Ausstellung: I Like Jewelry and Jewelry Likes Me. BEUYS 101

I Like America, and America Likes Me ©Goethe-Institut Bukarest

Fr, 06.05.2022 -
Sa, 28.05.2022

18:00

Pavilion Goethe, Calea Dorobanți 32

Ausstellende Künstler*innen: Melanie Isverding & Gisbert Stach (DE), Ana Barbu, Cleopatra Coșuleț & Teodor Siminic (RO)

Tanz & Choreographie: Vava Ștefănescu
Künstlerisches Konzept: Dan Pierșinaru
Film und Schnitt: Radu Savin
Kostüme: Marius Mușat

Projektkurator: Dan Pierșinaru

Tanzperformance mit:

Maria-Luiza Dimulescu, Mariana Gavriciuc, Răzvan Rotaru, Filip Stoica
Choreograhie: Vava Ștefănescu
Kostüme: Marius Mușat 

Veranstalter: Goethe-Institut & Platforma AUTOR de Bijuterie Contemporană
In Zusammenarbeit mit: Centrul Național al Dansului București, ART-UP Școală de Bijuterie Contemporană, Marius Mușat, Tint.10, Muzeul Național de Artă Contemporană


Medienpartner: TVR


"Was kann man hundert Jahre nach seiner Geburt über den ikonischen Künstler Joseph Beuys sagen, wenn gefühlt schon alles gesagt und gezeigt wurde? Wie könnte man noch einmal über ihn sprechen, wie könnte man ihn in eine neue Tonart der Interpretation bringen, ohne zu wiederholen, was bereits ausgestellt worden ist? Dies sind nur einige der Fragen, die ich mir stellte, als ich die Einladung des Goethe-Instituts erhielt, eine Schmuckausstellung zu kuratieren, die sich an Beuys orientieren sollte.

Eines war von Anfang an schnell klar: Beuys interessierte sich nicht für Schmuck, nicht einmal für Schmuck als Kunstform. Er trug keinen Schmuck und schuf keine Gegenstände, die den menschlichen Körper schmücken sollten. Obwohl sein Werk viele vorgefertigte Objekte enthält, könnte man sagen, dass Schmuck naheliegend wäre, aber er ist nirgends zu finden.

Über Joseph Beuys mit Hilfe von Schmuck zu sprechen, hat uns herausgefordert. Das richtige Gleichgewicht des Sinns und Geistes Joseph Beuys in Bezug auf Schmuck zu finden war nicht einfach. Eine ehrfürchtige Ausstellung zu Ehren von Beuys, aber mit einem Thema, das von der Figur gar nicht bespielt wird: Schmuck.

Zunächst gingen wir dazu über, die Ausstellung als Installation zu gestalten. Dann wurde mir klar, dass ich Beuys zunächst nur durch die bekannte Performance I Like America and America Likes Me wahrgenommen hatte. Weil mir das keine Ruhe ließ und weil Schmuck nur dann Schmuck ist, wenn er mit dem menschlichen Körper zu tun hat, wurde die Tänzerin Vava Stefănescu eingeladen, an dem Projekt teilzunehmen. Ich wusste, dass es sicher viel Bewegung geben würde und dass das Hauptelement der Ausstellung ein Video sein müsste.

Wir haben die fünf Schmuckkünstler*innen so ausgewählt, dass sie so unterschiedlich wie möglich sind. Sie vereint, dass sie über Trauma, Keimung, Kunst, Solidarität und Kontinuität sprechen. Die beiden deutschen Künstler*innen, Melanie Isverding und Gisbert Stach, sind beide im konzeptionellen Bereich des Schmucks tätig. Allerdings arbeiten sie in unterschiedlichen Stilen. Melanie Isverding ist eher taktil in Technik und Material. Jedes ihrer Stücke beinhaltet einen langwierigen Prozess der Herstellung. Von ihr wählte ich drei Amulett-Halsketten aus, die sorgfältig gewebt und in minimalistische, perfekte Rahmen "eingefasst" waren. Von Gisbert Stach habe ich das vielleicht konzeptionellste Stück von allen ausgewählt: eine Schmuck-Video-Performance, die von Erosion und Zerstörung spricht.

Die drei rumänischen Schmuckkünstler sind Ana Barbu, Cleopatra Cosulet und Teodor Siminic. Ana Barbu ist vermutlich von allen dem beuyschen "Geist" am nächsten. Sie selbst sammelt Objekte an verschiedenen Orten und fügt sie zu Schmuckstücken zusammen. Im Fall der Juwelen im Video wurden sie aus dem Pflanzenreich gesammelt. Ein Wurzelanhänger und eine Halskette aus getrockneten Ästen getragen am Fuß ihres Handschuhs. Cleopatra leiht uns die ersten Stücke aus ihrer Kollektion Incipit, die zu uns über Anfang und Ende, über Zyklen als etwas Natürliches und Notwendiges spricht. Ihre Pinsel sind organisch, rund wie pechschwarze Eier und verleiten dazu, sie zart zu berühren und zu schützen. Teodor Siminic gibt uns mit „Drachen“ (Zmei), Drachen-Broschen. Wie alchemistische Totems, mit dem goldenen Apfel in der Mitte, können sie sowohl auf der Brust als auch dem Rücken getragen werden, wie es die Figur im Video wählte.

Vava Stefanescu wird zu diesem universellen Körper, der wie Beuys seine Objekte auswählt und mit jedem einzelnen in Resonanz geht. Sie liebt sie, stößt sie ab, schützt sie, spielt mit ihnen, trägt sie wie symbolische Juwelen in einem ungeregelten Tanz, der aus Erfahrung und Instinkt entsteht. Radu Savin, der die Bilder ausdenkt, die Sequenzen schneidet und den Ton auswählt, hat die Aufgabe, diesem zentralen Stück der Ausstellung, Schmuck und Joseph Beuys zusammenfließen zu lassen.

Beuys sagte: „Jeder Mensch ist ein Künstler.“ Ich glaube, dass er uns mit diesem Satz das größte Geschenk gemacht hat. Jedes Mal, wenn ich es lese, wird etwas zu meiner Freiheit hinzugefügt."

Dan Pierșinaru, Kurator

 

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