, gibt es zahlreiche Schulen, die gar keine Videolektionen anbieten. Uroš findet die Organisation seiner Schule toll, aber einfach sei der Fernunterricht nicht. „Das Schwierigste an der Schule im Lockdown ist es für mich jeden Tag sechs Stunden vor dem Computer sitzen zu müssen,“ erzählt er.

Motivationslöcher und Schummeln im Fernunterricht

Es sei nicht immer einfach, die Motivation zum Lernen aufzubringen: „In der Schule können dich die Lehrer während des Unterrichts zum Lernen anhalten. Jetzt ist es viel einfacher, sich gehen zu lassen und anstatt dich hinter die Bücher zu klemmen, andere Sachen zu machen, die vielleicht mehr Spaß bringen.“ Der Fernunterricht mittels Videolektion öffne neue Wegen zum Schummeln oder sich vor der Mitarbeit im Unterricht zu drücken: „Man kann sich hinter dem Bildschirm vor den Lehrern verstecken. Aber das ist nicht immer eine gute Sache. Zum Beispiel kann man schnell mal eine Antwort auf Google suchen oder einfach die Kamera ausschalten, damit die Lehrer nicht sehen können, ob du zum Beispiel nicht mitschreibst oder überhaupt etwas ganz anderes machst,“ erzählt Uroš. „Aber auch wenn du dich anstrengst, gibt es oft Probleme mit der Internetverbindung, sowohl für die Schüler, als auch für die Lehrer, und so gehen viele Schulstunden verloren.“
Am meisten fehlt dem 16-jährigen, der professioneller Musiker werden möchte, der Klavierunterricht. „Mein größter Wunsch ist es, meine Klavierstunden wieder aufnehmen zu können.“ Auch die Pianolektionen finden seit dem Eingang der Corona-Beschränkungen online statt. „Mein Klavierlehrer hat mir in dieser schwierigen Zeit sehr geholfen. Wenn ich mich manchmal nicht so gut fühle, geht's mir nach der Lektion jedes Mal wieder besser.“

Ein langer Weg zurück in die neue Normalität

Seit Anfang Mai wurden die Beschränkungen in Italien schrittweise gelockert. Nach dem Ende der ersten strengen Ausgangssperre, die fast zwei Monate dauerte, ging Uroš erst einmal in einen Park. „Ich liebe Pflanzen, den Geruch des Grases, der Bäume, ich habe das alles sehr vermisst nach der ganzen Zeit in der ich zuhause eingesperrt war.“ Er hofft, im September tatsächlich wieder in die Schule gehen zu können. Die Aussicht, fortan möglicherweise mit Mundschutz und nur mit der Hälfte seiner Mitschüler im Klassenzimmer zu sitzen, bereitet ihm aber Sorgen. „Ich glaube, dass eine kleinere Klassengröße einerseits sehr gut funktionieren würde, weil die Lehrer sich auf weniger Schüler gleichzeitig konzentrieren müssten, und die Schüler motivierter wären aufzupassen. Aber von einem psychologischen Standpunkt aus glaube ich nicht, dass es eine schöne Erfahrung wäre. Es würde immer ein gewisses Unbehagen mitschwingen, vielleicht wären auch unsere besten Freunde auf einmal in einer anderen Klasse.“ Mitte Juni wird das Schuljahr in Italien zu Ende gehen, dieses Mal aber ohne die übliche ausgelassene Stimmung auf dem Schulhof. Lust zum Feiern hat Uroš trotzdem. „Wenn wir dann wieder ohne Probleme ausgehen können, möchte ich den Schulschluss den ganzen Tag mit meinen Freunden in der Stadt und am Meer feiern.“
 
Das Petrarca-Gymnasium in Triest, dessen 2. Klasse Uroš Đukanović besucht, gehört zu den weltweit mehr als 2000 Schulen des PASCH-Netzwerks, an denen die deutsche Sprache einen besonders hohen Stellenwert einnimmt.

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