Deutsche Spuren im Libanon Flughafen Rayak – Es begann mit einer Sandpiste

Deutsche Baracke auf dem Flughafen Rayak
© Goethe-Institut Libanon/Christian Kirchen

Stolz präsentiert die libanesische Luftwaffe den Flughafen Rayak in der Beqaa-Ebene als Geburtsort der libanesischen Luftwaffe im Jahre 1949. Allseits bekannt ist, dass der Flughafen während der Mandatszeit zwischen 1920 und 1943 unter französischer Kontrolle stand.

Weniger bekannt ist hingegen, dass die erste Anlage einer Startbahn – eine simple Sandpiste – auf ein bayerisches Fliegerbataillon zurückgeht, das im Zuge der Operation „Pascha II“ im I. Weltkrieg für etwa ein Jahr im strategisch günstig gelegenen Rayak stationiert war.

1912 war die Fliegertruppe in Oberschleißheim bei München gegründet und rasch erweitert worden. Bald besaß es mehrere Zweigeinrichtungen in Bayern und der damals zu Bayern gehörigen Rheinpfalz. Als zwei Jahre später der I. Weltkrieg ausbrach, wurden die bayerischen Flieger zunächst zu Aufklärungsflügen in Tirol, bald auch in Frankreich, der Ukraine und im Baltikum eingesetzt. Im Zuge des Falls von Bagdad im Jahr 1917 wurden die Bayern auch nach Palästina verlegt, wo sie zunächst in Be’ersheba bzw. bei Gaza, später in der Gegend von Nazareth, und auf dem Rückzug schließlich u.a. in Aleppo und Rayak zum Einsatz kamen. Historische Aufnahmen zerstörter Doppelsitzer vom Oktober 1918 finden sich auf der Homepage des Australian War Memorial.

Gibt es in Rayak noch Spuren, die an die deutsche Zeit erinnern? Schriftliches Material ist – soweit bekannt – zu dieser Frage nicht vorhanden. Also müssen nach Augenschein Vermutungen angestellt werden. Nach Auskunft der libanesischen Airforce stammen zwei der vermutlich früher als Hangars genutzten, mit Wellblech verkleideten Hallen noch aus der Zeit des I. Weltkriegs. Der Vergleich mit historischen Aufnahmen stützt diese Vermutung.

Auch ein in der Nähe des Rollfelds stehendes einstöckiges Gebäude mit einer Art Fachwerkkonstruktion geht offenbar noch auf jene Zeit zurück, als die Deutschen in Rayak stationiert waren. Es war, zusammen mit heute nicht mehr existierenden weiteren Gebäuden gleichen Stils, als wetterfester Ersatz für die in der Anfangsphase verwendeten Zelte gebaut worden. Ähnlichkeiten mit Wohn- und Amtsgebäuden in deutschen Kolonien z.B. in Ostafrika sind bei diesem Bautypus erkennbar.

Auch im II. Weltkrieg landeten deutsche Maschinen auf der Start- und Landbahn von Rayak. Weil die Airbase unter der Kontrolle des dem NS-Staat freundlich gesinnten Vichy-Regimes stand, erhielten deutsche Flieger auf dem Weg nach Bagdad in der Beqaa Landeerlaubnis.

Heute noch stammen viele technische Gerätschaften auf der Airbase, die entweder zum Ausbessern von Flugzeugteilen oder der Reproduktion von Fotografien und Filmen dien(t)en, aus deutscher Herstellung.
 

Literatur:

Potempa, Harald: Die Königlich-Bayerische Fliegertruppe 1914–1918, Frankfurt am Main 1997