Kakehashi-Literaturpreis

Das japanische Wort Kakehashi bedeutet Grenzüberschreitung oder Brückenschlag. Der Kakehashi-Literaturpreis des Unternehmens Merck und des Goethe-Instituts Tokyo fördert den literarischen Brückenschlag zwischen Japan und Deutschland. Mit dem Preis sollen die deutschsprachige Gegenwartsliteratur und ihre Übersetzungen in Japan stärker gefördert werden.


Der diesjährige Kakehashi-Literaturpreis geht an den deutschen Schriftsteller Lutz Seiler und den japanischen Übersetzer Jisung Kim. Unter 17 Bewerbungen fiel die Entscheidung der Jury auf „Kruso“, den Debütroman von Lutz Seiler.


Der Autor Lutz Seiler, geboren 1963 in Gera, arbeitete nach der Berufsausbildung als Zimmermann und Maurer und studierte anschließend Geschichte und Germanistik an der Martin-Luther-Universität in Halle (Saale). Zunächst hatte sich der gebürtige DDR-Autor als Lyriker einen Namen gemacht, bevor er 2014 mit „Kruso“ sein erfolgreiches Prosa-Debüt gab. Für sein literarisches Werk erhielt Seiler mehrere Preise, darunter den Bremer Literaturpreis, den Uwe-Johnson-Preis, den Deutschen Buchpreis und 2020 den Preis der Leipziger Buchmesse. Er lebt und arbeitet in Berlin und Stockholm.

Der Übersetzer Dr. Jisung Kim, geboren 1987 in Osaka, studierte Internationale Politische Ökonomie und Germanistik in Tokyo und in Berlin. Seit 2018 arbeitet er als Assistenzprofessor am Germanistischen Seminar, Waseda Universität, Tokyo. Zahlreiche Publikationen zur deutschen Gegenwartsliteratur. Sein Aufsatz zu Uwe Johnson wurde mit dem Förderpreis der Gesellschaft zur Förderung der Germanistik ausgezeichnet. Bald erscheint seine Monographie zu Uwe Johnson im renommierten Hosei-Unipress. 2019 hat er Thomas Melles „Die Welt im Rücken“ ins Japanische übersetzt. Er lebt in Yokohama.
 

Mit dem Roman „Kruso“ gelingt es dem Autor Lutz Seiler, ein wichtiges literarisches Porträt zur Wende vorzulegen. Durch Seilers Fokussierung auf den Fluchtort, eine marginale Ostseeinsel, wird ein ganz anderer Einblick in die Endphase der DDR vermittelt, als man von journalistischen Reportagen gewohnt ist. In einer poetisch dichten Prosa hat der Autor die politischen Ereignisse der Wendezeit so verfremdet, dass der Text stets an der Grenze zwischen Fantastik und Realismus oszilliert. Der Roman „Kruso“ nimmt damit eine besondere Position in der Reihe der Wenderomane ein, dem man wünscht, vom japanischen Lesepublikum entdeckt zu werden. Die Übersetzung ins Japanische soll das ermöglichen. Der Übersetzer Jisung Kim hat nicht nur durch zahlreiche Aufsatzpublikationen seine umfassenden Kenntnisse der deutschen Gegenwartsliteratur belegt, sondern auch einen ausgezeichneten Ruf als kompetenter Übersetzer anspruchsvoller literarischer Texte erworben.

Die Jury des Kakehashi-Literaturpreises besteht aus

Jury-Präsident Hiroshi Yamamoto, Professor an der Waseda Universität Tokyo

und den weiteren Jury-Mitgliedern:
  • Frau Dr. Ilma Rakusa, Schriftstellerin und Übersetzerin Zürich, Preisträgerin des Merck-Kakehashi-Literaturpreis 2016)
  • Frau Prof. Miyuki Soejima, Professorin für Germanistik, Otaru University of Commerce Sapporo
  • Herr Prof. Hiroaki Sekiguchi, Professor für Germanistik, Meiji University Tokyo
  • Herr Shogo Morita, Präsident, Misuzu Shobo Verlag Tokyo
  • Herr Dr. Roman Maisch, CEO und Präsident Merck Performance Materials Ltd. Japan Tokyo
  • Herr Peter Anders, Direktor Goethe-Institut Tokyo
Treffen der Jury
Die Sitzung der Jury fand im Mai 2020 statt. 

Grußworte



Interview


Ausschreibung (nächster Termin: Herbst 2021)


Der Preis wird seit 2013 alle zwei Jahre ausgelobt. Die Übersetzer*innen schlagen dabei deutschsprachige Autor*innen zur japanischen Übersetzung vor, deren literarische Werke sich mit Themen der Gegenwart auseinandersetzen. Der mit insgesamt 20.000 Euro dotierte Kakehashi-Literaturpreis dient der Auszeichnung herausragender Autor*innen, deren literarische Arbeit für eine japanische Leserschaft entdeckt werden soll, aber auch den Übersetzer*innen und Verleger*innen für ihre besondere Rolle im kulturellen Austausch.

Wer kann sich bewerben?
Literarische Übersetzer*innen aus dem Deutschen ins Japanische

Was sind die Bedingungen für eine Bewerbung?
  • Der Übersetzer reicht einen Vorschlag zur Übersetzung  für ein herausragendes deutschsprachiges Werk (Prosa, Lyrik Drama) ein, das eine literarische Auseinandersetzung mit einem gesellschaftspolitischen Thema der Gegenwart darstellt
  • Der Übersetzer beabsichtigt die Übersetzung vollständig abzuschließen und zu publizieren
  • Die Übersetzung wird aus dem deutschen Originaltext vorgenommen 

Wie kann man sich für den Kakehashi-Literaturpreis bewerben? Welche Texte müssen eingereicht werden?
  • CV (Bio-Bibliographie)
  • Beschreibung des Übersetzungsprojekts/Begründung
  • Probeübersetzung von max. 5 Seiten und entsprechender Originaltext
  • Wenn vorhanden, Auszüge einer bereits veröffentlichten literarischen Übersetzung zusammen mit dem Originaltext
  • Der Übersetzer hat sichergestellt, dass die Lizenzrechte für den ausgewählten Titel für die Veröffentlichung in Japan zum Zeitpunkt der Bewerbung nicht vergeben sind  

Die nächste Ausschreibung des Kakehashi-Literaturpreises wird im Herbst 2021 erfolgen.

​Der Kakehashi-Literaturpreis ist mit insgesamt 20.000 Euro dotiert.
  • 7.500 Euro Honorar für den Autor
  • 7.500 Euro Honorar für den Übersetzer
  • 5.000 Euro Publikationszuschuß  (Bei Vorlage des Produktionsvertrags)

Die feierliche Preisverleihung findet im Oktober 2020 in Tokyo statt.

Bisherige Preisträger*innen

  • Der Schriftsteller Clemens J. Setz und die Übersetzerin Ayano Inukai erhalten den Kakehashi-Literaturpreis 2018. © Goethe-Institut Tokyo, Yohta Kataoka

    Der Schriftsteller Clemens J. Setz und die Übersetzerin Ayano Inukai erhalten den Kakehashi-Literaturpreis 2018.

  • Kakehashi-Literaturpreis 2016 © Goethe-Institut Tokyo, Yohta Kataoka

    Ilma Rakusa und Fuminari Niimoto werden 2016 für „Mehr Meer“ ausgezeichnet.

  • 2014 ging der Kakehashi-Preis an Arno Schmidts "Seelandschaft mit Pocahontas", das von Jun Wada übersetzt wurde. © Goethe-Institut Tokyo

    2014 ging der Kakehashi-Preis an Arno Schmidts "Seelandschaft mit Pocahontas", das von Jun Wada übersetzt wurde.

Über Merck und das Goethe-Institut

Merck ist ein führendes deutsches Unternehmen der Chemie- und Pharmaindustrie. Als Lebendige Gemeinschaft von Spezialisten entwickeln wir Technologien für ein besseres Leben – und liefern hochwertige, spezialisierte Produkte in den Bereichen Healthcare, Life Science und Performance Materials. Der (Merck-) Kakehashi-Literaturpreis ist einer von derzeit fünf Literaturpreisen der Firma Merck, mit denen das Unternehmen Literaturförderung weltweit unterstützt.
 
Das Goethe-Institut e.V. ist das weltweit tätige Kulturinstitut der Bundesrepublik Deutschland. Wir fördern die Kenntnis der deutschen Sprache im Ausland und pflegen die internationale kulturelle Zusammenarbeit. Wir vermitteln ein umfassendes Deutschlandbild durch Information über das kulturelle, gesellschaftliche und politische Leben in unserem Land. Unsere Kultur- und Bildungsprogramme fördern den interkulturellen Dialog und ermöglichen kulturelle Teilhabe. Sie stärken den Ausbau zivilgesellschaftlicher Strukturen und fördern weltweite Mobilität. In über 90 Ländern sind wir Partner für alle, die sich aktiv mit Deutschland und seiner Kultur beschäftigen und arbeiten eigenverantwortlich und parteipolitisch ungebunden.

Kontakt

Michaela Bodesheim
Leiterin Information und Bibliothek
Goethe-Institut Tokyo
Tel.: +81 3-3584-3203
kakehashi@goethe.de


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