Musiktheater J-CHOES – J'ai faim

J-CHOES (J'ai faim) Foto: Vera Marmelo © Goethe-Institut

08.04.2022, 21:00

Teatro Viriato Viseu

Weltpremiere

Eine an den Haaren herbeigezogene, doch unerlässliche Musikgeschichte

WAS, WENN?
Was, wenn Erik Satie das musikalisch-kulinarische »Festmahl à deux« der Künstlerfreunde John Cage und Hans Otte aus seinem ewigen off-stage besuchen käme?
Durch die innere Verbindung von Klaviermusik, Klängen und Stillen, sinnlichem Genuss, Komponisten, Interpreten und Publikum entstände on-stage eine poetische Atmosphäre von Stille, Klang, Duft, Bild und Wort.

ÜBER DAS STÜCK
J-CHOES (JC für John Cage, HO für Hans Otte, ES für Erik Satie) ist ein unaufdringliches Stück neuen Musiktheaters, gemeinsam verfasst von Ingo Ahmels (Deutschland) und Lou Simard (Kanada).
Voll poetischem und spielerischem Humor präsentiert J-CHOES auf unprätentiöse Weise verlockende Juwelen der Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts, Klaviermusik von Erik Satie und Arnold Schönberg bis John Cage und Hans Otte.
J-CHOES erzählt eine sympathische und warmherzige Geschichte mit ernstem Subtext, dessen man sich jedoch nicht unbedingt bewusst sein muss, um das Stück zu genießen.

Lou Simard, Regisseurin aus Québec und ehemaliges Mitglied des Robert-Lepage-Zirkels, inszeniert das achtzigminütige Stück mit spielerischer Präzision.
Die drei Schauspieler-Pianisten sind die unnachahmliche Margaret Leng Tan (John Cage), Joana Gama (Hans Otte) und Ingo Ahmels (Erik Satie).

Die J-CHOES-Bühne ist in drei Bereiche unterteilt, in denen differenzierte Aktivitäten und Dialoge stattfinden.
Auf der linken Seite spielen die Pianisten Musik für Klavier und präpariertes Klavier. Auf der rechten Seite, in Cages "Inner Landscape Kitchen", werden zur Freude des Publikums langsame, konzentrierte Gesten hinter einer Schattenspiel-Leinwand sichtbar.
Der zentrale Bereich ist für eher alltägliche Aktivitäten reserviert wie die Zubereitung eines köstlichen Festmahls aus filetierten Partituren oder das Zelebrieren einer (Sa)Tea-Time.
En passant werden drei Klavierbänke auf originelle Weise in Anspruch genommen. Sie sind neben dem Konzertflügel die einzigen wesentlichen Requisiten, die im Stück vorkommen.

Mit seinen minimalen Dialogen, die sich im leeren, doch gleichzeitig gehaltvollen Raume entfalten, berührt J-CHOES Samuel Becketts Sinn für absurden Humor. In J-CHOES wartet jedoch niemand auf Godot!

Um John Cage zu zitieren, ließe sich J-CHOES als »poetry as I need it« (Poesie, wie ich sie brauche) bezeichnen. J-CHOES hat in der Tat "nichts zu sagen" und "sagt eben dies", das Wesen des (gelegentlichen) Wortes, der Klavierklänge, Bilder, Gesten und – der Stille destillierend.

PLOT
John Cage und Hans Otte treffen sich im Herbst 1991 in Cage’s New Yorker Sixt-Avenue-Loft.
John hat seinen Bremer Freund Hans zum »Gastmahl à deux« eingeladen. Einer Laune folgend spielen sie sich gegenseitig Klaviermusik vor. Sie hören, lachen zusammen und bereiten gemeinsam die besonderen Zutaten für das vom Gastgeber vorgesehene, dreigängige Spezial- Menü vor.
Sie filetieren zu diesem Zwecke Partituren von »Juwelen der Klaviermusik«.
Ein Matsutake findet sich und kommt hinzu.
Cage kocht. Es ist gedeckt, das Mahl verzehrbereit.
Zunächst unbemerkt steigt, vom Stück Nr. 9 aus Ottes »Buch der Klänge« temporär wieder zum Leben erweckt, Erik Satie von der in die Cage-Küche führenden Himmelsleiter herab. Satie (Vous m’avez appelé?), den es nach Neuem hungert, wird von den zunächst perplexen Freunden zum gemeinsamen Noten-Mahl eingeladen.
Beim Dessert in Cage’s »Inner-Landscape-Kitchen« kommt es zum raffinierten Grande Finale, dem »Unhörbaren Konzert«.

Text von Ingo Ahmels

Musiktheater von Lou Simard und Ingo Ahmels für drei Pianist:innen mit Live-Klaviermusik von Hans Otte, John Cage, Arnold Schönberg, Erik Satie und Ingo Ahmels.

 Figuren und Besetzung
JC (John CAGE) – Margaret Leng Tan
HO (Hans OTTE) – Joana Gama
ES (Erik SATIE) – Ingo Ahmels

Regie von Lou Simard
Publishing house
:dacapo: ggmbh © Bremen 2021/2

Besondere Förderung
Der Senator für Kultur, Bremen
Puck & Co., Bremen
Fundação GDA
 
Das Festival Hans Otte : Sound of Sounds ist dem Lebenswerk des deutschen Künstlers und Komponisten Hans Otte (1926 - 2007) gewidmet. Von Oktober 2021 bis April 2022 finden in vier portugiesischen Städten – Lissabon, Évora, Guimarães und Viseu – Konzerte, Installationen, Ausstellungen sowie Konferenzen mit akademischem Bezug statt. Dem deutschen Autor, Klangforscher und ehemaligen Assistenten Ottes Ingo Ahmels sowie der portugiesischen Pianistin und Wissenschaftlerin Joana Gama ist die Entwicklung des Festivals zu verdanken.

href="https://www.goethe.de/ins/pt/de/kul/sup/ott.html" class="do-resolve" title="" target="_self">Mehr Informationen über das Festival Hans Otte : Sound of Sounds

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