Deutsche Spuren im Libanon Deutsche G 8 Dampflokomotiven im Libanon

Abgestellte G8 Dampflokomotive in den verfallenen Wagenhallen des Bahnhofs in Rayak
© Goethe-Institut Libanon

Vielleicht wurden die G 8 Dampflokomotiven von den Arbeitern, die sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts erbauten, als das gesehen, was sie damals waren – Symbole für ein Europa im Übergang zur Moderne und für ein noch junges, aufstrebendes Deutschland. 

Vielleicht stellten sich die Männer, die zwischen 1902 und 1913 diese Lokomotiven für die Preußische Staatseisenbahn bauten, bei ihrer Arbeit vor, dass die von ihnen gebauten Kolosse eines Tages Europa durchqueren und bis fern in den Osten nach Istanbul, Aleppo oder Bagdad fahren würden.

Niemand von ihnen konnte jedoch vorhersagen, dass über 100 Jahre später zehn dieser stolzen Kreationen vernachlässigt im Libanon, einem damals noch nicht gegründeten Staat, herumstehen würden. Diese alten Dampfloks stellen zweifelsohne seltene und weit gereiste Beispiele früher deutscher Ingenieurskunst dar.

Die Züge, die im Rahmen des Versailler Vertrags als Teil der Vereinbarungen zur Wiedergutmachung durch Geld- und Sachleistungen am Ende des 1. Weltkriegs in den Besitz von Frankreich überwechselten, wurden unter französischer Mandatsherrschaft in die Levante gebracht und gingen in Staatsbesitz über, als der Libanon 1943 seine Unabhängigkeit erlangte.

Sechs dieser G 8 Lokomotiven befinden sich heute in den Wagenhallen des verlassenen Bahnhofsgeländes von Rayak im Herzen des Bekaa Tals und fristen dort ein vergessenes Dasein.

Einige dieser Museumsstücke sind Sonne, Wind und Wetter schutzlos ausgeliefert, da das Wurzelwerk von Bäumen die Dachpfannen der Wagenhallen gesprengt haben so dass jetzt die grüne Farbe von den Seitenwänden der Lokomotiven abblättert. 

Andere stehen auf halbverfallenen Schienen, die ins Nirgendwo führen. Die durch Rost vollständig verfärbten Loks führen einen aussichtslosen Kampf gegen Unkraut und Kletterpflanzen, die ihre Chassis langsam und schleichend überwuchern.  

Vier weitere dieser Dampflokomotiven befinden sich in der im Norden des Libanons gelegenen Stadt Tripolis, umgeben von zerstörten Gebäuden im französischen Stil, die einst dem glamourösen und kultigen Orient-Express als Endbahnhof dienten.

An einigen der Loks hat Libanons Bürgerkrieg seine Spuren hinterlassen, während andere Dampfmaschinen behelfsmäßig modifiziert und mit Dieselmotorzusätzen ausgestattet wurden. Da jedoch weltweit nur noch vier dieser prachtvollen Dampfzüge erhalten sind, müssen diese Kunstwerke historischer Ingenieurskunst unbedingt konserviert und erhalten werden.