Flying Carpets - Thomas Ruff & Transylvania & Anatolia

Ausstellung|Tradition und Moderne zwischen Anatolien, Transsilvanien und digitaler Kunst

  • Nationales Kunstmuseum Rumäniens, Bukarest

Flying Carpets - Thomas Ruff & Transylvania & Anatolia ©mnar, Thomas Ruff

Flying Carpets - Thomas Ruff & Transylvania & Anatolia ©mnar, Thomas Ruff

Die Ausstellung Flying Carpets – Thomas Ruff & Transsilvanien & Anatolien rückt die kuratorischen Strategien und die ideologische Plattform der Kollision und Zusammenarbeit zwischen Tradition und Moderne, zwischen Lokalem und Universellem, zwischen scheinbar unvereinbaren, aber für unsere hybride Gegenwart äußerst relevanten Werten in den Mittelpunkt.
Ausgangspunkt der Ausstellung sind die sogenannten „Transsilvanischen Teppiche“ anatolischen Ursprungs, die in den vergangenen Jahrhunderten in großem Umfang nach Europa exportiert wurden – insbesondere nach Deutschland – über den Handelsweg durch Transsilvanien.

Neben einer Auswahl von rund 20 anatolischen Teppichen (oder Kopien bzw. von ihnen inspirierten Stücken) aus dem 16. bis 19. Jahrhundert aus den Sammlungen des MNAR (einschließlich der Avakian-Sammlung des MCA) und des Brukenthal-Museums werden 15 von Thomas Ruff hergestellte Teppiche präsentiert.
In den letzten vier Jahren hat Thomas Ruff eine Serie von Teppichen geschaffen, die mit Mustern bedruckt sind, bei denen er seine in den letzten zehn Jahren etablierte fotografische Technik anwendet: Er erschafft virtuelle, digitale Motive mithilfe einer Software und fotografiert diese mit einer ebenfalls virtuellen, softwarebasierten Kamera. Im Fall der Teppiche wird das Bild auf den Stoff eines leeren Teppichs gedruckt. Das Ergebnis ist ein besonderes Objekt, das im Verhältnis zu den strikt virtuellen und radikal modernen Ursprüngen des computererzeugten Bildes extrem materiell, präsent und traditionell ist – es gehört zur greifbaren Welt des Alltags.

Die Ausstellung zeigt auch einige „Transsilvanische“ pseudo-anatolische Teppiche, die lokal in Transsilvanien hergestellt wurden, für den lukrativen und gleichzeitig „aneignenden“ Handel mit dem Westen. Die modernen Strategien der lokalen Tradition spiegeln sich in den zeitgenössischen Aneignungsstrategien von Thomas Ruff wider, der die traditionelle Form des Teppichs aufgreift und darin („heimlich“) die radikal modernen experimentellen Konzepte, Praktiken und Fantasien einfließen lässt.